Öko-Modellregion Waginger See - Rupertiwinkel

Kristine Rühl – Solidarische Landwirtschaft in Otting

„Das kannst du nicht machen, wie sollst du davon leben? Das hast du ja nicht gelernt.“ Das war die Überzeugung, die Kristine Rühl noch vor wenigen Jahren von ihrem Wunsch abhielt. 15 Jahre hatte sie als Selbstständige eine Werbeagentur in Siegsdorf geführt – klassisch, mit guter Auslastung und Erreichbarkeit rund um die Uhr. Parallel dazu hatte sie noch eine Waldorflehrer-Ausbildung und eine zur Schneidermeisterin absolviert – damit hätte sie mehr als ausgelastet sein können.
Doch dann wollte Kristine „zurück zu den Wurzeln“ und entdeckte ihre Liebe zum Gärtnern. Die vertiefte sie über die Jahre und hielt Ausschau nach einem geeigneten Grundstück, bis vor sechs Jahren endlich eine passende Fläche in Otting zu erwerben war.  Da hat es so richtig angefangen mit dem Gärtnern. Es sollte ihr Sehnsuchtsort werden.

Die Agentur lief nebenher weiter und wurde mit Nachtschichten am Laufen gehalten. Denn tagsüber ist sie immer öfter „ausgebüxt“. „Ich hab immer wieder im Büro gesagt, ich komm gleich wieder. Aber dann konnte ich mich nicht mehr loseisen und bin am Acker geblieben.“ Und eines Tages stieß sie auf das Prinzip der „solidarischen Landwirtschaft“: Eine Gruppe von Menschen finanziert die Arbeit eines Bauern oder Gärtners zu festen monatlichen Beträgen; nicht nur die Ernte, auch die Anbaurisiken werden so geteilt; das führt Erzeuger und „Abnehmer“ eng zusammen. Darin sah sie eine Chance für Quereinsteiger und wandte sich an das Beraternetzwerk der Solidarischen Landwirtschaft.

Im vorletzten Jahr hat Kristine Rühl dann die Agentur aufgegeben – eine leichte und notwendige Entscheidung, um sich nun ganz dem Neuen zu widmen. Bald soll eine Kooperation mit einem Gärtner das Team vervollständigen und die Abläufe optimiert werden. Auch zu Bauern aus der Region ist ein reger Kontakt entstanden. Sie helfen ihr, mit den Böden zurechtzukommen und sie wiederum hilft bei ihnen, wenn es mal brennt.

Nach und nach werden es mehr Menschen, die ihr die Ernte zu festen monatlichen Beiträgen abnehmen. Angeboten werden Anteile für Alleinstehende und Familien.  Kristine freut sich über weitere Interessenten. Auch die Einbindung in die Öko-Modellregion und dadurch entstehende Kontakte hilft Kristine, ihr Ziel nach und nach zu erreichen. „Auch wenn es viel Arbeit ist, so kommt doch eines zum anderen, entsteht und wächst. Wenn Du vor so einer Pflanzenreihe stehst, denkst du oft, das schaffst du nie – dann fängst du an, gerätst in eine meditative Stimmung, und plötzlich bist du fertig.“

Arbeiten im eigenen Rhythmus und im Einklang mit der Natur – das hat sich Kristine immer gewünscht und schließlich mit sehr viel Energie umgesetzt: Am Rand des Ackers, auf dem 40 bis 50 heimische Gemüsesorten wachsen, alle in zertifizierter Demeter-Qualität, sind inzwischen Beerensträucher und Obstbäume gepflanzt, eine Wasserleitung wurde verlegt, Gewächshäuser wurden errichtet. Auch weitere Pläne hat Kristine: Ein See soll angelegt werden für eine natürliche Wasserversorgung, ebenso ein Rundbau für Kräutertrocknung, als Schutz für die Feldarbeiter im Sommer und bei Wind und Wetter. Schwielen an den Händen zeigen, mit welch sprühender Energie Kristine ihre Pläne handfest in die Tat umsetzt – „darauf bin ich stolz“, meint sie. Wenn sie heute zurückblickt auf das, was sie und ihre Mithelfer geschaffen haben, kann sie von Herzen sagen, dass sie es keine Minute bereut, ihr altes Leben gegen diese neue Aufgabe eingetauscht zu haben.

Landwirtin
Kristine Rühl
Neumayerstr. 16
83313 Siegsdorf
Telefon: 08662 – 409 505
Mail: info@solawi-chiemgau.de
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