Öko-Modellregion Oberes Werntal

Rosi Kuhn

Dass es in Bayern überhaupt noch so viele Landwirte gibt, das ist vor allem dem hohen Anteil an Landwirten zu verdanken, die ihren Betrieb als Nebenerwerbsbetrieb führen. Also jenen Menschen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen und nach Feierabend dann in der Landwirtschaft arbeiten. In der Elterngeneration hatte der Hof noch zwei Familien ernährt, heute ist es für eine Familie eine Herausforderung. Wie kommt es, dass so viele Menschen trotz dieser erschwerten Bedingungen die Landwirtschaft nicht aufgeben? „Die einen haben eine Porsche in der Garage, ich habe die Tiere auf der Weide. Das freut mich jeden Tag, ich empfinde es nicht als Arbeit. Es ist für mich eine Lebensphilosophie, die einzige Art, wie ich leben will.“, hört man öfter.

Auch Stefan und Rosi Kuhn aus Oerlenbach sind solche Idealisten und Bauern aus Leidenschaft. Der Betrieb wird behutsam und mit viel Geduld von beiden an die sich verändernden Bedingungen in der Landwirtschaft angepasst. Auf das Einkommen dürfen die beiden dabei derzeit aber nicht schauen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir durch den Verkauf ab Hof innerhalb der nächsten Jahre ein stabiles Zusatzeinkommen in Höhe eines Minijobs haben – zusätzlich zur Verpflegung durch den Hof.“ Das sind bescheidene Erwartungen, dafür erreichbar und realistisch.

Mit viel Liebe ist über die Jahre einen Bilderbuchhof entstanden: mit Schweinen, Ziegen, Hühnern, Bienen, Pferden, Hunden und Katzen. Aufgrund von Allergien der Kinder fand ein Umdenken hin zum Ökolandbau und der Wechsel von Kühen zu Ziegen statt. Das war anfangs nur zur Versorgung der Familie gedacht. Eine klassische Subsistenzwirtschaft also: Menschen versorgen sich auf ihrem Land selbst und verkaufen die eher geringen Überschüsse.

Jahrelange Erfahrung in der Verarbeitung der überschüssigen Milch sorgt für eine solide Erfahrung im Buttern und Käsen. Diese Basis baute Rosi durch den Besuch verschiedener Käsekurse aus. Inzwischen haben sie eine Hofkäserei eröffnet. Im zugehörigen Hofladen vermarkten sie seit Herbst 2018 den Käse ihrer Milchziegen, Honig aus eigener Imkerei sowie saisonales Obst und Gemüse. Um das Sortiment zu ergänzen, verkaufen sie außerdem Erzeugnisse weiterer regionaler Biobetriebe, wie z. B. verschiedene Mehle, Nudeln, Rohkostöle und Kaffee.

Daneben ist der Hof ein zugelassener Erlebnis-Bauernhof – hier können die Kleinen und Kleinsten Landwirtschaft hautnah erleben. Tiere pflegen, in der Erde wühlen, Bienen beobachten, Melken und Käse machen. Die Angebote als Lernort Bauernhof umfassen Schul- und Kindergartenausflüge sowie Geburtstagsfeiern.

Aufslistung der Betriebe des Programms Erlebnis Bauernhof…