Öko-Modell-Regionen

Projekte / Bienen, Kräuter, Bauern: Unsere Land.wirt.schaft wird bunt

Praktikertag zur Wieseneinsaat ein voller Erfolg

Buchbach, 26.08.2018: Bei strahlendem Wetter und angenehmen Temperaturen fanden sich am vergangenen Sonntag viele Interessierte auf dem Biobetrieb Hundmeyer in Kagen bei Buchbach ein, um mehr darüber zu erfahren, was man im Garten und auf dem Betrieb für Insekten und andere Tierarten tun kann. Zum Praktikertag eingeladen hatten der Bienenzuchtverein Buchbach, der Imkerverein Stierberg und die Ökomodellregion Isental.

Zunächst machte Dr. Michael Rittershofer, Projektmanager der Ökomodellregion Isental, deutlich, wie wichtig – angesichts des starken Insektenrückgangs – Maßnahmen zur Mehrung der Artenvielfalt seien. Gefragt seien dabei nicht nur Landwirte, sondern gleichermaßen Kommunen und Gartenbesitzer.

Bei einem Hof- und Felderrundgang konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann Katharina Schertler, Fachberaterin für Naturschutz vom Bioanbauverband Bioland, bei ihrer Betriebsberatung über die Schultern schauen. Dabei gab sie eine Vielzahl sehr praktischer Tipps.

Beim Hacken von Ästen kam kürzlich ein Wespennest zum Vorschein, das Rainer Hundmeyer nicht  zerstörte. „Das ist gut so“, bestätigte ihn Katharina Schertler. „Denn Wespen vertilgen große Mengen von Fliegen und andere Schadinsekten.“ An einem sandigen Hang bei der Stalleinfahrt erläuterte Schertler, dass offene Bodenstellen gute Nistmöglichkeiten für im Boden brütende Wildbienen sind. „Offene Bodenstellen gibt es in unserer Kulturlandschaft kaum noch“, gab Schertler zu bedenken. „Diese sind aber sehr wichtig, da zwei Drittel der 500 Wildbienenarten in Deutschland unter der Erde ihre Brut anlegen.“

Beim Gang über die Felder lobte Schertler den breiten Grünstreifen der Hundmeyers entlang des Grabens, da dieser einen optimalen Schutz zur Reinhaltung der Gewässer bietet. Sie regte hier an, durch sogenannte „Impfstreifen“ oder eine Wiesenansaat mit regionalem Saatgut mehr blühende Wildkräuter einzubringen und damit eine bessere Nahrungsquelle für Insekten zu schaffen.

Im Anschluss an die Hofführung, wurde in einem praktischen Teil eine Wiese mit regionalem kräuterreichem Saatgut angesät, um zu zeigen, auf was bei einer solchen Maßnahmen zu achten ist. Zunächst wurde mit einer kleinen Bodenfräse die Grasnarbe aufgerissen. Georg Hans, Saatgutvermehrer aus Obertaufkirchen, wies darauf hin, dass  die Wurzeln der Gräser gut abtrocknen sollten, damit sie nicht erneut wurzeln können. „Vor der Saat muss der Boden gewalzt werden, und zwar am besten mit einer Sternwalze“ erklärte Hans. „Das unterschiedlich geschaffene Bodenprofil ist optimal, da dies bei Starkregen nicht verschlämmt und die Samen der Lichtkeimer obenauf bleiben und keimen können“, so Hans weiter. Hans vermischte sein Regio-Saatgut mit zehn Teilen feinem Sand, um die händische Aussaat der feinen Saat zu erleichtern. Dann schritt er über den Acker und säte. „Mit der Hand säe ich nicht nur so kleine Flächen, wie diese, sondern auch deutlich größere“, betonte Hans. „Das ist erfolgreicher als jede Sämaschine.“

Es bleibt zu hoffen, dass die die Umsetzung von insektenfreundlichen Maßnahmen Früchte trägt, nicht nur auf der Fläche in Kagen. In jedem Fall können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung – und nicht nur diese – genau verfolgen, wie die Saat bei Hundmeyers aufgeht. In Kagen direkt an der Verbindungsstraße Buchbach – Dorfen.

 

Katharina Schertler erklärt, wie man Insekten im Hof und Garten mehren kann; Foto: Rosa Kugler Katharina-Schertler erklärt Nisthilfen für Insekten; Foto: Rosa Kugler Ein Wiesenstreifen zwischen Acker und Graben; was kann man hier für Insekten tun? Foto: Rosa Kugler Der Boden ist vorbereitet. Georg-Hans-sät-das regionale Wiesensaatgut händisch aus: Foto: Rosa Kugler

 


 

 

Eine intakte Natur besteht neben Äckern und Wiesen aus Mischwäldern, Hecken, Biotopen. Vor einigen Jahrzehnten brachte jeder Sonntagsspaziergang auf dem Land eine reiche Ernte der besonderen Art: Blumensträuße aus Ackerwildkräutern und Wiesenblumen.

 

In den letzten Jahrzehnten sind viele dieser Landschaftselemente der Effizienz zum Opfer gefallen. Der Einsatz von Pestiziden und Fungiziden tut ein Übriges und bewirkt, dass vor allem die Vielfalt am Feldrand drastisch abgenommen hat. Als Folge davon sind Ackerwildkräuter in vielen Gebieten direkt vom Aussterben bedroht, ja sie gehören sogar zu den gefährdetsten Arten Deutschlands. Die Beikräuter wieder zuzulassen, zumindest an der Randzone der Äcker, wäre die Rettung.

 

Nun stellt der Ökobauer Gust Obermaier den Ausgleichsacker der Gemeinde Schwindegg, den er bewirtschaftet, für die Aussaat der seltenen Blumen in der Randzone zur Verfügung. Doch nicht nur das. Eine angrenzende Wiese wird als sogenannte Magerwiese und Biotop zum wahren Paradies für Bestäuber und seltene Blumen werden.

 

Auch die Imker sind rege an der Maßnahme interessiert, die bestäuberfreundliche Zustände für die Bürger erfahrbar macht. Denn auch die privaten Gartenbesitzer können etwas unternehmen: Oft reichen schon einfache Maßnahmen auf kleinen Flächen aus, um Vielfalt zu erhalten und Überlebenschancen zu erhöhen. Es finden hier regelmäßig Treffen statt, bei der alle Bürger willkommen sind.

 

Naturschutz und Landwirtschaft. Kann man das auch gemeinsam denken? Biolandwirt Sepp Braun spricht in diesem Sinne von Partnerschaften. Er möchte weg vom Beherrschen der Natur hin zu einer Landwirtschaft, die Erfolg hat, weil sie natürliche Kreisläufe fördert und einbezieht, anstatt sie gezielt zu unterbrechen. Die Vernetzung und der Wissenstransfer in diesem Bereich stellt ein weiteres Anliegen der ÖMR Isental dar.

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