Öko-Modellregion

Karl Heinrich Weber vom Schwalbenhof

… Wenn Überzeugung Taten folgen.

Viel los ist auf dem Weg zum Schwalbenhof. Dort ein paar Hühner, hier Gänse, Kälber, Kühe… Denn als wenn der Tag für Karl-Heinrich Weber mehr Stunden hätte als für jeden anderen, hält er zusätzlich zu seinem Hauptgeschäft, dem Milchvieh, selten gewordene Bayerische Landgänse, Meißner Widderkaninchen und Coburger Fuchsschafe. Da seine Milchviehrasse, die Gelbviehrinder, auf der „Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen“ steht und sich Weber durch landwirtschaftliche Nutzung jener um deren Erhalt bemüht, darf der Schwalbenhof sich darüber hinaus als sogenannten Arche-Hof auszeichnen. Das Konzept eines Arche-Hofes dient zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen und, hinsichtlich der schwindenden Artenvielfalt auch unter den Tieren, ist jedes Engagement in diese Richtung besonders lobens- und nennenswert. Der Gedanke einer Kreislaufwirtschaft steht besonders beim Ackerbau immer im Fokus: Kleegras als Futter nutzen und dafür den Mist wieder auf die Felder und Wiesen ausbringen. Rund 35 Hektar sind dem Kleegras vorbehalten, weitere 35 Hektar sind Wiesen zur Heugewinnung und Weiden. Auf 20 Hektar baut Weber schließlich Getreidesorten wie Dinkel, Roggen, Braugerste und etwas Weizen an, aber auch alte Kultursorten wie Emmer und Einkorn.

„Von em gscheide Heu is noch kei Kuh krank worn“ – Dies könnte man als Karl-Heinrich Webers Werbespruch nehmen, wenn er andere Landwirte für Heumilch begeistern möchte. Zurück zum Naturgedanken wollte Karl-Heinrich aber schon sehr früh. 1988 den jetzigen Schwalbenhof gekauft, stellte er zusammen mit seiner Frau Elisabeth bereits 1990 auf Biolandwirtschaft um. Eine Informationsveranstaltung eines Pflanzenschutzherstellers sorgte bei Karl-Heinrich und seinem langjährigen Kollegen Albert Warmuth aus dem Nachbarort Junkershausen zum Umdenken. Auf einer gemeinsam besuchten Veranstaltung, auf der es um den konventionellen Anbau von Getreide ging und ein intensiver Einsatz von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln empfohlen wurde, entgegneten die beiden mit dem Motto „Was ich nicht mehr auf meine Felder ausbringe, wird auch in 20 Jahren die moderne Messtechnik nicht mehr finden“, erzählt Karl-Heinrich rückblickend. Deshalb beschlossen sie noch an jenem Abend, so nicht mehr weiter zu machen und ab dem darauf folgenden Tag auf Bio umzustellen. Auf diesem radikalen Weg mussten natürlich einige Hürden genommen werden. So kam es, dass Karl-Heinrich beispielsweise 14 Jahre lang seine in Bio-Qualität produzierte Milch konventionell verkaufen musste, da es in der Nähe noch keine Bio-Molkerei gab. Aber Karl-Heinrich ist eben zäh, wenn es um seine Überzeugung geht. Seit 2005 liefert er nun die meiste Milch an die Coburger Molkerei.

Als ihm der Bioland-Stall nicht mehr seinen Vorstellungen entsprach, baute er 2016 einen neuen Offenfrontstall mit Tiefliegenboxen, denn: Seine Kühe sollten noch mehr Freiraum haben. Weit über den vorgegebenen Bioland-Richtlinien müssen sich seine Kühe den Stall auch nur mit 69 Artgenossen teilen. Denn auf genügend Platz und das natürliche Futtermittel Heu schwört Karl-Heinrich. Jene sind die ausschlaggebenden Gründe für die enorm sinkende Krankheitsrate unter seinen Kühen. Ausgestattet ist der neue Stall nun außerdem mit einem Melkroboter, der ihm und seinem Sohn viel Arbeit abnimmt und so manchmaliges sehr frühes Aufstehen zum Melken überflüssig macht. Sein Drittältester von fünf Kindern, der 27-jährige Balthasar, führt mittlerweile mit ihm den Familienbetrieb. Ein Teil der eigenen Milch wird in der kleinen Hofkäserei zu Käse verarbeitet und ab Hof verkauft. Der Hofladen, um den sich vorwiegend Elisabeth Weber kümmert, bietet außerdem Bio-Apfelsaft, Eier, Quark und Joghurt aus eigenem Erzeugnis. Mit im Angebot findet man Vollkornbrot, Dinkelmehl, Nudeln, Honig und Aufstriche von anderen biologischen Erzeugern aus der Region.

Seine Überzeugung möchte er bei dem gewöhnlich am ersten Mittwoch im Monat stattfindenden Stammtisch von (Bio-)Bauern aus der Region und bei Info-Veranstaltungen, für die er seinen Hof gerne öffnet, an Kollegen und Kolleginnen weiter geben. (Bei Interesse am Stammtisch dürfen Sie sich gerne bei Karl-Heinrich unter 09762/6186, mobil: 0152-29402350 melden.) Im Zuge der Informationsvermittlung und Wissensweitergabe ist zu nennen, dass er neben bayernweit rund 90 langjährig ökologisch wirtschaftenden Betrieben Teil des sogenannten BioRegio-Netzes ist, das ein Informationsangebot für umstellungsinteressierte Landwirte und Schüler der Landwirtschaftsschulen zur Verfügung stellt und einen detaillierten Einblick in die Ökolandbau-Praxis bietet.

Für die Zukunft ist derzeit eine Vergrößerung der Heuhalle in Planung. Aktuell formiert und vernetzt sich auch eine Gemeinschaft aus interessierten Landwirten mit Karl-Heinrich als einer der Haupttreiber, deren Ziel die gemeinsame Vermarktung einer Rhöner Heumilch ist. Wenn Balthasar ganz nach seinem Vater kommt, wird man daher mit Sicherheit noch einiges vom Schwalbenhof Weber hören und vielleicht sogar bei der nächsten Gelegenheit einer Hofführung, auch sehen.