Öko-Modell-Regionen

Projekte / Biomilch als Chance

Aktuelles

Seit Anfang September gibt es auf dem Köpplhof zwischen Hutthurm und Röhrnbach frische Biomilch rund um die Uhr aus dem Automaten. Möglich gemacht haben das Ulrike und Franz Schröger, die eine Biolandwirtschaft betreiben und mit ihren knapp vierzig Kühen Biomilch erzeugen.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

09.2016: Frische Bio-Milch vom Automaten, aus: Passauer Neue Presse (PDF)

 


 

Das Ilzer Land ist eine Grünlandgegend. Der dramatische Einbruch des Milchpreises lässt viele Landwirte verzweifeln. Nach Schätzungen wird sich am konventionellen Milchpreis, der auf die Überproduktion in Europa zurückzuführen ist, die nächsten Jahre wenig ändern. Welchen Aufwand bedeutet es, auf bio umzustellen? Wie sind die Perspektiven in der Ökobanche?
Diese Fragen sind aktueller denn je. Aus diesem Anlass gab es in der Bauhütte in Perlesreut eine Veranstaltung zum Thema “Biomilchwirtschaft in der Praxis”

 

Was sind die Voraussetzungen für ökologische Milchviehhaltung? Ein Tierbesatz, der zur Fläche passt, Weidegang oder Auslauf und genfreie Fütterung sind Grundbedingungen für den Ökolandbau. Eine gesunde Haltung, die vom Verbraucher geschätzt und vom Markt bezahlt wird. Ab 8 Cent Preisunterschied zwischen konventioneller und ökologischer Milch lohnt sich Ökomilch auch finanziell − derzeit sind es etwa 20 Cent Preisdifferenz.

 

Welche Voraussetzungen erleichtern konventionellen Kollegen eine Umstellung? Auf diese Fragen antwortet Corinna Ullrich, Projektmanagerin der Ökomodellregion Ilzer Land. Sie ist Anlaufstelle für umstellungsinteressierte Landwirte und plant mehrere Folgeveranstaltungen zur praktischen Umsetzung und den Perspektiven des Ökolandbau. Frau Ullrich ist gerne Ansprechpartnerin und unterstützt dabei, die beste Lösung zu erarbeiten und Beratung zu vermitteln.

 

Links:

 


 

Aufbau einer Ilzer Land Hofkäserei
Familie Friedl aus Nebling, Perlesreut ist gerade dabei ihren Milchviehbetrieb auf ökologische Wirtschaftsweise umzustellen. Doch damit nicht genug, es reicht Ihnen nicht, dass die Milch in einer großen Molkerei verarbeitet wird und anonym verkauft wird. Daher plant Familie Friedl im den Aufbau einer eigen Hofkäserei auf dem eigenen Betrieb. Der Käse soll vor allem regional vermarktet werden. Um die nötigen Investitionen tätigen zu können und um den Verbrauchern einen besonders engen Bezug zu dem hochwertigen Produkt geben zu können, planen Sie Genussseine ausgeben.

 


 

Grünlandbewirtschaftung mit Anspruch
“Grünlandbewirtschaftung durch das Jahr – Probleme und Lösungen” war das Motto einer Veranstaltung, zu der die Projektmanagerin der Ökomodellregion Ilzer Land, Corinna Ullrich, geladen hatte. Als Referenten hatte sie den Naturland-Fachberater Ewald Pieringer gewinnen können. Nach einem s informativen Vortrag, bei dem Pieringer auch den Naturlandverband vorstellte und eingehend auf die interessierten Nachfragen antwortete, veranschaulichte Landwirt Anton Raidl aus Waldkirchen mit zahlreichen Bildern seine Umsetzung der Kurzrasenweide. Die Veranstaltung war mit gut 50 Teilnehmern sehr gut besucht. Selbst nach dem offiziellen Ende wurde angeregt weiter diskutiert.

 

Naturland, einer der Großen der sieben Bioanbauverbände, vereint derzeit deutschlandweit gut 3000 Mitglieder, weltweit sind es sogar über 40000 Erzeuger (viele davon im Kaffee- Anbau), die nach Naturland-Richtlinien wirtschaften. Das Hauptaufgabenfeld des Naturland-Verbandes ist die Beratung seiner Mitglieder zur Erzeugung von hochwertigen Bioprodukten, und zwr nach Richtlinien, die in vielen Kriterien über die Anforderungen der EU-Ökoverordnung hinausgehen.

 

Schnell wurde klar, dass es viel zu beachten gibt, will man als Landwirt die Bewirtschaftung seines Grünlandes so betreiben, dass es nachhaltig leistungsfähig bleibt. Ist dies gewährleistet, kann auch eine hohe Grundfutterleistung aus dem Grünland erzielt werden. Dabei lautet die Devise: “Wer das Gute fördert, braucht das Schlechte nicht zu bekämpfen.” Denn durch ein sinnvolles Management, Bestandsschließung bei lückiger Grasnarbe durch Nachsaaten, Mäusebekämpfung durch Sitzstangen für Greifvögel und Fallenstellen, sowie eine bedarfsgerechte Düngung lässt sich ein Bestand etablieren, der ungeliebten Arten wie der gemeinen Rispe wenig Platz lässt.

 

Die Zusammensetzung eines leistungsfähigen Bestandes sollte je 15 bis 20 Prozent Klee und Kräuter und 60 bis 70 Prozent Gräser enthalten. Pieringer warnte auch davor, mit zu schweren Geräten und hohem Reifendruck in die Flächen zu fahren. Denn in den Fahrspuren verdichtet sich der Boden und die gemeine Rispe breitet sich auf Kosten der wertvollen Gräser wie Weidelgras und Wiesenrispe sowie der Kräuter aus.

 

Anton Raidl übernahm vor 20 Jahren seinen Betrieb in Waldkirchen. Er ist Ökolandwirt aus voller Überzeugung und stellte seinen Betreib schon 1986 um, obwohl es damals noch keine Erfassung von Biomilch gab. Auf seinem Hof betreibt er ein abgewandeltes System der Kurzrasenweide, bei dem die Kühe tagsüber, bzw. an heißen Tagen nachts, auf der Weide und den anderen Teil des Tages im Stall verbringen. Der Vorteil der Kurzrasenweide − eine große Fläche, die unter ständiger Beweidung steht − ist der geringe Bedarf an Pflegearbeiten und das energiereiche und schmackhafte Futter. Für den Landwirt entfällt außerdem der Aufwand der Futterbergung, wenn sich die Kühe selbst bedienen. Landwirt Raidl ist einer von 90 Betrieben aus dem Bio-Regio-Betriebsnetz. Landwirte, die an der Umstellung auf Ökolandbau interessiert sind können, nach Anmeldung, seinen Betrieb besuchen und mit ihm fachsimpeln.

 


 

Biomilchwirtschaft in der Praxis

Die Projektmanagerin der Ökomodellregion Ilzer Land Corinna Ullrich hatte kürzlich zu einer Abendveranstaltung zum Thema “Biomilchwirtschaft in der Praxis” in die Bauhütte in Perlesreut geladen. Als externe Referenten hatte sie den Leiter des Fachzentrums für Ökolandbau Thomas Lehner aus Deggendorf sowie die beiden Biolandwirte Josef Maier aus Tiefenbach und Walter Dankesreiter aus Otterskirchen geladen. Zwischen und nach den Vorträgen diskutierte und fragte das etwa 35 Köpfe zählende Fachpublikum ausgiebig, erst lange nach Beendigung der Vorträge konnten gegen Mitternacht die Türen der Bauhütte für diesen Abend verschlossen werden.

 

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Corinna Ullrich die Ökomodellregion und die mit ihr verbundenen Projekte vor, besonders, dass sie als Anlaufstelle für umstellungsinteressierte Landwirte da ist und Folgeveranstaltungen zur praktischen Umsetzung des Ökolandbaus geplant sind. Inhaltlich erklärte sie die Mindestbedingungen an die Ökologische Milchviehhaltung und -Fütterung, bei der entweder Weide oder ein Auslauf vorgeschrieben sind. Anschließend erläuterte sie, welche Voraussetzungen, eine Umstellung auf den Ökolandbau begünstigen.

 

Thomas Lehner setzte mit der Vorstellung des Fachzentrums für Ökolandbau den Theorieteil fort. Er ging auf die Ausgestaltung der für den ökologischen Landbau wichtigen Fördermaßnahmen, das KULAP und die einzelbetriebliche Investitionsförderung ein. Durch letztere können, bei Umbaumaßnahmen, die zu einer besonders tiergerechten Haltung führen, bis zu 35 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens gefördert werden. Zuletzt zeigte er noch die Milchpreisentwicklung der letzten Jahre und ihre Auswirkung auf den Betriebsgewinn. Sein Resümee, ab 8 Cent Preisunterschied zwischen konventioneller und ökologischer Milch lohnt sich Ökomilch auch finanziell − derzeit sind es etwa 20 Cent.

 

Biolandwirt Maier stellte seinen Betrieb vor. Er betreibt in Tiefenbach einen Milchviehbetrieb mit etwa 90 Milchkühen, knapp die Hälfte der Nutzfläche ist Ackerland. Im Sommer 2009 begann er seinen Betrieb auf ökologischen Landbau umzustellen – unerwartet für so einige seiner Bekannten und Kollegen, denn Herr Maier hat seinen Betrieb sehr intensiv bewirtschaftet. Doch einige Jahre vor der Umstellung ließen ihn der hohe Gebrauch von Fungiziden im Getreideanbau, die dennoch in ihrer Wirkung zu wünschen übrig ließen, und die hohen Düngemittelpreise bei dennoch niedrigen Abnahmepreisen für sein konventionell erzeugtes Getreide zweifeln. Die Umstellung habe er bisher nicht bereut. Der Betrieb ist an einigen Kulturen reicher geworden, das Kleegras ist zu einer der wichtigsten Fruchtfolgeglieder geworden, während Mais in geringerem Umfang als zuvor angebaut wird. Der Laufstall wurde durch einen Laufhof erweitert, die Milchleistung der Kühe ist zurückgegangen und liegt jetzt bei durchschnittlich 6500 Liter pro Kuh und Jahr.

 

Walter Dankesreiter dagegen ist ein “alter Hase” was den Ökolandbau betrifft. Schon 1987 stellte er seinen Betrieb um, obwohl es noch nicht mal eine Abnahme für ökologische Milch gab und er diese zunächst weiter konventionell vermarkten musste. Heute bewirtschaftet er etwa 70 ha, wovon ein Drittel Ackerland ist und hält 53 Milchkühe in Laufstallhaltung mit Sommerweide. Dankesreiter gab gute Tipps zur Unkrautregulierung im Ökolandbau. Die Freude, die seine Kühe auf einem Bild vom ersten Weideaustrieb im Frühjahr zeigen – rennend und buckelnd über die Wiese – steckte auch das Publikum in der Bauhütte noch an. Zur Weide werden die Kühe bei Bedarf auch über die Bundesstraße getrieben – “die Kühe kennen das so, und”, fügte Walter Dankesreiter mit einem verschmitzten Lächeln dazu – “die Autofahrer gewöhnen sich dran.” − mal

Kontakt