Öko-Modell-Regionen

Projekte / Blühendes Ilzer Land

29.08.2016: Alternativen zu Mais, aus: Passauer Neue Presse (PDF)

Eine Alternative zu Mais – Informationsveranstaltungen für Biogasanlagenbetreiber − Erfahrungsbericht zu Silphie und Riesenweizengras

 


 

Wenn die Landschaft blüht, so freut das uns Menschen – egal, ob Landwirt, Gärtner, Bürger, Tourist und Naturschützer. Kaum jemand kann sich dem Zauber einer blühenden Landschaft entziehen. Während die einen in einer vielfältigen und intakten Kulturlandschaft mit vielen Blühaspekten und Strukturelementen wie Hecken und Streuobstbeständen den Erholungswert schätzen, sehen andere vor allem den Naturschutznutzen. Blütenbesuchende Insekten, wie Honigbienen, Wildbienen, Fliegen und Schmetterlinge, sind auf eine kontinuierliche Versorgung mit Nahrung angewiesen. Diese wiederum spielen auch eine entscheidende Rolle im Ökosystem. Sie bestäuben auf Ihrer Suche nach Nahrung außer den Kulturpflanzen auch die einheimischen Wildpflanzen. Auch wilde Kleinsäuger und Vögel profitieren von einer Sicherung und Schaffung ihrer Lebensräume. Die Möglichkeiten für Landwirte, Gemeindemitarbeiter, Gärtner und Bürger aktiv zu werden und ihnen Rückzugsräume und Nahrung zu bieten, sind vielfältig und zum Teil sogar staatlich gefördert.

 

In der Ökomodellregion bemühen sich Initiativen, Gemeinde und Bürger aktiv um eine blühende Landschaft. Besonders hervorzuheben ist die Gemeinde Hutthurm, die viele gemeindeeigene Blühflächen zählt, sowie der der Verein „Perlesreut gestalten“, der sich seit einigen Jahren mit der Anlage von Blühflächen befasst, die Gartenbauvereine der Ortschaften sowie einige Landwirte.
Werden aus Sie aktiv und bauen Sie, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, Blühpflanzen an, denn wir brauchen Sie als Gestalter einer Landschaft, die höchsten ökologischen und ästhetischen Ansprüchen gerecht werden kann.

 

Der Verein Perlesreut gestalten nimmt dieses Jahr an dem Projekt „Bienen-Blüten-Reich“ vom Netzwerk blühende Landschaft bei. Landwirtschaftliche und Gemeindeflächen sind mit unterschiedlichen Blühmischungen eingesät und können bei Interesse besichtigt werden.

 

Als Blühbegeistere Landwirte oder Kommunen können Sie sich für die Saison 2017 beim Netzwerk blühende Landschaft ab dem 15. September 2016 bewerben: http://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/030381/

 

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Die Projektmanagerin der Öko-Modellregion Ilzer Land, Corinna Ullrich, hatte zur Informationsveranstaltung in die Bauhütte geladen. Sie konnte mehrere hochrangige Fachreferenten und auch an die sechzig interessierte Zuhörer, Bürgermeister und Vertreter von Kommunen, Vereinen und Organisationen, Landwirte, Gärtner und Privatbürger begrüßen. Corinna Ullrich stellte die Öko-Modellregion Ilzer Land kurz mit ihren Feldern und Aufgaben vor und moderierte die Veranstaltung.

 

Imker Edwin Reichart eröffnete den Vortragsabend mit einem Plädoyer für die Insekten. Sein Vortrag: “Die Bedeutung der Blühpflanzen für die Ökologie”. Die Honigbiene trägt mit 76,7 Prozent am meisten zur Bestäubung der Blütenpflanzen bei, aber auch Hummeln, Fliegen, Solitärbienen und weitere Insekten wie Schmetterlinge sind für die Bestäubung, gerade auch der Wildarten sehr wichtig. Die Honigbiene ist in Europa aufgrund ihrer Bestäubungsleistung das drittwertvollste “Haustier”. “Allerdings ist sie nun nach 65 Mio. Jahren Emsigkeit, jetzt am Ende – quasi ein Pflegefall?” fragte Reichart. Er zeigte auch Bilder aus der Region Sichuan (China), wo die Bestäubung einer Obstplantage durch die Hand von Menschen erfolgt, da die Biene aufgrund des häufigen Spritzen mit Pestiziden (8-12 Mal) dort nicht mehr überleben kann. Es läge an uns, ob wir das so wollten, stellte er am Schluss seines Vortrages in den Raum. Ein verneinendes Raunen der Zuhörer war hier zu vernehmen.

 

Sehr interessant und fachlich facettenreich für Landwirte und auch für Kommunen informierte der Wildlebensraumberater Hans Laumer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Straubing, Fachzentrum für Agrarökologie.Zunächst stellte er Maßnahmen im Rahmen des “Greenings” vor, wie die Anlage von Pufferstreifen an Gewässern, Feld- und Waldrandstreifen, die für Wild, Vögel und Insekten einen hohen ökologischen Nutzen haben. Auch im Rahmen des KULAP (Bayerisches Kulturlandschaftsprogramm) sind Maßnahmen möglich, so z.B. die Programme B 49 “Erneuerung von Hecken und Feldgehölzen”, welches noch bis zum 30.06. beantragt werden kann, und B 48 (Blühflächen an Waldrändern).

 

Grünlandbetriebe gibt es die Möglichkeit, über den Vertragsnaturschutz (VNP) besonders artenreiche Wiesen fördern zu lassen.
Im zweiten Teil des Vortrags provozierte Laumer zunächst mit dem Bild einer Kieswüste in einer Gemeinde mit den Fragen: “Lebensraum? Biodiversität? Vielfalt?” Gerade auf kommunaler Ebene könne viel für eine ökologische Aufwertung getan werden, z.B. durch die Anlage von Blühflächen und die Aussaat von bienenfreundlichen, niedrigen Straßenrandblühmischungen, bei denen auf das Mulchen verzichtet wird. Gute Möglichkeiten wären die Ansaat von leeren Bauparzellen mit Blühmischungen und der Erhalt von alten Streuobstwiesen. Laumer plädierte dafür, Pflanzaktionen gemeinsam mit Kindern durchzuführen und damit das Verständnis für die Ökologie schon bei den Kleinen zu wecken, denn, und damit schloss er seinen Vortrag: “Wer Vielfalt sät – wird Vielfalt ernten.”

 

Über die Durchführung von Heckenpflege und Renaturierungsmaßnahmen referierte Stefan Poost, vom Naturpark Bayer. Wald. Poost erklärte, welche Hecken förderfähig sind und wie er bei der Konzepterstellung vorgeht. Denn Landwirte, die eine Hecke pflegen möchten, können ihn für die Konzepterstellung beauftragen. Im Anschluss stellte Stefan Poost noch einen Renaturierungsmaßnahme vor, die er für den Naturpark Bayerischer Wald durchgeführt hat. Nach der Rodung von Fichtenbestand blühen nun aufgrund der standortgemäßen Bewirtschaftung sogar wieder Schwertlilien .

 

Über die naturschutzfachliche Bedeutung von gebietsheimischem Saatgut berichtete Manuela Müller, untere Naturschutzbehörde im Landkreis Freyung-Grafenau. Die Naturschutzreferentin lieferte einen Vortrag über autochthone (einheimische) Pflanzen. Gebietseigene Landschaftstypen könnten durch fremde Arten verdrängt und durch Einkreuzung verändert werden. Um diese zu erhalten, sollte möglichst gebietseigenes Saatgut verwendet werden, optimal wäre aus dem gleichen Gemeindegebiet. Noch wichtiger wäre der Erhalt der letzten arten- und blütenreichen Wiesen und Weiden. Müller lieferte einige Beispiele hierzu: Glatthaferwiese, Feuchtwiese (Calthion), Blütenaspekt Schwarzwurzel, Borstgrasrasen mit Arnika.

 

Christina Putz vom Landschaftspflegeverband Passau referierte über das “Blühende Passauer Land”, ein Biodiversitätsprojekt des Landkreises Passau zur Förderung von Wildbienen und zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Ausführlich berichtete sie über die Pflege von Straßenrändern, wie sie unter naturschutzfachlicher Sicht idealerweise von den Bauhöfen durchgeführt werden sollten. Dazu zählt ein seltenes Mähen, damit die Gräser blühen können und als Insektennahrung dienen. Als nächsten Punkt stellte Frau Putz noch das Projekt Saatgutübertragung vor. Hierfür werden im Landkreis Passau besonders artenreiche Wiesen mit dem Mähdrescher gedroschen, um mit dem gewonnen Saatgut benachbarte Wiesen zu beimpfen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, einfach das Schnittgut zu übertragen. Durch diese Maßnahmen sollen wieder mehr artenreiche Wiesen entstehen.

 

Wo Niederbayern überall schon blüht

Bürgermeister Hermann Baumann informierte die Zuhörer über das “blühende Hutthurm”. Als Junge habe er seiner Mutter in kürzester Zeit einen Blumenstrauß nach Hause bringen können, heute sei das schwer geworden. Um dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen, kaufte er aus Gemeindemitteln als Ökokontofläche eine Magerwiese mit 2,5 Hektar, die ohne Gülle von Jahr zu Jahr noch vielfältiger blüht. Er hatte den Mut, einen blühenden öffentlichen Kreisverkehr erstehen zu lassen und weitere öffentliche Blühflächen. Weiter erzählte der Bürgermeister vom Erwerb eines alten, ungepflegten Obstgartens, der mit LEADER-Mitteln zu einem Natur- und Obstlehrgarten mit Bauerngarten und Bienenhaus erweitert werden soll.

 

Sandra Prent, Kreisrätin und Mitglied im Verein Perlesreut Gestalten e.V., stellte den Zuhörern das Projekt Bienenweide vor, welches im Rahmen des Wettbewerbs “Unser Dorf soll schöner werden − unser Dorf hat Zukunft” Punkte brachte. Perlesreut wurde 2015 mit der Goldmedaille auf Landesebene ausgezeichnet. 2013 konnten erstmals mit dem Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer Blühflächen angelegt werden. Auch dieses Jahr werden wieder einige Flächen mit der Veichtshöchheimer Mischung eingesät.

 

Obst- und Gartenbauberater im Landkreis Freyung-Grafenau, Franz Bogner, hatte eine Mischung Blühsamen mitgebracht und ließ das Päckchen durch die Reihen gehen. Diese werden über die Gartenbauvereine angeboten. Er schlug vor, mit solchen Samenmischungen besonders die innerörtlichen leeren Flächen zu verschönern. Nach der Gartenschau in Waldkirchen 2008 wurden vielerorts Blühflächen angelegt. Seit 2014 propagiert das der Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege Niederbayern nach dem Motto: Niederbayern blüht auf. Diesem Beispiel sind verschiedene Orte gefolgt, wie Eckertsreut, Großarmschlag, Heindlschlag, Waldkirchen, Fürsteneck, Tittling, Ruderting und weitere.

 

Corinna Ullrich hatte eine breite Palette von Themen durch die Fachreferenten geboten und so ergaben sich im Anschluss intensive Gespräche, Fragen und Austauschmöglichkeiten.

 

Vorträge zum Herunterladen:

Reichart: Bedeutung der Blühpflanzen für die Ökologie (PDF)

Laumer: Wildlebensraum Blühendes Ilzer Land (PDF)

Müller: Naturschutzfachliche Bedeutung (PDF)

Perlesreut gestalten Bienenweiden (PDF)

Poost: Pflegekonzept KULAP 2016 (PDF)

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