Öko-Modell-Regionen

Thomas Lang – Rhönmalz

Ein fast vergessenes Gewerbe

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Das Mälzen wie das Brauen hat in Deutschland eine lange Tradition. Vor der Industrialisierung ging beides meist Hand in Hand. Erst im auslaufenden 19 Jahrhundert entstehen eigene Mälzereien, die allesamt anmuten, wie Fabrikanlagen. Gleichwohl ist der strukturelle Wandel der Wirtschaft auch in diesem Gewerbe nicht folgenlos geblieben. Viele davon sind geschlossen.  Tendenzen Größenvorteile zu nutzen, Wachstums und Effizienorientierung und die Konzentration der Märkte bewirkten große Veränderungen.

 

Anders als ein Handwerk, welches direkt für den Endverbraucher produziert, wird das Mälzen vom Verbraucher kaum wahrgenommen. Als Zulieferer der Brauereien sind sie ein in der Öffentlichkeit fast vergessenes Gewerbe, deren drastische Abnahme sich im Stillen vollzieht.

 

Der Deutsche Mälzerbund zählt in  2017 noch 28 Betriebe. Die überwiegende Mehrheit befindet sich in Franken. Wenige produzieren in industriellem Maßstab. Anders die fränkischen Mälzereien und mit ihnen die Mälzerei von Thomas Lang. In dem Gebäude, das an die Industriearchitektur des auslaufenden 19 Jahrhunderts/beginnenden 20 Jahrhunderts erinnert, wird noch traditionell gemälzt. Die sinkenden Marktchancen bewirkten hier, dass die Gebäude in der Originalversion erhalten sind. Der Flächenbedarf für Mälzereien ist enorm. Die Gerste wird in drei Schritten gemälzt: die Gerste wird geweicht bis sie die notwendige Feuchtigkeit hat, danach gekeimt und schließlich gedarrt. Im letzten Schritt entstehen die für das Brauen so wichtigen Aromastoffe.

 

Das Überleben kleinerer Mälzereien bedurfte in den letzten Jahren Ausdauer. Der erste Lichtblick kam mit der Biobranche. Die Nische wird von Thomas Lang erfolgreich genutzt und schafft ab 1993 ein zusätzliches Standbein. 20 Prozent seiner Produktion sind biologisch angebaute Gerste. Auch internationale Handelsbeziehungen gehören zum Geschäft. So liefert Rhönmalz unter anderem in die Mongolei! Die letzten Jahre zeichnet sich auch der Beginn einer neuen Brautradition ab: Craft Breweries erobern die Regionen. Bier wird wieder zu einem individuellen Erlebnis. Die Gegenbewegung zum Einheitsgeschmack großer Bierkonzerne produziert in kleinen Mengen kreative Gebräue. Die Produktion kleiner Mengen kennt Thomas Lang schon von den Anfängen der Biobewegung. Und schafft sich hiermit eine weitere Nische.

 

So gelingt es, die handwerkliche Tradition des Mälzens mit wiederbelebter Braukunst zu verbinden. Ein Gewinn für beide. Dennoch, geht es nach dem Mälzer Thomas Lang, dann wünscht er sich vor allem ein größeres Bewusstsein für Regionalität. Dort, wo regional Wertschöpfungsketten noch geschlossen werden können, sollte man dies auch nutzen. Denn zahlreiche Regionen verfügen nicht mehr über die Infrastruktur einer heimischen Mälzerei.