Öko-Modell-Regionen

Projekte / Kommunales Engagement

Wonneberg bleibt in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel

 

Wonneberg. Trotz der kritischen Stimme von Gemeinderat Josef Helminger verständigte sich das Ratsgremium in seiner jüngsten Sitzung darauf, dass die Gemeinde Wonneberg drei weitere Jahre Teil der Öko-Modellregion Waginger See-Rupertiwinkel bleibt. Die Verlängerung gilt für die Jahre 2019 bis Anfang des Jahres 2022. Solange ist auch die Finanzierung durch den Freistaat Bayern gesichert.

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Der Freistaat hat in dieser Modellregion die Personal- und Arbeitsplatzkosten bislang bis zu 75 Prozent getragen. Die Förderung ab dem kommenden Mai verläuft hingegen degressiv und sinkt jährlich von 60 Prozent im ersten, auf 20 Prozent im dritten Jahr. Da Wonneberg die kleinste Gemeinde im Verbund ist, ist ihr Kostenanteil auch am niedrigsten. Für 2019 muss sie 3.000 Euro, im Jahr darauf 3.387 Euro und dann 3624 Euro dafür aufwenden. Die überschaubare Steigerung liegt daran, dass die Arbeitszeit der Projektmanagerin bis Ende des Förderzeitraums etwas sinkt.
Dieser Beschluss wurde mehrheitlich und mit den Gegenstimmen von Josef Helminger und Tina Poller gefasst. Die überwiegende Mehrheit zeigte sich überzeugt von den Vorteilen, die sich durch den Verbleib in der staatlich anerkannten Öko-Modellregion ergeben.
Dargestellt wurde das bisher Erreichte von Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl. Sie betonte, dass der Kernauftrag der vom Landwirtschaftsministerium aktuell zwölf geförderten Ökomodellregionen laute, den Anteil der Bio-Betriebe deutlich zu erhöhen. Es gehe um den Erhalt landwirtschaftlicher Betriebe. Einer der möglichen Wege, dies zu erreichen, sei die Umstellung auf Bio, weil Bio über faire Preise für besonders umweltgerecht erzeugte Produkte für viele Betriebe eine Zukunftschance sei.
Bürgermeister Martin Fenninger, der zunächst erläuterte, wie es überhaupt zu dieser Ökomodellregion gekommen ist, bestätigte, dass der Verbund sehr gut laufe und schon viele Projekte in Angriff genommen habe, die auch gut vorankommen. Seit Projektbeginn 2013 sei die Zahl der Ökobetriebe in der Region von rund sieben auf etwa zwölf Prozent gestiegen. Es handle sich bei der Öko-Modellregion um ein wirklich gutes Angebot, das Wonneberg erneut annehmen solle. Zudem stehe mit Marlene Berger Stöckl eine überaus engagierte Projektmanagerin an deren Spitze, die ihren Job mit großer Kompetenz und Leidenschaft betreibe.
2019 wäre die Förderung des Projektmanagements ausgelaufen, aber die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, hat es nochmals um drei Jahre verlängert, verbunden mit dem Wunsch, die Ökomodellregionen sollten anschließend über die beteiligten Gemeinden verstetigt werden. Das heißt, dass dann 2022 wieder alle Mitgliedsgemeinden darüber abstimmen müssen, ob und wie es mit dem Verbund weitergehen soll.
Dennoch meinte Ratsmitglied Josef Helminger, dass man in den nächsten drei Jahren unnötigerweise rund 10.000 Euro in einen Bereich verschiebe, der auch ohne Öko-Modellregion laufe. Die Öko-Modellregion spiele keine Rolle bei der Entscheidung, ob ein Landwirt auf Bio umstellt. Dies regle einzig und allein der Markt. Helminger, der auch Bauernobmann im Ort sowie Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Alpenmilch eG Chiemgau und Rupertiwinkel ist, meinte, man hätte vor der heutigen Abstimmung mit den örtlichen Vertretern der Bauernschaft reden müssen. Überdies sprach Helminger Imageprobleme an, mit denen konventionell arbeitende Landwirte aufgrund der Idealisierung von Bio zu kämpfen hätten, die sich damit in die zweite Reihe gestellt fühlten.
Marlene Berger Stöckl machte jedoch deutlich, dass alle miteinander schauen müssten, wie man unerwünschte Nebenwirkungen, die die bisherige Agrarpolitik mit sich gebracht hat, gemeinsam beseitigen kann. Dabei gehe es auch um den Gewässerschutz. Auch konventionell arbeitende Betriebe könnten sehr gewässerschonend wirtschaften, aber je mehr Phosphor im Betriebskreislauf sei, desto anspruchsvoller werde die Aufgabe, Austräge zu vermeiden. „Biobetriebe tun sich da leichter, weil durch die Einsparung leicht löslicher Dünger und weiterer Faktoren die Austragsgefahr sehr gering ist“.
Sie sehe beispielsweise in der Biomilch größere Chancen, weil ein besserer Preis zu erzielen sei, und trotz größerem Biomilchaufkommen in den letzten Jahren seien die Perspektiven für neue Umsteller inzwischen wieder positiv zu bewerten.
Nach wie vor steige die Nachfrage nach Bioprodukten. „Und was wir nicht selbst produzieren, müssen wir einführen.“ So zeigte Berger Stöckl anhand eines kurzen Streifzugs durch die laufenden Modell-Projekte auf, wie weit man bei den einzelnen zu beackernden Themenfeldern, Öko-Landbau (Biofleisch, Biomilch, Biokäse und Öko-Ackerbau), bei Ernährungsbildung, beim Pflanzen von Streuobstbäumen und bei der Biozertifizierung von Streuobst sowie beim Artenschutz gekommen ist. Gerade auch der Streuobstanbau sei etwas, was auch für Konventionelle interessant sei, deren Betrieb kein Bio-Zertifikat hat.
Gut kämen auch im touristischen Bereich die Genuss-Radltouren an, die man zusammen mit der Tourist-Info noch stärker ausbauen wolle. Mit ausgelöst worden von der Ökomodellregion sei der Wettbewerb „Genussort“, bei dem unter anderem die Orte Fridolfing (Schwerpunkt regionale Spezialitäten) und Waging (Biospezialitäten aus der Öko- Modellregion) ausgezeichnet worden sind, was ihnen ein hervorragendes Renommee eingebracht habe, das nun aktiv vermarktet werde. An Projekten für alle Landwirte habe man mit dem AELF Traunstein die Tagung „Milchwirtschaft im Einklang mit der Natur“, Exkursionen zum Thema „Kleine Laufstalllösungen“ oder „naturnaher Waldbau“ angeboten.

Eine wichtige Gruppierung in der Region sei die Arbeitsgruppe Eiweiß, die regelmäßig Feldbegehungen und Infoabende anbiete und von einem Fridolfinger Landwirt auf fachlich hohem Niveau geleitet werde. Zusammengefasst dürfe man wohl sagen, dass (jedes eingesparte Kilo Phosphor auch zur Verbesserung der Gewässer beitrage – das würde ich hier streichen) die Region und ihre Landwirtschaft durch die Öko-Modellregion ihr Image aufgewertet habe und bei vielen Bürgern mehr Verständnis und Interesse für die Landwirtschaft wecke.
So sah dies auch die Mehrzahl der Gemeinderäte in Wonneberg, die sich bei zwei Gegenstimmen letztlich für den Verbleib im Verbund ausgesprochen hat. 2. Bürgermeister Peter Wolff fand passende Worte. „Hut ab, was Marlene Berger-Stöckl erreicht hat.“ Man begleite die Sache zwar kritisch, dennoch wäre es schade, dieses Markenprodukt aufzugeben.
Artikel von Anneliese Caruso aus der SOR vom Montag, 14.01.2019

 

 

 


 

Teisendorf verlässt die Ökomodellregion

Marktgemeinde will die Zusammenarbeit mit Biosphärenregion verstärken

Südostbayerische Rundschau vom 10.12.2018, Autorin: Monika Konnert

 

Teisendorf. Nicht leicht gemacht haben es sich die Gemeinderäte mit ihrem Entschluss, Ende 2021 die Ökomodellregion zu verlassen. Projekte sollen dann verstärkt in Zusammenarbeit mit der Biosphärenregion Berchtesgadener Land durchgeführt werden. Eine rege Debatte war der knappen Entscheidung vorausgegangen.

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Neben neun anderen Gemeinden ist Teisendorf Mitglied in der Ökomodellregion (ÖMR) Waginger See-Rupertiwinkel, eine von zwölf bayerischen Ökomodellregionen. Der Kernauftrag der vom Landwirtschaftsministerium geförderten zwölf Ökomodellregionen in Bayern sei es, den Anteil der Bio-Betriebe deutlich zu erhöhen, so Bürgermeister Thomas Gasser in seinem Einführungsstatement. Es bestehe kein Zweifel, dass die ÖMR erfolgreich sei. Seit Projektbeginn 2013 sei die Zahl der Ökobetriebe in unserer Region von rund sieben Prozent auf gut 12 Prozent der Betriebe und knapp 12 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche gestiegen. 2019 würde aber die Förderung des Projektmanagements der ÖMR Waginger See-Rupertiwinkel auslaufen.

 

Eine letztmalige Verlängerung der Förderung um drei Jahre solle den Übergang in die Eigenfinanzierung durch den Gemeindeverbund erleichtern. Dabei werde der Fördersatz jährlich degressiv abgesenkt, von 60 Prozent im ersten auf 20 Prozent im dritten Jahr. Natürlich müsse das bisher Erreichte kontinuierlich ausgebaut werden. Das Berchtesgadener Land habe aber mit der „Biosphärenregion“, kurz „Biosphäre“, eine einmalige Einrichtung, mit der dies möglich sei. Doppelstrukturen seien wenig sinnvoll, so der Rathauschef. Zudem sei die Biosphäre personell verstärkt worden, so dass sie mehr Aufgaben wahrnehmen könne. Die Bürgermeister der drei Gemeinden aus dem Landkreis Berchtesgadener Land, die der ÖMR angehören, nämlich Laufen, Saaldorf-Surheim und Teisendorf, hätten daher in ihrer Oktobersitzung beschlossen, den Gemeinde- bzw. Stadträten einen geordneten Austritt vorzuschlagen.

 

Gemeinde- und Kreisrat Georg Wetzelsperger (CSU) befürwortete den Vorschlag des Bürgermeisters. „Wir haben mit der Biosphäre eine Prädikatseinrichtung im Landkreis, die wir besser nutzen müssen.“ Die Vorgehensweise mit einer Drei-Jahresverlängerung vor dem Ausstieg bringe für die verbleibenden Gemeinden mehr Planungssicherheit, zeigte er sich überzeugt. „Ich finde es schade, dass wir aus der ÖMR ausscheiden wollen“, entgegnete Rätin Elisabeth Aschauer (Bündnis 90/Die Grünen). Im Gegensatz zur Ökomodellregion habe die Biosphäre bislang nicht viel gemacht. Jetzt den Beschluss zu fassen, in drei Jahren auszusteigen, sei verfrüht, meinte auch Gemeinderat Matthias Spiegelsberger (Bündnis 90/Die Grünen). Man solle sich die Situation in drei Jahren nochmal ansehen und dann erst über einen eventuellen Austritt entscheiden.

 

Dies befürwortete auch Rat Georg Baumgartner (CSU). Gleichzeitig warb er aber dafür, der Biosphäre eine Chance zu geben, sich zu beweisen, denn „wir müssen von dort auch konkrete Projekte anfordern, bevor wir sagen, dass die das nicht können.“ Edwin Hertlein (Bündnis 90/Die Grünen) bezweifelt dies allerdings „Die Biosphärenregion gibt es seit 28 Jahren, die Erfolge sind gering“. Nach ihm könnte es auch an der unterschiedlichen Förderkulisse liegen. Bei der ÖMR sei Privatinitiative gefragt, im Gegensatz zur Biosphäre, die vom Staat getragen werde.

 

Wie seine Vorredner war auch er gegen eine Austrittsentscheidung zum jetzigen Zeitpunkt. „Bei der Biosphärenregion passiert nicht viel, daher entbehrt es mir jeglicher Logik, aus einem erfolgreichen Modell, das bei den Bürgern ankommt, auszusteigen“. Dieser Meinung ist auch Rat Andreas Neumeier (CSU). Er sei, nach anfänglicher Skepsis, inzwischen von der Ökomodellregion überzeugt. In seiner Bäckerei verwende er erfolgreich den Laufener Landweizen und profitiere damit direkt von der Ökomodellregion, wo das Projekt initiiert wurde.

 

Es gab aber auch Stimmen, die sich für einen Ausstieg aussprachen. Rätin Anita Niederstrasser (FWG) plädierte für eine sofortigen Ausstieg. Warum wolle man in den nächsten drei Jahren noch rund 47.000 Euro ausgeben, für eine Sache, die man dann sowieso nicht weiterverfolge, fragte sie in die Runde. „Wir brauchen einen geordneten Ausstieg“, meinte hingegen Gernot Daxer (CSU) und schlug vor, zwei Beschlüsse zu fassen, um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen.

 

Diesem Vorschlag folgte der Gemeinderat, indem er über zwei Beschlüsse getrennt abstimmte. Mit fünf Gegenstimmen bei 18 anwesenden Gemeinderäten wurde beschlossen, dass der Markt Teisendorf die Mitgliedschaft in der ÖMR bis Ende 2021 verlängert. Mit diesem Beschluss wurde ein sofortiger Austritt abgelehnt. Anschließend sprachen sich elf Gemeinderäte dafür aus, dass die Marktgemeinde Ende 2021 aus der Ökomodellregion ausscheidet. Sieben Gemeinderäte waren dagegen.

Monika Konnert, SOR vom 10.12.2018

 

Backwaren aus Laufener Landweizen sind dank der Ökomodellregion in Teisendorf erhältlich (Foto: Monika Konnert).

 


 „Mangelnde Unterstützung für die Landwirtschaftsministerin“
Marlene Berger-Stöckl ist enttäuscht über den Ausstieg der drei BGL-Gemeinden aus der Ökomodellregion
Von Hannes Höfer

 

Rupertiwinkel. Marlene Berger-Stöckl ist traurig. Die Projektmanagerin der Ökomodellregion Waginger See / Rupertiwinkel hätte sich gewünscht, dass der erfolgreich beschrittene Weg mit allen zehn Gemeinden weitergegangen wird. Doch die drei Gemeinden des Berchtesgadener Landes steigen aus. Nicht sofort, aber in drei Jahren.

Teisendorf und Laufen haben es bereits beschlossen. Saaldorf-Surheim wird noch vor Weihnachten darüber abstimmen. Die drei Gemeinden werden sich mehr zur Biosphärenregion Berchtesgadener Land hin orientieren. Die hat personell stark aufgestockt und will sich künftig ebenfalls dem Thema Ökolandbau widmen.

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„Ich hätte mir gewünscht, dass es in diesem Rahmen weitergeht“, sagt Berger-Stöckl im Gespräch mit der Heimatzeitung, „es ist alles so gut angelaufen und die Vernetzung der beiden Landkreise war hervorragend.“ Von der Mitgliedschaft der drei Gemeinden hätten alle profitiert. Begeisterung für die Sache spricht aus ihr, wenn sie aufzählt, was in der kurzen Zeit alle gelungen ist und auf den Weg gebracht wurde: „Biokäseprodukt und Wirtenetzwerk, Bioobstvermarktung, Fleisch und Laufener Landweizen, die Zusammenarbeit von Direktvermarktern, Bäckern, Mühle, Schlachthof, Kelterei, Naturschutzakademie und Lebensmitteleinzelhandel.“

 

Und das mit gerade mal 1,15 Personalstellen. „Wir könnten sofort drei Leute beschäftigen“, verdeutlicht sie den Umfang möglicher Arbeitsfelder. „Es wäre genügend Arbeit für beide da, für Biosphäre und ÖMR.“
In Sachen Biolandbau stehe die Biosphäre ganz am Anfang, man habe also viele Aufgaben, um die Vernetzung der drei BGL-Gemeinden in den übrigen Landkreis auszuweiten, meint sie, „hier könnten die drei Gemeinden als wichtige Schnittstelle fungieren.“ Auch der Tourismus könnte von einer Vernetzung profitieren. Mit ihren zehn Gemeinden habe die hiesige ÖMR genau die richtige Größe, ist Berger-Stöckl überzeugt, groß genug, um etwas auf den Weg zu bringen, aber so klein, um alle mitzunehmen und zu betreuen. „Wir sind Vorbild in ganz Bayern“, erklärt die Managerin nicht ohne Stolz. Sie lobt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die sich gleich nach ihrem Amtsantritt für eine Verlängerung der ÖMR-Förderung eingesetzt habe. „

 

Enttäuscht bin ich, dass der mutige Kurs der Ministerin und ihr persönlicher Einsatz für die Ökomodellregion ausgerechnet in diesen drei Gemeinden ihres Heimatwahlkreises keinen Widerhall mehr findet, während sich gleichzeitig 27 bayerische Regionen als Ökomodellregion bewerben.“ Die Ökomodellregion habe die Biosphärenregion seit dem Beitritt der drei Gemeinden inhaltlich voll unterstützt, „und ich hätte mir von der Biosphäre umgekehrt gewünscht, hier keine unnötige Konkurrenzsituation aufzubauen.“
„Im April war man sich in der Runde der Bürgermeister einig, gemeinsam weiter zu machen“, blickt Berger-Stöckl auf die Entwicklung, desgleichen in einer Vorstandssitzung im August. „Im September hatten wir noch mehrere gemeinsame Projekterfolge.“ Sie gesteht: „Es war schon ein Schock, als es dann im Oktober hieß, wir übergeben das Thema jetzt an die Biosphäre.“ Denn eine konsequente Förderung des Ökolandbaus gehe über die Förderung von Regionalprodukten wie in der Biosphärenregion deutlich hinaus und sei als Vorsorgemaßnahme am Abtsee genau so wichtig wie am Waginger See.
Ganz ähnlich äußert sich Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner: „Es hat uns in dieser Form schon überrascht“, habe es doch im Vorfeld einen intensiven Austausch zwischen ÖMR und Biosphäre gegeben. Der ÖMR-Vorsitzende berichtet, dass auch ein Sofortausstieg der drei BGL-Gemeinden im Raum gestanden habe. Der nun beschlossene Ausstieg nach den Förderjahren sei ein Kompromiss, mit dem beide Seiten leben könnten, „leben müssen“ schiebt er sofort hinterher.
„Es ist alles im Fluss, und Rahmenbedingungen ändern sich“, sagt Birner. Der Verlängerungsantrag für eine Förderung liege bereits in München. Gleichwohl müssen erst noch die sieben Traunsteiner Gemeinden über eine Fortführung entscheiden. „Wir warten zunächst ab wie die drei BGL-Gemeinden entscheiden“, denn bei einem sofortigen Ausstieg hätte die Finanzierung neu geregelt werden müssen. Für die verbleibenden sieben Gemeinden ist Birner zuversichtlich, denn die Arbeit der ÖMR werde durchwegs als Erfolg gesehen. „Ziel ist eine dauerhafte Einrichtung“, beschreibt der Vorsitzende seine persönliche langfristige Zielsetzung, also über den Förderzeitraum hinaus. Die Beschlüsse aller Kommunen beträfen die drei Jahre des aktuellen Förderzeitraums. „Weitergehende Beschlüsse waren aktuell ohnehin nicht geplant.“
Was bedeutet der Ausstieg nun konkret? Zum Beispiel für den biozertifizierten Laufener Schlachthof. „Vernetzung und Vermarktung sind schon auf einem guten Weg“, antwortet Birner, „jetzt gilt es, sich mit der Biosphäre abzustimmen, damit kein Kompetenzproblem entsteht.“ Er rechnet mit einer „vernünftigen Lösung“.
Marlene Berger-Stöckl spricht von einem Schlag für die Traunsteiner Gemeinden, die ihren Kollegen im Nachbarlandkreis die Hand gereicht hatten. „Es ist nicht die Zeit, wieder Mauern zwischen den Landkreisen zu errichten.“ Hans-Jörg Birner nimmt es zumindest nach außen hin eher gelassen: „Ich sehe nicht so schwarz. In drei Jahren kann viel passieren.“

 

Marlene Berger-Stöckl: ÖMR-Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl ist enttäuscht über den Ausstieg der drei BGL-Gemeinden, denn auch die attestieren ihr eine hervorragende Arbeit.       Hans-Jörg Birner:  ÖMR-Vorsitzender Hans-Jörg Birner beschreibt die jetzige Lösung als Kompromiss. „Aber“ so sagt der Kirchanschöringer Bürgermeister, „in drei Jahren kann viel passieren.“  Foto: Daniel Delang

 

 


 

Laufen steigt aus der Ökomodellregion aus

Stadtratsmehrheit setzt auf Biosphäre – Kam Druck aus dem Landratsamt

 

Von Hannes Höfer

Laufen. Alle sprachen von einem Erfolgsmodell, und jeder Redner lobte das Erreichte. Und doch votierte am Ende eine Mehrheit im Laufener Stadtrat für einen Ausstieg aus der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel. In drei Jahren wird Schluss sein. Ab nun will man verstärkt auf die Aktivitäten der Biosphärenregion Berchtesgadener Land setzen.

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Die nunmehr zwölf bayerischen Ökomodellregionen (ÖMR) gehen auf eine Initiative des damaligen Landwirtschaftsministers Helmut Brunner zurück.
Sein Ziel: Den Biolandbau in Bayern auf 20 Prozent erhöhen. Das ist zwar bislang nicht erreicht, aber es geht voran. Zehn Gemeinden sind Mitglied der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel, drei davon gehören zum Landkreis Berchtesgadener Land: Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Laufen.

Im Sommer war Sitzung kurzfristig abgesagt worden.

 

Aufgefallen war, dass eine im Sommer anberaumte Sitzung der Ökomodellregion kurzerhand wieder abgesagt worden war. Gut informierte Kreise kolportieren schon damals, dass es hinter den Kulissen rumore und es Veränderung geben werde. „Vom Landratsamt ist Druck aufgebaut worden“ unterstelle Peter Schuster Vorgabe „von oben“. Tatsächlich hatten die drei Bürgermeister der BGL-Gemeinden in einer Vorstandssitzung am 29. Oktober erklärt, dass man nach Ablauf der staatlichen Förderung aus der ÖMR aussteigen werde. Die Rathaus-Chefs griffen damit ihren Räten vor.

 

„Eine sehr gute Arbeit“ attestierte Bürgermeister Hans Feil der ÖMR. „Wir sind sehr zufrieden“. Doch der Teufel stecke im Detail. In der Mitgliedschaft sowohl in der ÖMR als auch in der Biospährenregion erkennt das Stadtoberhaupt eine gewisse „Verzettelung“ und einen „Abstimmungsaufwand“. Anders als bisher sehe sich die Biosphäre mit nun sieben Mitarbeitern in der Lage, auch den Bereich Ökolandbau abzudecken.
Nicht zuletzt werde die Biosphäre vom Freistaat finanziert, die Kosten für die ÖMR ab 2022 allein die Mitgliedsgemeinden zahlen. Für Laufen wären das rund 17000 Euro im Jahr.
„Ich war schockiert über die Nachricht vom geplanten Austritt“, gestand Georg Linner, ÖMR-Referent im Stadtrat. „Es ist eine Erfolgsgeschichte“, betonte auch der grünen-Stadtrat. In Laufen gebe es mit biozertifizierten Schlachthof und dem Biosaft der Firma Greimel zwei „Leuchtturmprojekte“. Auch in den siebenseitigen Unterlagen zu diesem Tagesordnungspunkt reihte sich Maßnahme an Maßnahme, Projekt an Projekt, vom Biofleisch bis zum Laufener Landweizen, vom Streuobst bis zum Leindotter.
„Die Biosphäre hat dazu in ihren 28 Jahren kein einziges Projekt zustande gebracht“, verglich Linner. „Sie kann in den kommenden 3 Jahren beweisen, dass sie Öko kann und will“. Biosphäre und ÖMR schlössen sich keineswegs aus, meint Linner, der nicht verstehen mochte , weshalb man nun ein „erfolgreiches Modell“ verlassen wolle. Ein Modell in dem die Gemeinden entscheiden was geschieht, nicht der Staat. Biosphäre sei eher sphärisch und akademisch , während die ÖMR sehr konkret arbeite, erklärte Werner Eckl seine Sicht.

 

Der Linken-Stadtrat fürchtet, aus etwas auszuscheiden , was das Neue nicht ersetzten kann und plädierte für eine „österreichische Haltung“: „Des schau ma se o“. Auch bei der ÖMR habe zunächst keiner gewusst, ob sich die Ziele erfüllen, hielt Feil erneut dagegen, und warnte davor, sich zwischen „alle Stühle“ zu setzen.
Voll des Lobes war auch Agnes Thanbichler: „Große Anerkennung für all das, was Marlene Berger-Stöckl geleistet hat.“ Gemeint war die Managerin der ÖMR. Allein der Begriff „Modell“ zeige, dass es ums Nachahmen gehe, so die ÖDP-Rätin weiter, die ebenfalls der Biosphäre attestierte , „jahrzehntelang nichts gemacht zu haben „. Doch dann die Wende ihrer Argumentation: „Aber warum nicht der Biosphäre die Chance geben?“ Vorsichtshalber fragte Thanbichler noch an, ob man für den Fall, dass die Biosphäre in den drei Jahren „nix zammbringt“, wieder bei der ÖMR „andocken“ könne.

 

Stadtrat kann jederzeit neu beschließen

 

„Der Stadtrat hat jedes Recht der Welt, neu zu beschließen“, beruhigte Feil, der sich für eine dreijährige Übergangszeit aussprach, also nicht „Knall auf Fall“ auszusteigen, um somit allen Beteiligten Planungssicherheit zu geben. „Biosphäre heißt Lebensraum“, machte Linner noch einmal deutlich, „wir sind ja schon dabei“. Man vergebe sich nichts in beiden Strukturen zu bleiben und eventuell in zwei, drei Jahren neu zu entscheiden. Auch Peter Schuster sprach sich für einen Verbleib in der ÖMR aus, die Biosphäre sollen deren Knowhow übernehmen und zunächst etwas voranbringen.
Der weitestgehende Beschlussvorschlag lautete: „Die Stadt Laufen verlängert ihre Mitgliedschaft in der ÖMR bis zum 31. Dezember 2021 und scheidet danach aus.“
Dafür sprachen sich alle anwesenden Stadträte von CSU, FBL und ÖDP aus, insgesamt zehn. Die sechs Gegenstimmen von Grünen, Linken, SPD und ufb reichten nicht für einen Verbleib, Teisendorf hatte einen Tag vor Laufen den Ausstieg beschlossen.

 

Solche Besuche gehören wohl in wenigen Jahren der Vergangenheit an: Hier besuchte die Ökomodellregion den landwirtschaftlichen Betrieb der JVA Laufen-Lebenau. Foto: Höfer


 

Auszeichnung „Digitales Alpendorf“ – ILE und Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel erstellen eine digitale Plattform zu Naturabenteuern, Biovermarktung und weiteren Angeboten aus der Ökomodellregion
Die Gemeinden der ILE (Integrierte Ländliche Entwicklung Waginger See) dürfen sich seit September als „Digitales Alpendorf“ bezeichnen. Das Projekt, das die bayerische Staatsregierung fördert und die Technische Hochschule Deggendorf betreut, entwickelt Zukunftsstrategien und digitale Anwendungen für die Handlungsfelder Dienste, Pflege, Wohnen und Tourismus, um den alpinen Raum für die Zukunft zu stärken.

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Ein erster wichtiger Baustein, mit dem sich die Region erfolgreich beworben hatte und dessen Umsetzung in den nächsten Monaten vorbereitet wird, ist die Erstellung einer digitalen Plattform, ggf. integrierbar in bestehende Seiten z.B. der Tourismusverbände, auf der Angebote zu Naturabenteuern und Biogenuss nicht nur aus der ILE-Region, sondern aus den zehn Mitgliedsgemeinden der Ökomodellregion bürgernah und besonders nutzerfreundlich präsentiert werden sollen.

 

Auch bei weiteren digitalen Bausteinen ist eine Einbindung von Partnern möglich, wenn diese Einbindung inhaltlich Sinn ergibt und sich alle Mitwirkenden darauf einigen können. Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel: Naturabenteuer, Biogenuss und Umweltbildung
Der Tourismusverband Waginger See, die Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel und weitere Partner aus beiden Landkreisen arbeiten gemeinsam an Chancen, die sich für Einheimische und Gäste aus der Ökomodellregion ergeben. In der Ökomodellregion engagieren sich zehn Gemeinden für eine umweltgerechte Landnutzung und entwickeln dazu passende Tourismusangebote. Wichtiges Ziel ist die Förderung des Ökolandbaus, regionaler Spezialitäten, der Erhalt heimischer Betriebe und auch die Entwicklung zur Biogenussregion – denn so werden beste Voraussetzungen für den Erhalt der Landschaft und damit für den Tourismus der nächsten Generation geschaffen. Wissen über Natur- und Kulturlandschaft, Zusammenhänge zwischen heimischer Landwirtschaft, Biolandbau und Biodiversität weitergeben, die gewachsene Natur- und Kulturlandschaft erlebbar machen und mit gutem Gewissen genießen!
In Planung ist eine Plattform mit mehreren Säulen:
Findet Naturabenteuer – Naturabenteuer für Einheimische und Gäste erlebbar machen! Wissen über Natur, Landschaft, Umwelt und Kultur weitergeben. Die Mitmenschen teilhaben lassen an den faszinierenden Naturgeheimnissen der Region Waginger See und des Rupertiwinkels. Die Plattform bündelt alle buchbaren Naturabenteuer der Region und bringt Interessierte sowie Anbieter zusammen. Übersichtlich, werbewirksam und professionell gestaltet, informativ aufbereitet in Wort und Bild, direkt buchbar und mit Bewertungs- und Kommentarfunktionen versehen.
Biogenussangebote entdecken – Mitmachangebote und Bioerlebnistouren begeistern für die Herstellung ursprünglicher naturnaher Produkte. Alle Biogenussangebote aus der Region werden gebündelt und vorgestellt, vom Bioanbieter bis zur Produktpalette, von der Bioerlebnistour bis zur Übernachtung auf dem Biohof. Wie komme ich mit dem Fahrrad zum nächsten Biohof mit Einkaufsmöglichkeit, welcher Gasthof bietet regionale Biospezialitäten auf der Speisekarte an? Die Plattform stärkt das bestehende Netzwerk aus Erzeugern, Gastronomie und Hotellerie und entwickelt auch Angebote, die Logistik für das Bionetzwerk aus der Ökomodellregion durch Bestell- und Buchungsmöglichkeiten zu verbessern.
Eine weitere Säule sind zusätzliche Umweltbildungsangebote von bestehenden Trägern z.B. der Erwachsenenbildung, die in die Plattform integriert werden können, wenn von Seiten der Partner Interesse besteht.
Auf der geplanten Plattform werden Interessierte und Anbieter zusammengebracht. Außerdem können Nutzer zukünftig ihr ganz persönliches Erlebnis aus einem vielfältigen und ansprechenden Sortiment aussuchen. Filterfunktion und vorgegebene Kategorien machen eine passgenaue, individuelle Auswahl möglich.
Die Idee zu dieser gemeinsamen Plattform wurde 2017 in der Arbeitsgruppe „Bildung und Lernen“ entwickelt, einer starken Bürger-Arbeitsgruppe aus dem Konzept „touristische Chancen für die Ökomodellregion“, das von Professorin Ulrike Pröbstl unter Trägerschaft der Gemeinde Waging erarbeitet wurde. Dort arbeiteten mehr als dreißig Bürgerinnen und Bürger aus allen zehn Gemeinden, Touristiker aus beiden Landkreisen, Vermieter, Direktvermarkter und Vertreter von Bildungseinrichtungen zusammen. Die TI Waging entwickelte den Punkt „Findet Naturabenteuer“ anschließend im Detail weiter, ein weiterer Input kam von der Ökomodellregion.

 

Die Auszeichnung der Region als „Digitales Alpendorf“ bringt jetzt mit sich, dass die notwendigen Finanzmittel für eine Umsetzung der Plattform sowie technische Unterstützung durch die Hochschule Deggendorf bereitgestellt werden und ein wichtiger Vorschlag aus dem Tourismuskonzept den Weg in die Praxis findet.

 

Alexandra Huber/ILE; Marlene Berger-Stöckl, Ökomodellregion

 

Digitalen Alpendorf/ ILE

 

 


 

Die Stadt will bevorzugt Biobauern als Pächter
Auch Konventionelle mit Vorgaben – Kontroverse Diskussion im Stadtrat

Laufen. Die Stadt Laufen ist nicht in Besitz großer Flächen. Bei einer Neuverpachtung aber werden künftig Biobauern bevorzugt. Sollte ein solcher kein Interesse haben, so gibt es auch für einen konventionellen Pächter Auflagen. Er muss auf Pestizide und Mineraldünger verzichten. Grundlage eines solchen Beschlusses sind empfohlene Vorgaben der Ökomodellregion, in der die Stadt Mitglied ist. Dennoch stimmten nicht alle Stadträte für eine solche Regelung.

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Die Arbeitsgemeinschaft Ökoregion und Gemeinden im Rahmen der Ökomodellregion hatte sich im Frühjahr mit dem Thema Neuverpachtungen befasst und Empfehlungen ausgesprochen. Letztlich entscheidet aber jede der zehn Mitgliedsgemeinden selbst über die Handhabung des bereits 2015 gefassten Beschlusses zu einer „möglichst ökologischen und gewässerverträglichen Bewirtschaftung bei Neuverpachtungen kommunaler Flächen.“
„Die sind in Laufen überschaubar“, meinte Geschäftsleiter Christian Reiter, die größten Flächen erreichten lediglich bis zu 1,3 Hektar. Der Haupt- und Finanz-ausschuss hatte das Thema vorberaten und war zu dem Ergebnis gekommen, bei Neuverpachtungen biologisch wirtschaftende Betriebe zu bevorzugen. Sollte sich kein solcher für eine Fläche interessieren, gibt es auch für konventionell wirtschaftende Betriebe Auflagen. So müssen sie unter anderem auf die Verwendung von Pestiziden und Mineraldünger verzichten, und dürfen generell nicht hinter den Bewirtschaftungsgrundsätzen des Landkreises zurückbleiben. Der Einsatz von Glyphosat ist verboten und ein mindestens fünf Meter breiter Streifen entlang von Gewässern muss düngerfrei bleiben. Georg Linner regte eine weitergehende Formulierung an: „Fünf Meter über den gesetzlichen Vorgaben, falls sich die Düngeverordnung einmal ändert.“
Die Verträge laufen jeweils ein Jahr. „Wer die Vorgaben nicht einhält, ist raus“, beschrieb Reiter das Vorgehen. Ob denn das Ganze auf Laufener Landwirte beschränkt sei, wollte Dr. Klaus Hellenschmidt wissen, was seine Fraktionskollegin Brigitte Rudholzer am Beispiel präzisierte: „Nehmen wir an, es kommt ein Biobauer aus Waging.“ Die Freie Bürgerliste fände es „schade“, wenn damit „eigene Bauern“ raus wären. Wilhelm Winkler dagegen erachtet es als „widersinnig“, falls einer direkt an der Gemeindegrenze liege.
„Dürften wir die überhaupt ausschließen?“, stellte Reiter die „juristische Frage“. Im Übrigen sei das für Auswärtige kaum wirtschaftlich. „Wer heute weit fährt, ist doch der konventionelle Bauer“, warf Landwirtschaftsfachmann Georg Linner ein. Er plädierte für dieses „Zeichen“ hin zu mehr Biolandwirtschaft. Thomas Resch sieht darin dagegen den „falschen Ansatz“. Damit werde der „Keil“ zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft nur noch weiter hineingetrieben, befürchtete er. Konventionelle Landwirtschaft ernähre 90 Prozent der Bevölkerung, während Bio nach wie vor eine Nische sei. „Der Verbraucher hat es in der Hand“, meint der ufb-Stadtrat. Resch sieht durch entsprechende Presseberichterstattung ein falsches Bild vermittelt. Und noch etwas: „Wir sind doch in keiner Planwirtschaft.“
„Es gibt keine böse und keine gute Landwirtschaft“, unterstrich Bürgermeister Hans Feil, erinnerte aber auch an das Ziel der Ökomodellregionen, den Anteil biologisch wirtschaftender Bauern auf 20 Prozent zu steigern. „Wir müssen was tun, um das zu fördern. Es geht um Bewusstseinswandel, nicht um einen Keil.“ Im Übrigen gehe es ausschließlich um Neuverpachtungen, bestehende Verträge würden nicht angetastet.
Mit Blick auf den herrschenden Klimawandel forderte Agnes Thanbichler jeden auf, einen Beitrag zu leisten. Georg Linner erkennt in diesem Beschluss einen „Mosaikstein“. Dem folgten 15 Stadträte. Isabella Zuckschwerdt, der „der Schritt zu groß“ ist, stimmte ebenso dagegen wie Thomas Resch, Karl-Heinz Schauer und Brigitte Rudholzer.

 

SOR vom 07.08.2018, Autor Hannes Höfer

 

Die Stadt Laufen wird künftig bei Neuverpachtungen Biobauern bevorzugen. Aber auch konventionell wirtschaftende Landwirte müssen Auflagen erfüllen. Symbolfoto: Hannes Höfer

 


 

„Bio kann jeder“-Workshop für Gemeinschaftsküchen in Laufen
In Laufen fand ein „Bio kann jeder“-Workshop für Teilnehmer aus Kindertagesstätten, Kindergärten, Schulen und Köche statt, kurz: für alle Köche oder Küchenleiter, die in öffentlichen Einrichtungen eine größere Zahl an Kindern oder erwachsenen Tischgästen mit Essen versorgen. Die bundesweite Kampagne, im Rahmen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, wird bayernweit vom Ernährungsinstitut KinderLeicht in München unter der Leitung von Agnes Streber durchgeführt, die u.a. mit der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel und der Biosphärenregion Berchtesgadener Land zusammenarbeitet.

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Dabei geht es um das Thema Bio-Lebensmittel und wie diese in die Verpflegung von Kindern integriert werden können. Der Workshop soll ErzieherInnen, KöchInnen, Caterern und allen Interessierten die Wichtigkeit von ökologischem Landbau aufzeigen und dazu anregen, in den eigenen Einrichtungen Bio-Lebensmittel zu integrieren.
Der erste Teil der Veranstaltung fand im Rottmayr-Saal im Alten Rathaus in Laufen statt. Rosemarie Hainz, dritte Bürgermeisterin von Laufen, begrüßte die TeilnehmerInnen und erzählte, dass Laufen bereits auf einem guten Weg sei, mehr und mehr Wert auf das Thema Bio zu legen.

 

Hans Lecker vom gleichnamigen Biohof berichtete über die Geschichte und Philosophie seines Hofes. Mit Biogemüse aus der Region, Bio-Eiern aus Weidehaltung und mit Demeter-Milchprodukten vom Familienbetrieb wird bereits ein großer Kundenstamm per Abokiste mit regionalen Lebensmitteln versorgt. Umgesetzt wird von ihm auch das Schulfruchtprogramm für Schulen und Kindergärten, die mit Bioobst beliefert werden.
Anschaulich erläuterte Agnes Streber vom Ernährungsinstitut den TeilnehmerInnen die Grundlagen des ökologischen Landbaus und die verschiedenen Bio-Siegel. Maike Krebs-Fehrmann von der Biosphärenregion Berchtesgadener Land erzählte von ihren angebotenen Workshops zu regionaler Ernährung in Kindergärten und Schulen. Welche Vielfalt an Bioprodukten von kleinen Erzeugern aus der Ökomodellregion inzwischen ab Hof oder in Läden bezogen werden können, stellte Marlene Berger-Stöckl anhand von Erzeugerporträts vor.
Ein wichtiges Werkzeug für Gemeinschaftsküchen ist der „Bio-Speiseplanmanager“, ein Online-Werkzeug, das den TeilnehmerInnen die Integration von Bio-Lebensmitteln in ihrem Speiseplan sehr vereinfachen kann und kostenfrei verfügbar ist, wie Agnes Streber erklärte. Bei der Besichtigung des Biohofs Lecker in Laufen erhielten die Teilnehmer weitere Infos und einen interessanten Einblick hinter die Kulissen des Hofs während einer Betriebsführung. Großen Wert legt die Familie auf eine tierfreundliche Haltung, so auf die Aufzucht der „Bruderhähne“ von Legehennen, die nur sehr langsam ihr Schlachtgewicht erreichen, über einen Kooperationspartner. Die meisten Verbraucher seien bereit, mehr für ein Bioei zu bezahlen, wenn ihnen dieser Zusammenhang bewusst sei, erläuterte Hans Lecker.
Agnes Streber/Hans Eder SOR vom 30.06.2018

Hans Lecker erläutert die Logistik hinter seiner Abokiste. Foto: Daniel Delang, ÖkomodellregionDie Legehennen werden im mobilen Stall mit Weideauslauf gehalten. Foto: Daniel Delang, Ökomodellregion


 

„Echter Zugewinn für Direktvermarkter“

Am städtischen Schlachthof in Laufen ist künftig eine zertifizierte Biozerlegung möglich

 

Laufen – Der Städtische Schlachthof Laufen wurde biozertifiziert – ein Meilenstein für die heimischen Erzeuger von Biofleisch. Nach Überreichung der Betriebsgenehmigung des Umwelt- und Verbraucherschutz-Ministeriums durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Teisendorf steht dem Bio-Zerlegebetrieb in Laufen nichts mehr im Wege.

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„Beeindruckend ist die Schnelligkeit, mit der Sie dieses Vorhaben umgesetzt haben“, sagte die Ministerin bei der Präsentation des Ökomodellregions-Projekts im Hotel Gut Edermann. Schließlich sei Laufen erst Anfang 2017 als zehnte Gemeinde der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel beigetreten. Kaniber nannte den biozertifizierten Zerlegebetrieb einen „echten Zugewinn für die direktvermarktenden Landwirte“. Eng kooperierten die Stadt, das Schlachthofteam, die Erzeugergemeinschaft (EG) Schlachtvieh Traunstein und die Modellregion bei der Vorbereitung. Die EG unter Vorsitz von Hans Grabner wirkte aktiv am Prozess mit und investierte mit in die notwendigen Maßnahmen. Ökomodellregions-Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl hob auch die Unterstützung durch den früheren EG-Geschäftsführer Bernhard Reiter hervor.
Neben den fünf in Laufen beteiligten Metzgern, die den Schlachthof bereits nutzen, kann damit auch die Erzeugergemeinschaft Tiere in überschaubarer Stückzahl biozertifiziert schlachten und zerlegen, genau wie jeder Landwirt aus der Region, der in eine direkte Vermarktung von Biorindfleisch einsteigen möchte. „Aufgabe der Ökomodellregion war und ist es, die beteiligten Partner zusammen zu bringen“, erläuterte Berger-Stöckl gegenüber der Heimatzeitung.
Zur Sicherung der Zukunft ihres Schlachthofs habe die Stadt 2009 bereits 190.000 Euro investiert, erklärte Laufens Bürgermeister Hans Feil. „Ziel war, diesen mit der Biozertifizierung breiter aufzustellen.“ Mit der EG habe man einen „super Partner gefunden“. Warum dieser Zusammenschluss von über 4000 Landwirten nach dem Kauf des Schlachthofs Traunstein in das Laufener Projekt investierte, erklärte Grabner mit der verstärkten Nachfrage der Verbraucher nach Biofleisch. Das Schlachthof-Team sei ein unkomplizierter Partner gewesen. Laut Schlachthofleiter Thomas Streitwieser wurde der Umbau kostengünstig mit eigenem Personal bewerkstelligt.
Auch die Biometzger freuen sich über die neuen Chancen, wie Otto Wittschek aus Niederheining. „Ich und mein Sohn sind beide Biometzger“, erzählte er stolz. Daneben hat er einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb. Er schlachtet für bäuerliche Direktvermarkter wie Familie Beer in Weng bei Ainring und Familie Lecker in Niederheining.
Damit schließt sich der Kreis zur biozertifizierten Gastronomie. Biofleisch kann über beteiligte Metzger oder die EG Schlachtvieh künftig direkt aus der Region bezogen werden. Berger-Stöckls Fazit: „Aufgabe ist es jetzt, den Absatz so anzukurbeln und zu stärken, dass diese Möglichkeit, soweit es die Kapazität des kleinen Schlachthofs erlaubt, intensiv genutzt wird.“ Solche Kooperationen seien „gelebter Umwelt- und Heimatschutz“, befand der Traunsteiner Landrat Sigi Walch (CSU). Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl lobte die Förderung von früher selbstverständlichen Einrichtungen wie kleine, dezentrale Schlachthöfe.

 

Artikel von Veronika Mergenthal aus der Südostbayerischen Rundschau.

 

Erleichtert über die Betriebsgenehmigung: Laufens Bürgermeister Hans Feil (ganz li.), hier mit (v.li.) Biometzger Otto Wittschek, Schlachthofmeister Anderl Schmid, Ministerin Michaela Kaniber, Schlachthofleiter Thomas Streitwieser, Biometzger Christian Sichert, Rathaus-Geschäftsleiter Christian Reiter und Hans Grabner von der EG Schlachtvieh Traunstein Bild: Veronika Mergenthal


 

Zehn Kommunen üben sich im Schulterschluss – „Miteinander geht es leichter“
Treffen der ILE-, LEADER- und Ökomodell-Gemeinden – Ziele gemeinsam umsetzen

 

Fridolfing. ILE, LEADER, Ökomodellregion. Und wenn dann ein Zuschuss noch über ELER fließt, dann schütteln viele Zeitungsleser verwirrt den Kopf. Selbst mancher Gemeinderat spricht von „Förder-Dschungel“ und von immer „neuen Fässern“, die aufgemacht würden. Doch unstrittig haben die Gemeinden und Städte etwas von diesen „Fässern“, nicht nur Geld und Förderung. Nein, es geht bei diesen Regional-Initiativen um eine Gesamtrichtung. Kurz: um mehr Lebensqualität für alle Menschen in der Region und um eine aktive Gestaltung von Land und Zukunft. Das wurde deutlich bei einem großen Treffen von Bürgermeistern und Gemeinderäten der Mitgliedsgemeinden in der Fridolfinger Rupertihalle.

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„Wir wollen gemeinsam in der Region vorankommen“, schickte Hausherr und Bürgermeister Johann Schild der gemeinsamen Ratssitzung voraus und deshalb wolle man „das Netzwerk weiter verflechten“. Sein Tittmoninger Amtskollege Konrad Schupfner, Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) LEADER Traun-Alz-Salzach, ist überzeugt: „Miteinander geht es leichter.“ Vor allem dann, wenn es um gemeinde- und landkreisübergreifende Projekte geht.

Die Ökomodellregion Waginger See Rupertiwinkel
Die ÖMR ist die am längsten tätige Initiative. Gestartet 2014 sind inzwischen zehn Gemeinden mit dabei: Fridolfing, Kirchanschöring, Taching, Waging, Tittmoning, Wonneberg und Petting, seit 2016 auch Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Laufen. Das Ziel von Bayern Landwirtschaftsminister Helmut Brunner beim Start der Initiative: 20 Prozent Biolandbau bis 2020 in Bayern. Dieser Wert ist nicht mehr zu erreichen. Inzwischen spricht man von einer Verdoppelung auf rund 13 Prozent. Die hiesige Ökomodellregion war von Beginn an bestrebt, die konventionell wirtschaftenden Betriebe mit einzubinden. Nicht zuletzt auf Wunsch vieler Bürgermeister.
Gleichwohl lässt Marlene Berger-Stöckl als Verantwortliche keinen Zweifel aufkommen, wohin der Weg gehen soll. Bio als Chance für Landwirte, Verbraucher, Bürger, Gemeinden. Denn Bio bedeutet weniger Phosphor, was gut ist für die Umwelt, das Wasser und das Klima. Sechs Arbeitsgruppen kümmern sich um verschiedenste Aspekte. „Bei Biofleisch sind wir auf einem guten Weg“, meinte Berger-Stöckl, zögerte zunächst und verriet es dann doch: „Es sieht gut aus bei dem Bestreben, den Laufener Schlachthof biozertifizieren zu lassen.“ Das biete Chancen für die ganze „Kette“, für eine Vermarktung in der Region. Die überregionale Vermarktung funktioniere gut, regional jedoch sei das „nicht so einfach.“
Schwierig war zuletzt auch der Absatz von Biomilch. Die verarbeitenden Molkereien nahmen kaum noch neue Zulieferer auf. Mit der Berliner Milchhandelsgesellschaft tun sich nun neue Chancen auf. Kleine Biokäserein haben sich inzwischen unter einem Dach zusammengefunden. 150 Tonnen Bio-Braugerste hat man im vergangenen Jahr geerntet, daneben 500 Tonnen Dinkel und 1000 Tonnen Hafer, im Rahmen der Barnhouse-Liefergemeinschaft. Den Laufener Landweizen bauen bereits sieben Bauern an. Zusammen mit der Brauerei Stein konnte ein biozertifiziertes Getreidelager geschaffen werden. Biozertifizierte Gastronomen haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Mehr als 25 Direktvermarkter beliefern Kunden in der Region.
„Es entwickelt sich so viel“, berichtete Berger-Stöckl. Zum Beispiel beim regionalen Eiweiß als Viehfutter anstatt importiertem Soja. Mehr als 600 Bäume hat man in Streuobstwiesen gepflanzt. Kommunen verzichten auf ihren Flächen auf Pestizide. Rund 120 Bürger hatten sich an der Erarbeitung eines Tourismuskonzeptes mit Schwerpunktthemen beteiligt. Die Projektleiterin ist überzeugt, dass das Image der Region nach den Negativ-Schlagzeilen rund um den Waginger See wieder deutlich besser geworden ist. Wichtig ist ihr der regelmäßige Erfahrungsaustausch, ob mit den Bauern, den Partnern in der ILE, aber auch mit dem Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten.
Mit rund sieben Prozent an Biobetrieben und etwa sieben Prozent an landwirtschaftlicher Fläche war die ÖMR gestartet, heute sind es mehr als zehn Prozent. 2017 waren zehn Betriebe dazu gekommen, für 2018 sind elf neu gemeldet, davon allein fünf in der Gemeinde Saaldorf-Surheim. Insgesamt sind es etwa 130.
Nachholbedarf erkennt der Tittmoninger Stadtrat und Biobauer Hans Glück bei den Kommunen, etwa wenn es um die Neuverpachtung von Flächen in öffentlichem Besitz geht. „Es sind Biobetriebe da, die Flächen brauchen“, weiß Glück, der sich um die Zukunft sorgt, denn das geförderte Projekt ÖMR läuft im April 2019 aus. Glücks Appell für ein Weitermachen: „Das muss es uns wert sein.“

ILE – Integrierte Ländliche Entwicklung
Das lokale Projekt ILE Waginger See Rupertiwinkel startete im November 2015. Gefördert wird es vom Amt für ländliche Entwicklung. Die Umsetzungsbegleiterin ist Alexandra Huber mit einem Büro im Kirchanschöringer Rathaus. Mit dabei sind die Gemeinden Fridolfing, Petting, Taching, Kirchanschöring, Waging, Tittmoning und Wonneberg.
In Arbeit ist derzeit ein Kernwegenetzkonzept mit insgesamt 83 Kilometern. Dabei sollen mit einer Förderung von 50 Prozent bestehende Gemeindestraßen auf 3,5 Meter Breite ausgebaut werden, plus Bankett und einem dauerhaften Unterbau. Bis 2024 will man das umsetzen. Biotopvernetzung als Beitrag zum Artenschutz und zum Landschaftsbild ist ein weiteres großes Ziel. Auch dafür braucht es Datengrundlagen. Für Mai ist ein Exkursionstermin gemeinsam mit dem Bayerischen Bauernverband anvisiert.
Zum Tag des Baumes am 25. April soll in den Gemeinden der Baum des Jahres – die Esskastanie – gepflanzt werden. „Bitte denken Sie über geeignete Standorte nach“, bat Huber die Zuhörer. Gefördert werden auch Kleinprojekte, etwa Workshops, wenn es um nachhaltige Beschaffung geht, oder ökologisches Bauen. Dazu wird es eine Vortragsreihe geben. Zusammen mit der Ökomodellregion und LEADER hat man im vergangen Jahr einen Wiesenwettbewerb ausgeschrieben. 21 Wiesen, verteilt über fast alle zehn ÖMR-Gemeinden waren zu begutachten, ehe eine Jury die Preisträger kürte.
Besucht hat die lokale ILE eine von sieben weiteren in Oberbayern: Die ILE Ilzer Land. „Über den Tellerrand schauen“, sagte Huber dazu. Hochkarätige Vorträge – etwa zum Klimawandel – rundeten das Angebot ab. Noch in der „Warteschleife“ sieht die Organisatorin ein ökologisches Grünflächen-Pflegekonzept und die Hochwasser-Vorsorge. Soziales Engagement der Jugend ist ein weiteres Thema. Flächenverbrauch, Mobilität und alternative Wohnformen sind Themenfelder bis 2020. Zu Letzterem läuft in Kirchanschöring ein Pilotprojekt.

LEADER-Aktionsgruppe Traun-Alz-Salzach
LEADER ist eine Abkürzung aus dem Französischen: Liaison entre les actions de developement de l’economie rurale. Auf Deutsch: Verbindung zwischen Aktionen zur ländlichen Wirtschaft. Akteure sind hier die lokalen Aktionsgruppen (LAGs). Die Projektmanagerin Elke Ott sitzt im Tittmoninger Rathaus. Dieses Programm für die Jahre 2014 bis 2020 hat den größten räumlichen Umgriff. Die zehn Gemeinden aus dem Landkreis Traunstein sind: Tittmoning, Waging, Taching, Fridolfing, Kirchanschöring, Palling, Trostberg, Traunreut, Wonneberg und Petting. Dazu die fünf Gemeinden Tyrlaching, Kirchweidach, Feichten, Garching und Halsbach auf Altöttinger Kreisgebiet. Das Berchtesgadener Land ist eine eigene LEADER-Region.
Ott nannte drei Entwicklungsziele. Ziel 1 ist die Vernetzung von Kultur, Tourismus und Freizeit. Dazu gehört die Stärkung der Regionalkultur, die Schaffung eines Wegesystems und die Entwicklung zukunftsfähiger Freizeit- und Tourismusangebote. In Ziel 2 geht es um den demografischen Wandel, die Daseinsvorsorge und die Mobilität. Im Programm unter anderem Förderung von Dorfgemeinschaften und Innenentwicklung. Der Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft ist als 3. Ziel definiert.

Aus LEADER-Mitteln flossen zum Beispiel 200 000 Euro in das Vereinsheim Schönram, 190 000 Euro in den Dorfstadel Brünning, 7 800 Euro in eine Machbarkeitsstudie zu einem Seegrundstück in Kühnhausen. 28 500 Euro gab es für den Schaubienenstand in Kirchanschöring. Insgesamt stehen 1,1 Million Euro für Einzelprojekte zur Verfügung, 400 000 Euro sind es für Kooperationsprojekte wie etwa das Radwegenetz Inn-Salzach und das Wanderwegenetz Region Alz-Inn-Salzach und Berchtesgadener Land. „Eine schwere Geburt“, sagte Ott über das 24 Gemeinden umfassende Vorhaben. Noch im März findet die Auftaktveranstaltung statt.
Insgesamt hat Ott noch 550 000 Euro an Fördermitteln übrig. „Wir wollen möglichst keine zurückgeben“, betonte Managerin und bat die Zuhörer, sich mit „schönen Ideen“ an sie zu wenden. Für besonderes Bürgerengagement steht zusätzlich ein Topf von 20 000 Euro zur Verfügung. Dieses Angebot richtet sich in erster Linie an Vereine. Auch Ott lobte die Zusammenarbeit zwischen den Initiativen und den sich überschneidenden Projekten. „Wir wollen ja nicht etwas doppelt machen.“ Daher finden sich all die Initiativen auf einer gemeinsamen Homepage unter www.wagingersee-rupertiwinkel.de .
„Die drei arbeiten mit Herzblut für uns alle“, würdigte Hans-Jörg Birner das Engagement der Referentinnen. Der Kirchanschöringer Bürgermeister sieht in diesen Aktionen einen „Mehrwert für die Region“, einzelne Gemeinden hätten nie und nimmer die Ressourcen dafür. „Und manches lässt sich nur gemeinsam lösen – ohne seine Identität aufzugeben.“ Mehrfach fiel an diesem Abend die Formulierung „wir sind auf einem guten Weg.“ Birner, den sein Kollege Schupfner als einer der Motoren würdigte, freut sich „auf weitere Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit.“ Das eingangs erwähnte ELER ist ein Europäischer Landwirtschaftsfond zur Entwicklung des ländlichen Raumes. Daraus erhält zum Beispiel die Gemeinde Petting 135 000 Euro für die Schaffung eines Dorfparks.

Artikel vom 07.03.2018 in der SOR, von Hannes Höfer

 

Die drei Projektmanagerinnen. Von links: Marlene Berger-Stöckl (Ökomodellregion), Elke Ott (LEADER) und Alexandra Huber (ILE). Foto: Hannes Höfer

 


 

Mehr „Öko“ und weniger Flächenverbrauch

Ambitionierte Grundsatzbeschlüsse zur Ökomodellregion: Stadtrat stimmt den Zielen und dem Programm zu

Die Ökomodellregion will mehr sein als eine gute Idee. Und das Programm ist ambitioniert. „Wir werden zum Teil schon von den weiteren Schritten überholt“, stellte Bürgermeister Hans Feil in der jüngsten Sitzung des Laufener Stadtrates fest. Da Laufen als letzte der zehn Gemeinden zur Ökomodellregion Waginger See / Rupertiwinkel gestoßen war, gilt es nun, notwendige Beschlüsse zu fassen. Der Stadtrat segnete einhellig ein Zehn-Plus-Vier-Punkte-Programm zu Zielen und Praxis ab.

 

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Zehn Punkte sind verpflichtend, stellte das Gemeindeoberhaupt vorweg fest. So soll eine ÖMR-Gemeinde bei der Verpachtung ihrer Flächen auf ökologische Bewirtschaftung setzen. Kommunale Wälder sollen zu naturnahen Wäldern mit mindestens 30 Prozent Laubholanteil werden, unter Beteiligung seltener Arten wie Eibe, Elsbeere und Speierling. Totholz soll erhalten bleiben, Waldränder zu einem ökologisch wertvollen Übergang hinaus zu Feld und Wiese werden. „Keine Chemie und keine Entwässerung“, steht explizit im Programm.

 

„Ökokonto-Flächen für extensive Landwirtschaft nutzbar machen“, heißt es unter Punkt 3. Kommunale Grünflächen können Rückzugsgebiete für seltene Pflanzen sein und somit Nahrungsquelle für Bienen. Dafür wird die Stadt einen Pflegeplan erstellen. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel kommen für kommunale Flächen nicht in Frage. Solche „neuen Maßnahmen“ sollen der Öffentlichkeit näher gebracht werden, um Beschwerden wegen „schlechter Pflege“ zuvorzukommen.

 

Die Anlage und Pflege von Streuobstwiesen sowie die Verwertung des Obstes stehen ebenfalls auf dem Programm. Kommunale Einrichtungen und gemeindliche Veranstaltungen sollen mit regionalen und biologisch erzeugten Lebensmitteln versorgt werden. Auch im Beschaffungswesen sieht man ein großes Potential für nachhaltiges Handeln. Produkte wie Kaffee und Tee für die Verwaltung sollen das Bio- und das Fairtrade-Siegel tragen. Ziel ist ein Ökomodellregion-Geschenkkorb, bestückt mit regionalen und/oder ökologisch erzeugten Lebensmitteln.

 

Um dem Flächenverbrauch entgegenzuwirken, ist die Innenentwicklung der Orte zu stärken. Ein Kataster über Leerstände bei Wohnungen, Gewerbebauten und Baugrundstücken soll dabei helfen. Ökokonten könnten gemeindeübergreifend eventuell im Rahmen eines ILE- oder Leader-Programms erstellt werden. Moorrenaturierung und Moorschutz schreibt sich die ÖMR ebenso auf ihre Fahnen.

 

Auf Randgrundstücken und entlang von Verkehrswegen will man Wildfruchthecken, Blühwiesen und seltene heimische Baumarten pflanzen. Zu guter Letzt sollen „neue solidarische Formen der Landbewirtschaftung“ – sprich Gemeinschaftsgärten – gefördert werden. Einen Punkt hat die Stadt Laufen ausdrücklich nicht aufgenommen: „Nutzung öffentlicher Pflanzflächen für Gemüse und Beerenobst.“

 

„Weil wir keine Flächen haben“, begründete das Bürgermeister Hans Feil, falls welche zur Verfügung stünden, könne man das immer noch machen. Werner Eckl fragte, ob es denn entsprechende Daten über die Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen in der Gemeinde gebe. „Die Landwirte sind gerade dabei mit ihren Anträgen aktuelle Daten zu liefern“, wusste Grünen-Stadtrat und Landwirtschaftsfachmann Georg Linner zu berichten, damit würden neue Datensätze erstellt. Linner machte dem Stadtoberhaupt das Angebot, sich als Stadtratsreferent in Sachen ÖMR zur Verfügung zu stellen, was der ausdrücklich begrüßte. Als Stellvertreter bot sich Peter Schuster an, der als Geschäftsleiter der Gemeinde Kirchanschöring das Projekt von er ersten Stunde an begleitete hat. Er bezeichnete die Initiative ÖMR als „wichtigen Schritt in eine nachhaltige Zukunft.“

 

Passend zum Thema bat Agnes Thanbichler, die Stadel im Haarmoos unbedingt zu erhalten. „Es gibt fast keine mehr“, bedauert die ÖDP-Stadträtin, denn sie seien auch wertvoller Lebensraum. Hans Feil erinnerte Kollegen und Bürger daran, dass das Obst entlang des Grüngürtels von jedermann geerntet werden dürfe.

Text: Hannes Höfer

 

15.05.2017: Mehr Öko und weniger Flächenverbrauch, aus: Südostbayerische Rundschau, Hannes Höfer (PDF) 

 

ÖMR-Beauftragter Laufen Georg Linner, Foto: Hannes Höfer


 

Konkrete Absichten der Ökomodellregion

Gemeinderat von Saaldorf-Surheim spricht sich für ein umfangreiches kommunales Beschlusspakekt mit zahlreichen Optionen und Möglichkeiten aus

Selten gewordene heimische Baumarten und Hecken pflanzen, Obstanger fördern, eine möglichst naturverträgliche Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Gemeindeflächen anstreben, Kauf von regionalen oder biologisch erzeugter Produkte – das alles und mehr sind Punkte eines umfangreichen kommunalen Beschlusspakets, dem der Gemeinderat von Saaldorf-Surheim in seiner letzten Sitzung fast ausschließlich einstimmig zugestimmt hat und mit denen er die Mitgliedschaft in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel als Gemeinde in konkrete Taten umsetzen möchte.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

07.02.2017: Konkrete Absichten der Ökomodellregion, aus: Südostbayerische Rundschau, Tanja Weichold (PDF)

 


 

Informationen zum Herunterladen

Beschlussvorschläge fuer Kommunen Oekomodellregion(PDF)

Faltblatt Geschenkkörbe (PDF)

 


 

Kommunales Engagement

2016 kommt zu den sieben Gemeinden zwei weitere hinzu: Die Marktgemeinde Teisendorf und die Gemeinde Saaldorf-Surheim, beide aus dem Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land. Außerdem hat die Stadt Laufen erst kürzlich den Beitritt einstimmig beschlossen.   Mit 31 zusätzlichen Ökobetrieben allein in Teisendorf (Stand 2013) gegenüber 55 Ökobetrieben in den sieben bisherigen Gemeinden vergrößert sich dadurch die Zahl der Biobetriebe deutlich, vor allem im Bereich Biomilch- und –Fleischerzeugung.   Unsere Gemeinden und Bürgermeister unterstützen die Öko-Modellregion in vielen Bereichen. Ein Meilenstein wurde im April 2015 erreicht: Die ersten sieben Kommunen haben im Grundsatz ein Beschlusspaket mit zehn bindenden Beschlüssen und weiteren optionalen Beschlüssen zur Ökologisierung auf verschiedenen Handlungsfeldern der Gemeinde verabschiedet.

150407 Beschlussvorschläge fuer Kommunen Oekomodellregion – final

 

Lesen hier die den gesamten Artikel zum kommunalen Engegagement:

Kommunales Engagement (PDF)

 


 

Presse

12.08.2016: Augenweide, Bienenweide

05.08.2015: Blumen- und Nützlingsvielfalt auf kommunalen Flächen (PDF)

05.08.2015: Mithilfe bei der Bekämpfung von Jakobskreuzkraut (PDF)

29.07.2015: Bekämpfung Jakobskreuzkraut – Dorothee Engelschallinger (PDF)

29.07.2015: Steckbrief Jakobskreuzkraut (PDF)

24.06.2015: Beschlüsse der sieben Gemeinderäte – Hans Eder, Südostbayerische Rundschau (PDF)

04.05.2015: Beschlüsse Kirchanschöring – Südostbayerische Rundschau (PDF)

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