Öko-Modell-Regionen

Projekte / Kräuteranbau – eine Alternative für kleine Betriebe

Der Strukturwandel ist in vollem Gange. Vor allem in Regionen, in denen die Milchwirtschaft überwiegt, stehen viele Bauern vor schwierigen Entscheidungsprozessen: Aufstocken und noch mehr Milch auf einen übersättigten Markt bringen scheint wenig sinnvoll. Auf Bio-Milch umstellen eine Alternative, nur nicht jeder Betrieb kann die notwendigen Investitionen für den Stallumbau aufbringen, oder die Fläche reicht einfach nicht aus.

 

Eine Möglichkeit ist es, mal etwas ganz Neues zu wagen, ohne dabei etwas erfinden zu müssen, manchmal reicht ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus: Im benachbarten Österreich ist eine ganze Region, das Mühlviertel sehr erfolgreich im Ökologischen Kräuteranbau. Dort betreut der Geschäftsführer Karl Dirnberger von der Österreichischen Bergkräutergenossenschaft aus Hirschbach im Mühlkreis schon 54 Mitgliedsbetriebe und sucht nach weiteren Lieferanten.

 

Zu seinem Service gehört außer einer transparenten Zusammenarbeit auch die Beratung der Landwirte bei Fragen zum praktischen Anbau. Bei einem Deckungsbeitrag von etwa 6.000 bis 8.000 Euro pro Hektar lohnt sich der Kräuteranbau finanziell, dafür müssen die Landwirte allerdings auch höchste Qualität liefern und 200 bis 400 Stunden Arbeit, großenteils Handarbeit, investieren. Weiterhin bedarf es der Anschaffung von geeigneten Hack- und Erntemaschinen und einer Trocknungsanlage. Durch den Zusammenschluss in Kooperationen könnten sich die Landwirte allerdings gegenseitig unterstützen und auch neue Anschaffungen gemeinsam tragen.
Die ÖMR Ilzer Land, organisierte bereits, zusammen mit der Stabstelle Klimaschutz und Umweltberatung aus dem Landkreis Passau, eine sehr gut besuchte Informationsveranstaltung sowie eine Exkursion zur Österreichischen Bergkräutergenossenschaft. Besonders beeindruckte die Teilnehmer dabei die Betriebskooperation Kräuterpunkt am Neundling, bei der drei Landwirte, die jeweils etwa 20 Milchkühe und 3 Hektar Kräuteranbau betreiben eng zusammenarbeiten und Investitionen für den Kräuteranbau- die Ernte und Aufbereitung gemeinsam getätigt haben. Dadurch haben Sie eine sehr moderne Ausstattung.

 

Für Interessierte, die mit dem Kräuteranbau beginnen wollen, sollen weitere Vernetzungstreffen stattfinden. So können Sich die Neueinsteiger untereinander ausstauschen und evtl. auch Anschaffungen gemeinsam tätigen.

 

Interessieren Sie sich für den Kräuteranbau? Zögern sie nicht Kontakt aufzunehmen.
Links:

 


 

Handarbeit, die sich auszahlt – Mühlviertler Bergkräuter-Genossenschaft informierte im Agrarzentrum Kringell über biologischen Kräuteranbau
Text von Gabriele Blachnik

 

Rechnet sich der Einstieg in den ökologischen Kräuteranbau? Dieser Frage ging eine Veranstaltung in der Akademie für ökologischen Landbau Kringell nach. Aus 30 Jahren Praxis referierten dazu Mitglieder der Österreichischen Bergkräutergenossenschaft aus Hirschbach im Mühlkreis. Sie beantworteten die Frage unterm Strich mit einem klaren Ja.

 

Mit Erfolgszahlen seiner Genossenschaft machte Geschäftsführer Karl Dirnberger den Kräuteranbau schmackhaft. Die 54 Mitglieds-Betriebe im Bezirk Rohrbach erzeugen heute pro Jahr rund 200 Tonnen getrocknete Kräuter, ausschließlich im biologischen Anbau. Davon geht ein Viertel als Rohware in den internationalen Großhandel. Hauptabnehmer ist Deutschland. So stammen beispielsweise die Biotees der Teekette Gschwendner aus der Mühlviertler Genossenschaft. Die übrige Ernte wird für den Lebensmittelhandel und andere Abnehmer vor Ort aufbereitet. Die Nachfrage sei so groß, dass die Genossenschaft sie gar nicht decken könne, sagte Dirnberger.

 

Obmann Alois Resch berichtete aus der Praxis. Sein Betrieb setze sich aus Tierhaltung, Ackerbau und drei Hektar Blattkräuteranbau zusammen. Damit könne er die notwendige Fruchtfolge gewährleisten und es falle außerdem natürlicher Dünger an. Mit Zitronenmelisse, Pfefferminze, Frauenmantel und Liebstöckel baue er nur mehrjährige Blattkräuter an. Die 50000 bis 60000 Jungpflanzen, die er pro Hektar braucht, bezieht er aus Vilshofen. Für 1000 Pflanzen zahle er 70 Euro. Nach drei bis sechs Jahren wechselt er auf Getreide oder Kleegras, auch ein Fruchtwechsel unter den Kräuterarten sei möglich. Geerntet wird mehrmals im Jahr, je nach Pflanzenart und Witterung.

 

Resch verheimlichte nicht, dass der Kräuteranbau mit “enormen Handarbeitszeiten” verbunden ist. Denn nur unkrautfreie Felder sind zur Ernte geeignet. Die meisten Betriebe der Genossenschaft beschäftigen Helfer zum saisonalen Reihen-Jäten. Er erledige die Arbeit zusammen mit seiner Frau allein. Insgesamt müsse man bei den Blatt- und Blütenkulturen wie etwa der Ringelblume 200 bis 400 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr veranschlagen. Er selbst erwirtschafte als Vollerwerbslandwirt 70 Prozent seines Einkommens aus dem Kräuteranbau. Wenig Probleme gebe es mit Wildverbiss oder Schädlingen. Allerdings seien neben den herkömmlichen Feldmaschinen eine geeignete Hacktechnik, spezielle Erntegeräte und eine Trocknungsanlage erforderlich. In der Genossenschaft nutzen die Kräuterbetriebe viele Geräte gemeinschaftlich. Sein abschließender Ratschlag an interessierte Landwirte: “Lieber klein anfangen und erst mal testen.”

 

Betriebswirt Stefan Binder rechnete vor, welche konkreten Gewinne mit dem Kräuteranbau zu erzielen sind. Grundsätzlich gebe es “eine hohe Wertschöpfung aus wenig Fläche”. Vorausgesetzt, man wählt die Anbauflächen gut aus und achtet auf Qualität. Diese wird bei der Ernte pro gelieferter Charge untersucht. Bei Trockenware von höchster Qualität könne ein Gewinn von etwa 6000 bis 8000 Euro pro Hektar erzielt werden. Lohnarbeitskosten gingen davon noch ab.

 

Das Interesse an der Thematik war so groß, dass der Lehrsaal in Kringell die Zuhörer kaum fasste. Viele Landwirte äußerten Fragen, auf die sie sachkundige Antwort bekamen. Veranstaltet hatten den Infoabend Corinna Ullrich von der “Öko-Modellregion Ilzer Land” und Peter Ranzinger von der Stabstelle Klimaschutz des Landkreises Passau. Sie kündigten für die nächsten Monate auch Exkursionen zu Betrieben an. Dabei wird es auch um den Flachs- und Hanfanbau gehen.

 

Nähere Informationen: www.bergkraeuter.at

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