Rittersporn und Wachtelweizen

01.06.2016

Projekt: BioErleben - Vom Regenwurm zum Brot

Gerold Hörl betreibt seit 2002 ökologischen Landbau. Für seine artenreichen Kalkscherbenäcker wurde er 2016 im Rahmen des Ackerwildkrautwettbewerbs Oberpfalz ausgezeichnet. Auf seinen Äckern leben auch Arten, die man sonst kaum noch findet. Der Landschaftspflegeverband lud darum zu einem naturkundlichen Spaziergang nach Ohrenbach ein.

15 Interessierte nutzen die Gelegenheit den Bauern Hörl und die Artenvielfalt auf seinen Äckern kennenzulernen. Barbara Ströll, Projektmanagerin der Öko-Modellregion, stellte die Arten mit ihren Besonderheiten vor: Rittersporn, Haftdolde, Acker-Hahnenfuß, Blauer Gauchheil, Acker-Steinsame, Acker-Wachtelweizen – so heißen einige der Stars unter den Ackerwildkräutern.

Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt der Arten und deren Beziehungen zu Mensch und Tier. „Tatsächlich steht jede Art am Anfang mindestens einer Nahrungskette.“, so die Biologin Ströll „Und einige dieser wilden Ackerarten sind Urformen unserer Gemüsesorten. Der Hederich z.B., den haben wir auf Wurzel gezüchtet, bis wir den Rettich hatten oder das Rapünzelchen, aus dem unsere Vorfahren den Feldsalat gezüchtet haben.“

Gerold Hörl beantwortete die zahlreichen Fragen rund um seine Arbeit auf dem Acker. Natürlich möchte auch der Biobauer Getreide ernten und sorgt über Fruchtfolge und Bodenbearbeitung dafür, dass konkurrenzkräftige Beikräuter wie Quecke, Ampfer und Distel nicht Überhand nehmen. „Vor der Distel habe ich keine Angst.“, so Hörl, „Die bekomme ich mit Kleegras und Mahd in den Griff.“ Auch das Striegeln gehört zu den Maßnahmen, mit denen der Biobauer vor allem die einjährigen Beikräuter, wie den Hederich, in Schach hält. Das Striegeln hat er noch von seinem Vater gelernt: „Ich habe mich nach der Umstellung auf Ökolandbau erst nicht recht getraut, den Striegel aggressiv einzusetzen. Mein Vater hat mir gezeigt, wie man das Gerät richtig einstellt und einsetzt. Der hat das in den 50er-Jahren noch so gelernt, bevor der Striegel durch Herbizide ersetzt wurde.“ Winterweizen, Ackerbohne, Roggen und Sommergerste hat Hörl heuer angebaut.

Im Unterwuchs des großen Roggenackers steht zahlreich die Kornblume. Der Bauer hat nicht den Eindruck, dass sie mit dem Roggen konkurriert. Barbara Ströll wies auf Untersuchungsergebnisse hin, nach denen die Kornblume über Wurzelausscheidungen die Eiweißsynthese im Roggen günstig beeinflusst und dass die Kornblume im Juni zu den besten Nektarquellen in unserer Kulturlandschaft gehört. Sie wird intensiv von Bienen und Hummeln besucht. Das konnten die Teilnehmer selbst beobachten. Schließlich führte Hörl die Gruppe zu einem Acker, den er heuer wegen seines Steinreichtums nicht bestellt hat.

„Sowas habe ich noch nicht gesehen“ staunte ein Teilnehmer angesichts der Steindichte. Dort war für jeden nachvollziehbar, warum diese „Kalkscherben“-Äcker häufig aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden. Neben dem Herbizid-Einsatz ist das ein weiterer Grund für die Gefährdung der für diese Äcker typischen Wildkräuter. Diesen Acker lässt Gerold Hörl demnächst maschinell entsteinen, damit er ihn wieder bestellen kann. Das schadet den Wildkräutern nicht. Die Steine „wachsen“ nach. Zum Abschluss des Spaziergangs zeigte sich auch noch der Perlmuttfalter. Dessen Raupen leben am Acker-Stiefmütterchen, ein häufiges Wildkraut, dass man auch im Gemüsegarten finden kann.