Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld

Tobias Ries und das Landgasthaus Bärental

– Einfach anders. Und von Herzen. – 

„Wir haben hier einfach gefehlt“, erklärt Tobias Rieß auf die Frage, warum sie gerade Sulzfeld und das Bärental für ihr Vorhaben einer neuen Gastwirtschaft ausgewählt haben. Nun bereichern sie die Region mit hochwertigen, kreativen Speisen, die zeigen, was Essen alles kann.

Schon unter dem Vorpächter war der Landgasthof Bärental für gehobene Gastwirtschaft bekannt und beliebt. Doch nun hauchen Tobias Rieß und Anna-Lena Sichler mit ihrem Konzept von moderner Küche nach regionalen, saisonalen und ökologischen Gesichtspunkten dem Gasthaus Bärental neues Leben ein. Sie haben als zweiter Gastro-Betrieb in Rhön-Grabfeld, neben dem Gasthaus Dickas in Bischofsheim, die Biozertifizierungs-Förderung des Landkreises in Anspruch genommen und den Weg in die Biozertifizierung gewagt.

Besonders am Herzen liegt ihnen die Verarbeitung von gerade saisonalen und regionalen sowie in bereits vielen Teilen ökologisch erzeugten Produkten. Zu ihren Bio-Zulieferern gehört zum Beispiel Gerhard Eckert direkt aus Sulzfeld. Von ihm kommt das Lammfleisch. Dinkelrisotto, Tagliatelle sowie Eier liefert der Biohof May aus Junkershausen. Quark, Käse und bald auch das Fleisch vom Kalb stammt vom Schwalbenhof Weber in Wülfershausen und die meisten ihrer Gewürze aus der Bio-Gewürzmühle der Metzgerei Gensler in Unsleben. Da gebürtig aus Wülfershausen, kennt Tobias viele der Zulieferer schon lange persönlich und in jedem Fall überzeugen sich die Beiden vorher immer persönlich auf dem jeweiligen Hof von der Qualität der Produkte. Dieser enge Kontakt zu den Erzeugern garantiert ein hochwertiges Geschmackserlebnis auf dem Teller, mit welchem sie auf einem guten Weg sind, bei den Besuchern einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Weiterhin wird man auf jenem Teller keinerlei Fertigprodukte finden – Frisch und Selbst ist Pflicht. Der Bärlauch in der Suppe ist eigens gepflückt, Bio-Gin Tonic mixt man mit Bio-Dinkelreisbrand vom Biohof May. Schinken, Bratwürste und Wagyupastrami – ein dünnes geräuchertes und gewürztes Stück Fleisch vom Wagyu-Rind, das Hermann Kießner aus Wülfershausen aufzüchtet, kommen aus eigener Herstellung. Wagyu nennt man Rinder aus der japanischen Region Kobe, was übersetzt etwa so viel heißt wie „japanisches Fleisch“. Ein anderes Beispiel regionaler Wertschöpfung ist ihr Bezug von Hähnchen und Truthühnern. Da sie hier die größten Defizite in der Lebensmittelindustrie sehen, verlassen sie sich auch hier auf Regionalität: Denn wenn im Bärental Hähnchen oder Truthahn auf der Wochenkarte erscheint, so ist dieses vorher extra für das Bärental, ganz in der Nähe in Alsleben von einem Bekannten, aufgezüchtet worden. Auch vom Wild gibt es nur das, was der Jäger gerade schießt. „Generell wollen wir alles von einem Tier wertschätzen, nicht nur die Teile, die geläufig als Edelstücke verkauft werden. Vom Bio-Fleisch beziehen wir deshalb nur die ganzen Tiere“, so Anna-Lena.

Ein gutes Omen für das Bärental: Das Paar teilte bereits den Arbeitsplatz: Im Hotel Gut Ising am Chiemsee haben sich die beiden kennengelernt. Mit 16 verließ Tobias die Heimat zur Lehre in Berchtesgaden. In Kontakt mit moderner gehobener Küche kam er dann in Ruhpolding im Ortnerhof als stellvertretender Küchenchef. Anna-Lena hat Hotelfach mit Schwerpunkt Service gelernt. Zusammen kamen sie dann zurück ins Grabfeld. Das Paar teilt also nicht nur das gastronomische Know-How, sondern auch die Leidenschaft für Essen und Küche.

Heute verwöhnen sie von Mittwoch bis Montag eine breite Kundschaft. Für die Liebhaber der Klassiker gibt es den gutbürgerlichen Mittagstisch, für Feinschmecker kann es auch mal ein Wein- oder Beef-Tasting sein, welches dann teilweise in Bio angeboten wird. Ähnlich dem Wein-Tasting ist bereits einen Bier-Tasting-Abend, umrahmt von einem 5-Gang-Menü, in Planung. Aber auch darum, dem Nachwuchs nachhaltige Wertschöpfungsketten nahezubringen, bemüht sich das Pärchen bereits. So haben sie beispielsweise mit dem Kindergarten Sulzfeld einen Ausflug zum Biohof May in Wargolshausen organisiert, bei dem der Hof besichtigt und danach gemeinsam mit den Kindern aus den Erzeugnissen des Hofes eine Speise gekocht wurde. Ähnliche Veranstaltungen sollen auch in Zukunft folgen.

Tobias Riess und Anna-Lena Sichler haben verstanden, dass auch Gastronomen im Jahr 2019 eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft tragen. Mit Spaß an regionaler und ökologischer Ressourcennutzung und -Verarbeitung leisten sie vorbildliche Arbeit für unsere Region.