Handlungsfeld „Trinkwasserschutz“ in der Öko-Modellregion Inn-Salzach

Durch ökologischen Landbau gutes Wasser bekommen und erhalten

Zahlreiche Landwirte und Landwirtinnen treffen sich sich zur Feldexkursion auf dem Acker mit den Experten

Neben den Untersuchungen schaffen Feldexkursionen einen Raum für den Austausch unter Praktikern
© A. Zaghdoudi

Trinkwasserschutz durch ökologische Landwirtschaft?
Die EU setzt sich mit der Wasserrahmenrichtlinie und Farm To Fork- und EU-Biodiversitätsstrategie im Rahmen des Green Deals ehrgeizige Ziele. Vorhaben sind Auswaschung von Stickstoff, in Form von Nitrat, auf der landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche, zu vermeiden. Außerdem soll der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft bis 2050 um 50% reduziert werden.
Laut Thünen Report ist der Ökolandbau eine wichtige Masnahme, um insbesondere in (Grundwasser-)Schutzgebieten und Regionen mit signifikanten Stickstoffuberschussen – wie beispielsweise in den intensiven Tierhaltungsregionen – die (Agrar-) Okosysteme zu entlasten.

Königin des Trinkwasserschutzes - die Wiese!
Ökolandbau ist die Erzeugung von Bio-Lebensmitteln. Und damit auch der Erhalt und die Schaffung von neuen Grünlandflächen. Denn Mäh-Wiesen und Weiden sind fixer Bestandteil im Öko-Betrieb, um die Tiere mit Futter zu versorgen, Weideflächen zu schaffen und den Boden natürlich zu düngen. „Grünland“ wird auch als die Königin des Trinkwasserschutzes bezeichnet. Denn hier können enorme Mengen Stickstoff gespeichert werden. So kann dessen Auswaschung ins Trinkwasser, in Form von Nitrat, verhindert werden.
Die Umstellung der Bewirtschaftung auf den Ökologischen Landbau, wird als einer der effektivsten Strategien für den Trinkwasserschutz diskutiert. Aber wie funktioniert Trinkwasserschutz durch ökologische Landwirtschaft?

Ökolandbau heißt ..

- Verzicht auf chemisch-synthetischen Düngemittel. Denn diese enthalten Stickstoffverbindungen, die leicht, in Form von Nitrat, in untere Bodenschichten absickern können
- Nur so viele Tiere halten, dass der anfallende tierische Dünger sinnvoll auf den eigenen Flächen ausgebracht werden kann
- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, deren Wirkstoffe oder Abbauprodukte ins Trinkwasser absickern können
- Grünland als festes Glied in die Kulturfolge einbauen

Königin des Wasserschutzes - Die Wiese!
Analysen zeigen, dass die Bedeutung des Grünlandes im Ökolandbau viel höher ist, als im konventionellen Landbau. Aber warum ist das so?
Grünland wird im Ökolandbau als natürlicher Dünger und als Weide für die Tiere benötigt. Der Grünlandanteil aller ökologisch bewirtschafteten Flächen in Bayern liegt – sofern man das „künstliche Grünland“, das Kleegras auf den Äckern, hinzunimmt – bei ca. 60 %. Zum Vergleich: Im Landkreis Altötting wurden 2020 92% der landwirtschaftlichen Nutzfläche konventionell bewirtschaftet. Der Grünlandanteil im Landkreis Altötting lag 2020 bei 26%.

Und was hat das mit Öko-Modellregion zu tun?
Die Öko-Modellregion unterstützt konventionell wirtschaftende Höfe, die auf die ökologische Wirtschaftsweise umstellen möchten, beim Aufbau von Vermarktungswegen. So soll die ökologisch bewirtschaftete Fläche im Landkreis Altötting gesteigert werden und gleichzeitig der Trinkwasserschutz vor der eigenen Haustüre auf die nächste Stufe gehoben werden.

München, Burghausen und Burgkirchen sind Vorreiter
Die Vorteile des Ökolandbaus wurden bereits vor ca. 30 Jahren von einigen Wasserversorgern erkannt. Ein Wasserversorger, der es vormacht, ist die Stadt München. Ihr Trinkwasser kommt zum Großteil aus dem Mangfalltal und Loisachtal. Anstatt lediglich Forderungen an die Landwirtschaft zu stellen, setzt die Stadt auf eine Zusammenarbeit mit den Höfen in den Trinkwassergewinnungsgebieten. Die Stadt fördert die Betriebe bei der Umstellung auf die ökologische Wirtschaftsweise und bei der Vermarktung ihrer Bio-Produkte. So konnten die Betriebe sich, auch nach der Umstellung, langfristig auf sichere Beine stellen.

Hier geht's zum Fernsehbeitrag über Münchner Trinkwasserschutz durch Ökolandbau

Auch in Burghausen und Burgkirchen an der Alz fördern die Wasserversorger seit knapp 30 Jahren eine trinkwasserschonende Landbewirtschaftung. Knapp 80 Höfe engagieren sich in den Trinkwasserschutzprojekten. In Zusammenarbeit mit den Landwirten entwickelten die Wasserversorger und die Wasserberatung vielfältige trinkwasserschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen. Darunter die Vermeidung von Überdüngung und die Vermeidung der Ausbringung wassergefährdender Pflanzenschutzmittel wie Terbuthylazin.

Wasserversorger sehen Chance im Ökolandbau
In Burghausen und Burgkirchen arbeiteten 2020 der Großteil der Betriebe, die in brunnennähe wirtschafteten, nach den Prinzipien des konventionellen Landbaus. Durchschnittlich 11% der Fläche wird nach den Prinzipien der Ökologischen Landwirtschaft bewirtschaftet. Die Wasserversorger sehen im Ausbau dieser Landwirtschaftsform einen Weg, die Nitratgehalte im Trinkwasser deutlich zu senden. Und mit 11% Flächenanteil ist, laut der Wasserversorger, noch viel Luft nach oben.

Aber wie kann der Ökolandbau in den Trinkwassergewinnungsgebieten ausgebaut werden?

Wie können auch andere Wasserversorger im Landkreis Altötting eine Senkung der Nitratgehalte in ihren Trinkwasserbrunnen unterstützen?

Und wie kann Bauern:innen, die auf Ökolandbau umstellen wollen, aber keine wirtschaftliche Perspektive sehen, der Sprung in den Ökolandbau erleichtert werden?

„Ich“ esse Bio und „du“ schützt mein Trinkwasser
Die Kommunen Burghausen und Burgkirchen haben, gemeinsam mit 21 weiteren Kommunen, die Öko-Modellregion Inn-Salzach ins Leben gerufen. Öko-Modellegion sein, ist keine Auszeichnung, sondern ein Auftrag. Die Projektmanager der Modellregion sind damit beauftragt, die örtlichen Höfe, Gemeinschaftsverpfleger und weitere Akteure auf der Lieferkette dabei zu unterstützen, Absatzwege für heimische Bio-Produkte zu schaffen. Z.B. indem heimische Bio-Lebensmittel in der Mittagsverpflegung in KITAS und Schulen angeboten werden. Auch die Gemeinschaftsverpflegung in den Betriebskantinen, z.B. im Chemiepark Gendorf und Wacker Chemie, können ein Schlüsselpunkt werden. Bio-Lebensmittel in die Gemeinschaftsverpflegung zu bringen, ist eine Mammut-Aufgabe und wurde deshalb zur Chefsache gemacht. Denn die Kommunen und Unternehmen haben einen wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung der Verpflegung. Die Öko-Modellregion Inn-Salzach unterstützt beide bei ihrem Vorhaben.
In einigen Regionen von Bayern ist das schon Alltag. Im Raum München hat die Linde Kantine bereits über 20% Bio-Produkte im Speiseplan und die Ludwig-Thoma-Realschule bereits 100%. Auch die ländlichen Regionen sind Vorreiter. Die Salzach-Klink in Fridolfing verarbeitet bereits 20% Bio-Lebensmittel im Speiseplan. Auch die Gemeinde Fridolfing ist Mitglied in einer Öko-Modellregion.

Ökolandbau auf dem Prüfstand – Forschungsprojekt ist gestartet
Ob und wie die ökologische Wirtschaftsweise das Trinkwasser schont, entfacht immer wieder heiße Diskussionen. Um der Frage nachzugehen, welchen Beitrag der Ökolandbau für den Trinkwasserschutz leistet, erforscht seit Januar 2020 ein Team aus Wissenschafts-Experten der TU München konventionell und ökologisch wirtschaftende Betriebe in den Trinkwassergewinnungsgebieten der Stadt Burghausen und Gemeinde Burgkirchen. Geleitet wird das Forscherteam von Prof. Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen. Das Projekt mit dem Namen „digisens“ begann im Januar 2020 und läuft bis Dezember 2023. Die beiden Kommunen sind mit einem Fördervolumen von 60.000 Euro beteiligt.

Forscher, Öko-Modellregion und Landwirte:innen arbeiten Hand in Hand
Die Öko-Modellregion ist Kooperationspartner im Forschungsprojekt. Das Projektmanagement ist vor Ort bestens vernetzt und unterstützt das Forscherteam laufend mit Kontakten zu Landwirten. Das Projekt steht und fällt mit dem Engagement der Landwirte. Und das Engagement ist groß. 13 Forschungsbetriebe stellen ihre Flächen für Versuche zur Verfügung. Darunter befinden sich drei ökologisch wirtschaftende Höfe. Die Bilanz nach einem Jahr intensiver Zusammenarbeit ist demnach sehr zufriedenstellend.
Außerdem unterstützt das Projektmanagement die Forscher, indem es Informationsveranstaltungen und Feldexkursionen organisiert. Darunter z.B. die Auftaktveranstaltung im Akademiezentrum in Raitenhaslach, zu der auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eingeladen war. Hinzukommen fanden, und finden auch weiterhin, laufend Feldexkursionen für Landwirte und kommunale Vertreter statt. Diese bilden einen Raum, in dem Landwirte innovative Landbausysteme vorstellen, das Forscherteam über seine Erkenntnisse informiert und ein Austausch unter Praktikern ermöglicht wird.

Landwirte, Landwirtinnen und alle weiteren Interessierten, die sich über die Aktivitäten im Forschungsprojekt informieren möchten, können sich bei Projektleiterin Amira Zaghdoudi per Email melden (amira.zagh@lra-aoe.de).

Detaillierte Informationen zum Forschungsprojekt „digisens“ findet ihr hier.



Amira Zaghdoudi
Kontakt
Amira Zaghdoudi
Projektmanagerin
Mobil: +49 172 138 2868

März 2021

Region: Inn-Salzach