Öko-Modell-Regionen

Projekte / Lernort Bauernhof: Natur und Ökolandbau be.greifen

Wie kommt der Hafer in mein Müsli? – Ein Schulprojekt entlang der Wertschöpfungskette

11. April 2018: Wie kommt der Hafer in mein Müsli? Ins Regal greifen, Tüte rausnehmen. Daheim Tüte aufreissen, Müsli mit Milch in Schüssel schütten. Fertig. So einfach ist es aber nicht. Die Geschichte geht deutlich früher los, nämlich auf dem Bauernhof. Dies lernen die Kinder aus der Mittelschule in Mühldorf kennen bei Ihrem Besuch auf dem Bioland/TAGWERK-Betrieb Maier Gallenbach in Taufkirchen. Die Schülerinnen und Schüler lernen bei Ihrem Besuch von Hilarius Häußler die Prinzipien des Ökolandbau kennen, bekommen die wichtigsten Geräte für die Aussaat und Pflege des Getreides vorgestellt und dürfen dann per Hand den Hafer aussäen. Anschließend dürfen Sie mit Claudia Maier-Häußler aus dem Getreide frisches Brot und Semmeln backen.

 

Auf dem Weg vom Acker zur Müslischüssel dürfen die Kinder dann zunächst das Wachstum im Internet verfolgen, bevor sie dann im Sommer wieder kommen, um gemeinsam das Getreide zu ernten. Bei der Firma Barnhouse können die Kinder dann erfahren, wie aus Getreideflocken Müsli entsteht. Ganz am Ende, wenn der Hafer bei Maier-Häußlers verarbeitet wurde, dürfen die Schülerinnen und Schüler dann ihr eigenes Müsli verkosten.

 

Die einzelnen Schritte von der Aussaat, über die Getreidepflege, über die Ernte bis zur Verarbeitung zum Müsli können die Kinder online verfolgen: http://www.oekomodellregionen.bayern/wp-admin/post.php?post=5555&action=edit

 

Rillen ziehen für die Haferaussaat ; Fotografin: Rosa Kugler

Hafer säen; Fotografin: Rosa Kugler

 

Haferfeld der Schüler*innen 2; Foto: Michael Rittershofer

Drei-Nutzen-Feld. Hafer, Leindotter und Bienenweide; Foto: Michael Rittershofer

 


 

 

Farbenfrohe Vielfalt auf dem TAGWERK-Acker
Gallenbach, 17.10.2017: Was könnte besser passen: Eine bunte Kinderschar sät heimische Ackerwildkräuter an, damit unsere Felder wieder farbenfrohe Vielfalt bekommen. So geschah es auf den Feldern des TAGWERK-Bauern Hilarius Häußler am 26.Oktober. Zum Säen gehört das Andrücken der Samen in die Erde dazu.

 

Die Aussaat war Teil eines Projektes zur Wiederbelebung und zum Erhalt der Artenvielfalt auf unseren Äckern. Diese ist dringend benötigt für das Überleben der Insekten und der Vögel und somit des gesamten Ökosystems. Im ganzen Landkreis Mühldorf können Biobauern mit Grundschulen im Rahmen der Ökomodellregion Isental, an der der TAGWERK Förderverein mitarbeitet, kooperieren.  Die Projektpartner sind hier der Bund Naturschutz, die Wildlandstiftung Bayern und die Untere Naturschutzbehörde Mühldorf.

 

Das Saatgut wird von ökologisch bewirtschafteten Feldern mit Restbeständen seltener Arten von Saatgutvermehrer Georg Hans aus Obertaufkirchen gewonnen und vermehrt. Die Kinder kamen von der Grundschule Taufkirchen/Oberneukirchen auf den Häußler Hof und waren bei der Aussaat und beim Andrücken der Aussaat mit großem Eifer dabei. Sie durften auch ihr Wissen zu den heimischen Wildkräutern wie z.B. Klatschmohn, Kornblume, Feldsalat und Echten Frauenspiegel präsentieren, das sie mit ihren Lehrerinnen vorbereitet hatten. Hilarius Häußler bedankte sich am Ende der Aktion bei den Kindern dafür, dass sie die Aussaat der bunten Vielfalt so tatkräftig unterstützt haben. Dafür erhalten sie im nächsten Sommer einen „Lohn“, nämlich den Anblick eines farbenfrohen und lebendigen Ackers.

 

 

Öko-Modellregion Projektmanagerin Rosa Kugler erklärt die verschiedenen Ackerwildkräuter. Foto: Hilarius Häußler

Ackerwildkräuter ganz groß: Kinder beobachten die Samen in Becherlupen. Foto: Rosa Kugler

Eine Hand voll autochtonem Saatguts. Gewachsen auf den Flächen von Georg Hans. Foto: Rosa Kugler

Das Antreten der Feinsämereien: Michael Stadler von der Unteren Naturschutzbehörde Mühldorf erklärt wie es geht. Foto: Rosa Kugler

 


 

26. und 27. Juli 2017: Die Kinder der Grundschule Buchbach und des Waldorfkindergartens Felizenzell besuchen noch einmal den Bauernhof der Familie Hundmeyer, um zu erleben, wie der Hafer, den sie im Frühjahr gesät haben, geerntet wird. Dabei lernen die Kinder in viel Handarbeit die einzelnen Schritte der Ernte kennen. Denn was der Mähdrescher heute in einer Maschine erledigt, musste früher in mühsamer Arbeit nacheinander erledigt werden: Das Abschneiden der Halme, das Dreschen, das Reinigen und das Sammeln des Getreides. Der Hafer ist mittlerweile geerntet. Dort, wo noch vor kurzem der Hafer der Kinder stand, stehen heute nur noch Getreidestoppeln (Bild 1). Bei der Erntearbeit legen die Kinder heute noch Hand an: sie trennen das Korn vom Stroh (Bild 2) und reinigen anschließen die Haferkörner von der Spreu mit einer alten, handbetriebenen Windmühle. Das ist aber noch nicht das Ende der Geschichte. Denn aus dem Hafer soll später Müsli werden. Und dieses Granola backen sich die Kinder selber (Bild 4). Und wer das Granola nachmachen will, hier ist das Rezept:

 

Die Zutaten

  • 3 Tassen Haferflocken
  • Tasse Nüsse
  • 1 Tasse Honig
  • ¼ Tasse Olivenöl
  • ¾ Teelöffel Salz
  • 1 Tasse Kerne (z. B. Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne etc.)
  • 1 Teelöffel Gewürze (z. B. Zimt oder Vanille)
  • Getrocknete Früchte (Cranberries, Aprikosen, Feigen, Äpfel & Co.) WICHTIG: Erst nach dem Backen hinzufügen, da die Früchte sonst zu trocken und hart werden

 So geht’s:

  1. Den Ofen auf 190 °C vorheizen.
  2. Getreideflocken zusammen mit den Nüssen, Salz und Gewürzen in eine Schüssel geben und alles gut vermengen.
  3. Honig und Öl hinzugeben und alles so lange mischen, bis keine großen Klumpen mehr vorhanden sind und sich Öl und Honig gleichmäßig um die Zutaten gelegt haben.
  4. Backpapier auf ein Blech legen und die Masse darauf verteilen.
  5. So lange backen, bis der gewünschte Bräunungs- und Knuspergrad erreicht ist (ca. 20 – 40 min, je nach Ofen). Beobachten Sie das Ganze aufmerksam. Das Granola darf nicht anbrennen und wird auch erst fest, wenn es abkühlt. Davon also nicht verunsichern lassen.
  6. Granola vollständig abkühlen lassen und dann in einem Vorratsglas aufbewahren.

Das fertige Granola hält sich mindestens 2 Wochen – aber so lange wird es eh nicht reichen!

 

Franz Rampl hat übrigens einen schönen Artikel für den Mühldorfer Anzeiger geschrieben, den man hier nachlesen kann (Ausgabe 25./26.03.2017): 170727_Vom Korn bis zum Müsli

 

Der Hafer ist geerntet. Dort wo vor kurzem noch die Felder der Schul- und Kindergartenkinder standen, sind jetzt nur noch Getreidestoppeln.Wie bekommt das Korn aus der Ähre? Mühsam, aber es geht: In Handarbeit dreschen die Kinder den Hafer. Was der Mähdrescher in einer Maschine erledigt, erfolgt früher in mehreren Schritten. Hier wird im Handbetrieb mit einer Windmühle das Korn von der Spreu getrennt.Nach der Ernte ist vor dem Backen. Vom Bauernhof geht der Hafer zur Mühle und zum Müslihersteller. So wir5d aus dem Korn erst die Flocke, dann das Müsli.

 


 

 

21. Juli 2017: Nun ist es soweit, der Hafer ist reif und kann geerntet werden (Bild 1). Heute ist ein sonniger, heißer Sommertag. Ideal für die Getreideernte. Natürlich werden die Felder der Kinder der Grundschule Buchbach und des Waldorfkindergartens Felizenzell mitgeerntet. Ihre Körner sollen später ja zu Haferflocken und Müsli verarbeitet werden. In einem Mähdrescher passieren viele Arbeitsschritte in einer Maschine: Die vorne drehende (rote) Haspel drückt die Getreidehalme nach unten, bewegte Messer am “Schneidwerk” schneiden die Halme ab (Bild 2). Im “Bauch” des Mähdreschers werden die Körner aus den Rispen geschlagen. Dabei werden die Körner von der Spreu und dem Stroh getrennt. Die Körner werden im “Korntank” gesammelt. Die Spreu und das Stroh fallen hinten wieder aus der Maschine auf das Feld (Bild 3).  Schließlich entleert der Mähdrescher seinen Korntank und die Haferkörner fallen in einem dicken Schwall auf den Anhänger (Bild 4). Es ist ein Bild der Fülle! Es war diese Jahr eine reiche Ernte von sehr guter Qualität!

 

Der Hafer ist reif, die Körner sind trocken. Es ist Zeit für die Ernte. Der Mähdrescher drischt den Hafer. Zunächst schneidet das Schneidwerk die Getreidehalme ab.Das Korn kommt in den Tank, die Spreu und das Stroh werden hinten aus dem Mähdrescher herausgeblasen.Wenn der Körnertank voll ist, wird das Getreide über eine Förderschnecke in den Anhänger befördert.

 


 

 

07. Juni 2017: Unkräuter mit großen und tiefreichenden Wurzeln, wie den Ampfer, kann der Striegel nicht herausreißen. Da aber für Rainer Hundmeyer keine chemische Bekämpfung möglich ist, müssen die Ampferwurzeln von Hand ausgegraben werden. Das ist zeitaufwendig und geht nur bei gut durchfeuchtetem Boden. Es ist anstrengend, macht aber trotzdem Freude, vor allem dann, wenn das Feld wieder frei von Ampfer ist. Etwa 200 Ampfer pro Stunde hat Rainer Hundmeyer geschafft. Eine stolze Zahl.

 

Ampfer1; Foto: Rainer HundmeyerAmpfer2; Foto: Rainer HundmeyerAmpfer3; Foto: Rainer Hundmeyer

 


 

 

1. Mai 2017: Zwischen den Haferpflanzen wächst jede Menge Unkraut (Bild 1). Jetzt wird es höchste Zeit für den Einsatz des Striegels.  Die Zinken am Striegel wirbeln den Boden richtig durcheinander, so muss es sein! Und die Haferpflanzen sind jetzt auch kräftig genug, um selbst nicht ausgerissen zu werden. Rainer Hundmeyer kontrolliert nach dem Striegeln den Erfolg seiner Arbeit, und ist zufrieden:  Die Unkräuter sind zum Teil ausgerissen und zum Teil verschüttet, den Haferpflanzen aber geht es gut (Bild 3).  Die Felder der Kinder werden natürlich besonders gründlich bearbeitet (Bild 4).

 

170501 Striegel-2bearb 170501 Striegel-1bearb 170501 Striegel-3bearb 170501 Striegel-4bearb

 


 

17. April 2017: Als Biobauer darf Rainer Hundmeyer kein Gift verwenden, um die Unkräuter zu bekämpfen. Daher gibt es auf dem Betrieb der Hundmeyers ein Gerät, das Striegel heißt, mit dem das Unkraut aus dem Boden gerissen und verschüttet wird. Der Boden ist heute sehr locker, die kleinen Haferpflanzen sitzen noch nicht sehr fest in der Erde. Rainer Hundmeyer versucht deshalb, den Striegel möglichst sanft einzustellen, damit mit dem Unkraut nicht zu viele Haferpflanzen ausgerissen werden. Beim Bild 3 sieht man aber, dass beim ersten Versuch viele Haferpflänzchen an den Striegelzinken hängen.  Rainer Hundmeyer bezweifelt, dass heute der richtige Termin zum Striegeln ist und entscheidet sich, das Striegeln auf einen anderen Tag zu verschieben. Auf den “Feldern” der Kinder steht der Hafer übrigens schon recht dicht und üppig.

 

Striegel Hafer Striegel HaferStriegel Hafer Striegel Hafer

 


 

4. April 2017: Direkt nach der Aussaat hat es etwas geregnet, so dass die Saat aufgegangen ist. Heute sieht man schon die vielen Haferpflänzchen wie ein dünnes grünes Tuch über dem Acker liegen. Auch die kleinen Feldstücke der Kinder schimmern grün. Man sieht auf den beiden Bildern rechts oben, dass hier an Haferkörnern nicht gespart wurde.

 

Der Hafer spitzt bereits - Foto: Rosa Kugler Der Hafer spitzt bereits - Foto: Rosa Kugler

 


16. und 17. März 2017: Der Acker ist vorbereitet, das Wetter ist warm und sonnig, die Maschinen stehen bereit. Nun kann der Hafer gesät werden. Mit dabei sind die Schülerinnen und Schüler aller Klassen der Grundschule Buchbach sowie die Kinder des Waldorfkindergartens Felizenzell. Rainer Hundmeyer erklärt, welche Arbeiten beim Anbau des Hafers notwendig sind und wie die Kinder ihm dabei helfen können. Gesagt, getan: Jede Gruppe sät ein kleines Stück des Ackers an, und stellt eine Tafel mit dem Namen ihrer Klasse vor “ihr” Feldstück. Jetzt heißt es abwarten und auf gutes Wetter hoffen.

 

Raphaela Lohmann vom Mühldorfer Anzeiger war beim Aussätag übrigens auch dabei und hat einen schönen Artikel dazu geschrieben (Ausgabe 25./26.03.2017): Artikel Mühldorfer Anzeiger

 

Schulkinder bei der Aussaat - Foto: Rosa KuglerSchulkinder bei der Aussaat - Foto: Rosa KuglerSchulkinder bei der Aussaat - Foto: Rosa KuglerSchulkinder bei der Aussaat - Foto: Rosa Kugler

 


Wie kommt der Hafer in mein Müsli? Müslitüte im Laden kaufen, in meine Schüssel schütten und fertig? Das stimmt. Wir wollen es aber genauer wissen. Wir machen uns deshalb auf den Weg und gehen dorthin, wo das Müsli seinen Anfang nimmt: auf den Bauernhof. Dort wird nämlich der Hafer, den wir für das Müsli brauchen, angebaut. Hierzu gehen wir zu Rainer Hundmeyer in Kagen bei Buchbach. Er ist ein Bauer, der gerade auf Bio umgestellt hat. Seine diesjährige Haferernte liefert er erstmals an Barnhouse, einen Biokrunchyhersteller in Mühldorf. Rainer Hundmeyer wird uns in den nächsten Monaten sagen, was alles auf seinem Haferfeld passiert. Später verfolgen wir den Weg des Hafers vom Acker in das Silo von Hundmeyers, dann zur Mühle PrimaVera, die aus den Haferkörnern Flocken macht, dann zur Firma Barnhouse, die das Müsli produziert und dann zum Regionalladen in Buchbach, wo ihr am Ende dieses Weges Euer Müsli kaufen könnt. Das wird aber sicher noch bis Ende des Jahres dauern. Auf geht’s, machen wir uns gemeinsam auf die Suche.

 

Hafer - Foto: Daniel Delang Haferprojekt - Foto: Michael Rittershofer

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