Öko-Modellregion Steinwald-Allianz Oberpfalz

Simon Zeitler

Simon Zeitlers Hofübernahme begann mit einer kleinen »Erpressung«. Denn die Bedingung dafür, dass er in den Betrieb einsteigt und ihn verantwortlich leitet, war die Umstellung auf Bio-Landwirtschaft. »Ich habe meinen Eltern gesagt, ich übernehme und ich stelle um, oder ich übernehme gar nicht erst.« Nun, so unwillig waren die Eltern aber gar nicht – und insgeheim wohl auf froh darüber, denn auch sie hatten vorher – auch ohne Zertifizierung – schon einiges für eine naturnahe Landwirtschaft getan. »Auch die Eltern haben schon viel Zwischenfruchtanbau mit Kleegras betrieben, wir haben Jahr für Jahr weniger Pflanzenschutzmittel ausgebracht und alles getan, um auf eine schonende Art Landwirtschaft zu betreiben.« Dass auch die Eltern schon sehr innovativ waren, erkennt man spätestens, wenn man die Heutrocknung ansieht, die eine Gemeinschaftsleistung aus technischem Sachverstand des Sohnes und Mut der Eltern war.

So war der Schritt nicht allzu groß. Und Simon hat auch Verständnis für seine Eltern und auch die weiter konventionell arbeitenden Kollegen. Wenn man das ganze Leben gesagt bekommt, dass der einzige Weg das »Wachse oder weiche« ist ‒ vom Amt, vom Bauernverband, von Kollegen ‒ dann fällt das Umdenken und Umschwenken schwer. Denn auch von seinen konventionellen Kollegen schließen sich viele Simons Meinung an, dass die Verantwortung für die strukturellen Probleme die Politik trägt, und diese ist gesteuert von einer mächtigen Agrarlobby. Alte verkrustete Strukturen und betagte Entscheider sorgen dafür, dass sich nichts bewegt und längst fällige Innovationen und Anpassungen an die wirklichen Verhältnisse nicht stattfinden, beklagt er. Änderungen müssten dringend her! Man merkt beim Zuhören: Da ist ein junger Mann, der Verantwortung übernimmt und auch vor unbequemen Erkenntnissen nicht zurückschreckt.

Aber beim Klagen bleibt es nicht. Vielmehr packt Simon Zeitler tatkräftig an, um zu ändern, was er ändern kann. Unterstützt wird er dabei von seinem Bruder, der bei ihm angestellt ist. Die Frauen arbeiten nicht am Hof, sondern gehen ihren eigenen Berufen nach. Das habe auch Vorteile, meint Simon – Abstimmungen und Auseinandersetzungen über die Hofentwicklung entfallen so und er kann allein entscheiden, was er tun möchte und wie.

Auch im Öko-Ackerbau fasst er Fuß, baut erfolgreich Soja an und beginnt auch mit Edelweizen und Braugerste. Schonende Bodenbearbeitung mit Flachackern zum Schutz des Bodenlebens, Experimentierfreude und technischer Sachverstand gehen hier Hand in Hand. Ein Viertel der Fläche steht maximal für solche Experimente zur Verfügung, der Rest wird benötigt, um die 100 Milchkühe von der Fläche zu ernähren. Dabei bleibt es eine Herausforderung, den Kühen auch den notwendigen Weidegang zu ermöglichen.

Als Einzelkämpfer sieht er sich trotz aller Schwierigkeiten nicht. Gemeinsam mit zwölf anderen Kollegen ist er eine Maschinenpartnerschaft eingegangen. Und hierzu gehören auch wiederum „konventionell“ arbeitende Kollegen. Aber das Wichtigste ist ja eh der regionale Gedanke, der alle miteinander verbindet.