Öko-Modell-Regionen

Sina Nagel

Barnhouse - Geschäftssinn und Idealismus

Foto: Daniel Delang

Manche Geschichten klingen im Nachhinein zu schön, um wahr zu sein. Die Geschichte von Sina Nagl und Neil Reen ist so eine. Bereits in den auslaufenden 70ern ernähren sich Sina und ihr Partner Neil vollwertig. In den USA entdecken sie das erste Krunchymüsli ihres Lebens. Und sind begeistert. Weil es so was damals im oberbayerischen Mühldorf nicht gab, beginnen schon bald die ersten Experimente in der Küche. Die Mischung gelingt und immer mehr Freunde fragen die knusprige Kreation nach. Das ist die Geburtsstunde des Krunchymüsli. Mit 3000 D-Mark und einer Menge Enthusiasmus starten die beiden in die Selbständigkeit.

 

Bald geht nun die vierte und gleichzeitig modernste Produktionsstraße in Betrieb. Barnhouse beschäftigt heute rund 90 Mitarbeiter und zählt zu den Pionieren der Biobranche. An die Anfänge erinnert hier kaum noch etwas. Das neue Betriebsgebäude wurde bereits wieder erweitert – es wird mit Geothermie, also Grundwasser, gekühlt und mit Solarpaneelen auf dem Dach Strom erzeugt. Bis ins Detail wird hier auf zukunftstaugliche Technologien und professionelle Abläufe geachtet.

 

Sina Nagl steht nach wie vor an der Spitze des Unternehmens, zusammen mit Neil Reen und seiner Ehefrau Bettina Rolle. Ihr Sohn Moritz ist seit sechs Jahren mit dabei. Man sagt Frau Nagl nach, eine harte Verhandlungspartnerin zu sein mit klarem Gespür fürs Geschäft. Alles andere würde bei der Entwicklung des Betriebes auch verwundern. Und obwohl die Öko-Branche sich radikal professionalisiert hat, ist Sina Nagl bis zum heutigen Tag vor allem eines: eine Überzeugungstäterin. An den Ökolandbau und die Möglichkeit einer besseren Welt glaubt sie wie am ersten Tag. Wer ihr begegnet, spürt vor allem die Liebe zu gesunden Kreisläufen, die Loyalität zu den Landwirten, die Sehnsucht und den Willen, gemeinsam eine bessere Welt zu erschaffen.

 

So startet sie 2015 im Rahmen der Öko-Modellregionen Waginger See – Rupertiwinkel und Isental die Barnhouse Erzeugergemeinschaft. Landwirte aus der Umgebung liefern seither an Barnhouse Dinkel und Hafer. Dafür bekommen sie den Preis, den sie brauchen. Das ist eine Seltenheit und vorbildlich: abgekoppelt von Marktpreisen den ansässigen Biobauern treu zu sein. Schon im zweiten Jahr verdoppelt sich die abgenommene Menge Hafer und garantiert so, dass 250 Hektar Land in der Region ökologisch bewirtschaftet werden. Auch die Forschung kommt nicht zu kurz: So werden Sepp Brauns Experimente, zum Hafer noch Leindotter, Ackerkräuter und Bienenweiden einzustreuen, dankbar angenommen und können in der Region der Barnhouse Lieferanten weiter erprobt werden. Barnhouse unterstützt auch die Entwicklung des ersten biologischen Saatguts für Hafer, und „ihre“ Bauern freuen sich schon darauf, den künftig aussäen zu dürfen.

 

Um dem regionalen Engagement ein Gesicht zu geben, hat Barnhouse eigens neue Müslis, sogenannte „Granola‘s“ entwickelt. Diese werden überwiegend aus regionalen Zutaten hergestellt und enthalten deutlich weniger Zucker. Damit die partnerschaftliche und persönliche Beziehung zu den Landwirten bestehen kann, braucht es nun noch die Bereitschaft der Verbraucher, den richtigen Preis zu zahlen. Erst dann ist der ökologische Kreislauf wirklich gesund!

 

www.barnhouse.de