Sepp Probst – Biovielfalt vom Chiemsee

Wie bei seinem Freund und Kollegen Hans Posch stehen auch für Sepp Probst die Bewahrung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und die Bearbeitung mit schonenden Methoden am Anfang jeden Erfolgs. Sein vielfältiger Biobetrieb liegt zwar etwas außerhalb der Ökomodellregion, am Ostufer des Chiemsees und nicht am Waginger See, dennoch ist er ein wichtiger Kooperationspartner für die Ökomodellregion. Sepp ist ein nachdenklicher Typ, der sich gern neue Methoden anschaut und von anderen Kulturen lernt. So hat er sich zum Beispiel die südamerikanische traditionelle Methode abgeschaut, Mais und Stangenbohnen gemeinsam anzubauen, weil beide Pflanzen sich gegenseitig im Wachstum unterstützen und sich auch in der Futterration für Rinder ergänzen können, wenn die Bohnen keinen zu hohen Gehalt am unverträglichen Stoff Phasin aufweisen. Mais ist ein sogenannter „Starkzehrer“, der nährstoffreichen Boden benötigt, und Bohnen sind Stickstoffsammler, den sie mit Hilfe von Bakterien aus der Luft gewinnen und im Boden anreichern. Dafür dienen ihnen die langen Maisstängel als Stütze und Rankhilfe anstelle von Bohnenstangen.

Seine Ölsaaten wie Lein und Leindotter – beides traditionell hier beheimatete Kulturen, aber nur selten in der Landschaft zu sehen – gehen zum größten Teil an die Chiemgauer Ölmühle von Johann Niedl. Sein Biosenf geht bis auf kleine Mengen für Senföl in das Kooperationsprojekt der Ökomodellregion mit dem Feinkosthändler Byodo in Mühldorf. Biosenf ist eine Kultur, die im Bioanbau schwierig ist, weil die Senfschoten gern von Insekten wie z.B. dem Rapsglanzkäfer und dem Kohlschotenrüssler oder die ganze Pflanze vom Erdfloh angefressen werden. Insektizide, also Gift gegen Insekten, ist im Bioanbau selbstverständlich tabu, deshalb experimentiert der Sepp mit unterschiedlichen Anbaumethoden: Er hat den Senf als Nebenfrucht im Gemenge mit Erbsen oder Wicken angebaut, mit Ackerbohnen oder sogar mit dem extensiven Purpurweizen, und trotz wechselhafter Erträge hat er damit schon öfters die nötige Mindestmenge für den Senfertrag aus der Ökomodellregion gesichert.

Daneben baut er auch Laufener Landweizen an. Die alte aus dem Rupertiwinkel stammende Sorte, die vor über 40 Jahren aus einem kleinen Restbestand an Körnern in einer Samenbank hervorgeholt und durch die Landesanstalt in Freising wieder vermehrt wurde, ist nicht sehr ertragreich, aber sie hat viele Vorzüge: Sie ist sehr langstrohig, wenig pilzanfällig, und durch die geringere Bestandesdichte bietet sie Platz für selten gewordene Ackerwildkäuter und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt. Von manchen Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit soll sie, in Verbindung mit alten handwerklichen Backmethoden, besser vertragen werden als Weizen-Standardmehl aus modernen, auf Maximalertrag gezüchteten Weizensorten. Da kommt es zupass, dass die biozertifizierte Bäckerei Stumhofer in Chieming (Link zur Homepage) auch aus der alten Landweizensorte hervorragendes Brot und Gebäck herstellen kann.

Sepp hält viel von Kooperation und unterstützt daher auch Menschen, die sich für alternative Wirtschafts- und Produktionsweisen einsetzen – zum Beispiel Kristine Rühl und ihren Gemüseanbau (Solidarische Landwirtschaft Chiemgau, Link zur Homepage) in Waging-Otting, der er einen fruchtbaren Krautacker zur Verfügung stellt. Dafür hilft ihm Kristine auch schon mal im Stall – Sepp melkt 45 Kühe -, wenn er Hilfe braucht.

Von Sepp kann man lernen, was echter Zusammenhalt bedeutet – daneben zeigt sich auch hier die enorme Liebe und Leidenschaft, in Partnerschaft mit der Natur erfolgreichen Öko-Ackerbau zu betreiben und zu experimentieren – und das in einer Grenzertragslage, im Übergangsbereich zum Dauergrünland, die gewiss nicht die leichtesten Bedingungen bietet.

Josef Probst, Außerlohen 2, 83339 Chieming, Tel. 08664 / 929 360, mail: seppprobst@t-online.de