Öko-Modell-Regionen

Projekte / Beteiligungsangebote und Genussrechte

INVEST IN BIO + REGIO

Konferenz im Rahmen des transnationalen LEADER-Projekts da.und.dort der SMG Landkreis Miesbach mit dem Zukunftsorte e.V. aus Österreich am 6./7. April 2017 in Miesbach

Biologische und regionale Lebensmittel sind ein Thema, das derzeit breit in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Im Fokus der zweitägigen da.und.dort Konferenz INVEST IN BIO+REGIO standen innovative ein- und ausheimische Initiativen aus dem Miesbacher Oberland, die aufzeigten, wie die bäuerliche Landwirtschaft mittels Bürgerbeteiligung erhalten und die regionale Identität der Bürger gestärkt werden können. Abgerundet wurde das Programm mit einem Podiumsgespräch und einem Exkursionstag zu Vorzeigebetrieben, wo weitere praktische Einblicke und erfolgreiche Möglichkeiten vermittelt wurden.

 

Hintergrund

Die Veranstaltung fand im Rahmen des transnationalen LEADER-Projekts „da.und.dort – Lernen im überregionalen/internationalen Netzwerk“ statt, einem Kooperationsprojekt der LAG Kreisentwicklung Miesbacher Land e.V. mit neun österreichischen LAGs. Projektträger sind die Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach mbH und der Verein Zukunftsorte e.V., der aus elf österreichischen Gemeinden besteht, die sich alle einem bestimmten Zukunftsthema (z.B. Kreativwirtschaft, (Bau-)kulter, Energie, Mobilität oder Tourismus) verschrieben haben.

Miesbach setzt als bayerischer Partner auf das Thema „INVEST IN BIO+REGIO – neue Investitionswege in biologische und regionale Lebensmittel“. Der Landkreis hat mit rund 30% die höchste Bio-Bauerndichte Deutschlands und beheimatet darüberhinaus bayerische Vorreiter mit landwirtschaftlicher Bürgerbeteiligung.

Die Konferenz - Tag 1

Die Konferenz stellte Finanzierungsmodelle wie Genussrechte, Crowdfunding, Genossenschaften, solidarische Landwirtschaft oder (Online-)Direktvermarktung anhand regionaler Initiativen vor. In das Programm wurden zudem Ausheimische, also weg- und zugezogene sowie wieder zurückgezogene BürgerInnen miteingebunden, um deren Erfahrung und Blick von ‚außen‘ auf die Region zu nutzen und sich auszutauschen.

 

TAG 1: Die Konferenz startete mittags am 6. April 2017 im Waitzinger Keller, wo die Konferenzteilnehmer ihre Tagungsunterlagen (u.a. ein detailliertes Tagungsprogramm mit Hintergrundinformationen zu allen vorgestellten Initiativen) erhielten und im Anschluss bei einem Stehempfang die erste Möglichkeit zur Vernetzung bestand.

Konferenzunterlagen im BioRegio-Sackerl - Foto: ÖMRUnterhaltung im Foyer - Foto: ÖMR

Der Nachmittag sollte die Teilnehmer über die unterschiedlichsten Möglichkeiten landwirtschaftlicher Bürgerbeteiligung und die Ideen regionaler Initiativen informieren. Die praxisnahen Vorträge fanden ab 13 Uhr im Saal des Waitzinger Keller statt. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Alexander Schmid (Geschäftsführer der SMG Landkreis Miesbach mbH) und Marika Kinshofer (Öko-Modellregionsmanagerin Miesbacher Oberland).

Alexander Schmid - Foto: ÖMRMarika Kinshofer- Foto: ÖMR

Petra Wähning, Kommunikationsberaterin verschiedenster Regionalinitiativen, verschaffte den Konferenzteilnehmern mit ihrem Beitrag „Durch Beteiligungsmodelle die Zukunft der Region mitgestalten“ den Einstieg und einen Überblick zum Thema. Anschließend führte sie als Moderatorin durch den ersten Tag.

Petra Wähning - Foto: ÖMR

Hubert Stehr, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank im Oberland eG, stellte die Crowdfundingplattform der Raiffeisenbanken vor, die die Finanzierung unterschiedlichster Projektideen ermöglicht. Im Anschluss daran präsentierten Sebastian Girmann und Nick Fischer, beide geschäftsführende Vorstände des Biotops Oberland, ihre solidarische Gärtnerei, deren Ziel der Aufbau einer unabhängigen, selbstverwalteten und gemeinwohlorientierten Versorgungsstruktur im Oberland ist.

Hubert Stehr - Foto: ÖMRBiotop Oberland - Foto: ÖMR

Robin Ehrhardt, Cluster-Projektmanager am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), stellte die Onlineplattform für Regionalprodukte in der bayrischen Gastronomie WIRT SUCHT BAUER vor, die versucht, Erzeuger, Gastronomen, Ernährungshandwerker und Initiativen zu vernetzen, indem die gegenseitige Suche und Kontaktaufnahme vereinfacht wird. Anschließend präsentierten Leonhard Brader und Kilian Häusler ihr Konzept zu AMAREGIO, einer Onlinedirektschnittstelle für regionale Erzeuger und Konsumenten. Die Plattform sieht sich als Partner von Direktvermarktern und Verbrauchern aus der Region und soll bis Ende 2017 als Pilotprojekt in Bayrischzell gestartet werden.

Robin Ehrhardt vom Cluster Ernährung - Foto: ÖMRLeonhard Brader von AMAREGIO - Foto: ÖMR

Das Interview mit den Landwirten Josef und Maria Berghammer aus Gmund zeigte, wie die Finanzierung des neuen Offenstalls durch Genussgutscheine und somit durch zukünftige Kunden funktionieren kann. Die rund 125 Investitionsanteile für 400 € pro Paket waren in drei Tagen vergriffen.

Abschließend stellte Stephanie Stiller, die seit Juni 2015 als LAG-Managerin für den Landkreis Miesbach tätig ist, anhand des LEADER-Projekts „Kräuter-Kraft-Natur – Unser Leitzachtal“ der Gemeinde Fischbachau vor, wie durch staatliche Förderungen der ländliche Raum gestaltet werden kann.

Maria und Josef Berghammer im Interview - Foto: ÖMRStephanie Stiller - Foto: ÖMR

Im Anschluss an die Vorträge begaben sich die Konferenzteilnehmer zum BioGut Wallenburg, wo sie der Gärtner Josef Pöhm, über das seit 1983 zum Bioland-Verband gehörige Gut mit Landwirtschaft, Gärtnerei und Hofladen informierte.

Das BioGut und seine Gärtnerei - Foto: ÖMRDer Hofladen mit Öko-Kiste - Foto: ÖMR

Das Programm wurde mit einer Podiumsrunde aus kommunaler Politik und fachlichen Experten und ihrem Statement zur regionalen Lage und möglicher Zukunftsaussichten abgerundet. Sie fand in der Eventscheune des Bayerischen Hofs Miesbach in Wallenburg statt. Petra Wähning moderierte die Runde mit Wolfgang Rzehak (Landrat Landkreis Miesbach), Klaus-Dieter Graf von Moltke (Hotelier, Vorsitzender Unternehmerverband Landkreis Miesbach e.V. und Aufsichtsratsvorsitzender der SMG Landkreis Miesbach mbH), Werner Haase (Leitzachtaler Ziegenhof, Ausheimischer), Marlene Hinterwinkler (Investorin Leitzachtaler Ziegenhof; Genussgemeinschaft Städter und Bauern, Ausheimische), Rüdiger Obermaier (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) und Klaus Thurnhuber (Bürgermeister Gemeinde Warngau, Mitglied der Steuerungsgruppe der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland).

Podiumsrunde regionaler und überregionaler Akteure - Foto: ÖMRCa. 85 Personen an runden Tischen im Austausch - Foto: ÖMR

Trotz der unterschiedlichen Hintergründe aller Teilnehmer war das Resümee eindeutig: INVEST IN BIO+REGIO zahlt sich aus und bringt regionalen Mehrwert, vorausgesetzt ein fairer Preis wird bezahlt. Abschließend konnten die Konferenzteilnehmer an runden Tischen und bei einem 3-Gang-Buffet weiter über das Thema diskutieren.

Buffet mit regionalen und biologischen Produkten - Foto: ÖMR

Die Exkursion - Tag 2

TAG2: Durch eine Exkursion zu Vorzeigebetrieben im Landkreis Miesbach am 7. April 2017 konnten weitere praktische Eindrücke direkt von den Betrieben gewonnen werden. Begleitet wurde die Busfahrt von einem Heimatführer des Tegernseer Tal Tourismus (TTT), Herrn Bernlochner, der den interessierten Teilnehmern geschichtliche und regionaltypische Hintergründe über das Leitzachtal und das Tegernseer Land erzählte.

 

Der erste Vorzeigebetrieb war der LEITZACHTALER ZIEGENHOF in Fischbachau, der seit 1989 von Werner und Martina Haase geführt wird. Er ist der erste Betrieb in Bayern, der seine Investition in eine Käserei für die eigene Ziegen- und Kuhmilch mit Bürgergeld finanziert hat. Werner Haase erzählte dabei auch von seinen Grundsätzen als überzeugter Demeter-Landwirt und seine Herangehensweise an Verbraucher-Wünsche.

Werner Haase und Interessierte aus Österreich - Foto: ÖMRDie Leitzachtaler Ziegen - Foto: ÖMR

Die TEGERNSEE ARKADEN in Tegernsee, wo ausschließlich regionale Premium-Manufakturen der „Werteproduzenten“ und ausgewählte heimische Produkte angeboten werden, wurden von der Gesellschafterin Birgit Scheithauer (GfG) präsentiert.

Frau Scheithauer - Foto: ÖMR

In der FISCHEREI TEGERNSEE in Bad Wiessee informierte Christoph von Preysing in einem vielseitigen Vortrag über Tätigkeitsfelder der Fischerei, die Aufzuchtstation, den Aquadome, ein begehbarer Nachbau des Tegernsee-Grunds, sowie das Fischerei Bistro. Gerade die Einblicke in die tägliche Arbeit als Fischer stießen auf großes Interesse.

Fischer Christoph v. Preysing - Foto: ÖMR

Abschließend präsentierte die Landwirtin Sophie Obermüller in einem sehr authentischen Beitrag die NATURKÄSEREI TEGERNSEERLAND EG in Kreuth, die 2007 gegründet wurde, um durch die eigene Verarbeitung und Vermarktung einen fairen Milchpreis zu gewährleisten. Die Genossenschaft zählt derzeit 1.450 Anteilseigner.

Sophie Obermüller - Foto: ÖMRRegionalregal der Naturkäserei - Foto: ÖMR

Der Besuch der Vorzeigebetriebe zeigte den Teilnehmern auf eindrucksvolle Weise, dass es sich trotz Risiko lohnen kann, in die Region zu investieren und sich gemeinsam an Projekten zu beteiligen.

Durch die Konferenz gelang es dem Landkreis Miesbach und somit der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland sich vor einem 140-köpfigen transnationalen Publikum als Vorreiter im Bereich INVEST IN BIO+REGIO zu präsentieren. Das Thema konnte, auch durch zahlreiche regionale und überregionale Medienberichte, einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.

 

Die Referneten des 1. Tages mit Landrat Wolfgang Rzehak - Foto: ÖMRCa. 120 Teilnehmer horchten den Vorträgen - Foto: ÖMR

Programm

 

Presse

7.04.2017: Auch krummes Gemüse schmeckt, aus Miesbacher Merkur (JPG)

8.04.2017: Thema aus der Nische holen, aus Miesbacher Merkur (JPG)


 

Bürgerbeteilgung durch genussvolle Investitionen in den Ökolandbau – Pinzgauer Bioweiderind in Gmund am Tegernsee.

 

Bereits seit einigen Jahren denken Josef und Maria Berghammer darüber nach, ihren Bio-Milchviehbetrieb auf Mutterkuhhaltung umzustellen. Eine Sendung des Bayrischen Rundfunk zu Genussrechten hat diesen Winter den Ausschlag gegeben.

 

Mit relativ geringen Kosten wird der Stall umgebaut, anstatt der Milchkühe werden Pinzgauer angeschafft. Die Herde ist fein auf die vorhandene Fläche abgestimmt. Die Berghammers verringern damit deutlich den Arbeitsaufwand und bleiben dennoch Landwirte. Genauso haben Sie sich das vorgestellt. Vermarkten will die Familie das Fleisch in Paketen. Am liebsten hauptsächlich in der Region. Doch auch die Münchner Wanderer werden wohl von dem Weidefleisch profitieren – der Hof liegt in einer der beliebtesten Ausflugsgegenden der Münchner.

 

Der Biobetrieb Haase in Fischbachau ist der erste Betrieb in Bayern, der seine Investition in eine Käserei für die eigene Ziegen- und Kuhmilch mit Bürgergeld finanziert hat. Und dies mit durchschlagendem Erfolg, weil die beteiligten Bürger die Produkte „ihres“ Hofes mit Begeisterung konsumieren, dafür in ihrem Freundeskreis werben und teilweise sogar die Abholung organisieren. Auch der Archehof Schlickenrieder in Otterfing ging neue Wege bei der Beteiligung von Bürgern.

 

Genussrechtsmodelle eignen sich sehr gut für die Finanzierung von für Verbraucher „sympathischen“ Investitionen, also in eine Käserei, Milchverarbeitung, artgerechte Hühnerhaltung wie z.B. Mobilställe oder ein am Tierwohl orientiertes Schlachthaus. Die Bürger bekommen ihre Zinsen oder sogar die gesamte Tilgung in Produkten ausbezahlt. Touristen, welche sich finanziell beteiligen, werden durch die Abholung ihrer Produkte jährlich in den Landkreis eingeladen und auf sympathische Weise an die Region gebunden.

 

Presse

April 2018: Scheine zum Geniessen, aus Agrarheute (PDF)

25.10.2016: Wachsen oder weichen? Weder noch!, aus: Miesbacher Merkur (JPG)

28.10.2016: Rindfleischaktie findet reißenden Absatz, aus: Miesbacher Merkur (JPG)

07.11.2016: Neue Wege gehen, aus: Das Gelbe Blatt (JPG)

07.11.2016: Genuss als Belohnung, aus: Das Gelbe Blatt (JPG)

 

 Radio

15.12.2016: BR Heimat – Habe die Ehre! Landwirte Maria und Josef Berghammer

Kontakt