Rundumblick Ökolandbau

25.06.2019

Projekt:

Veranstaltung für Umstellungsbetriebe in der Öko-Modellregion Oberes Werntal
Theilheim Um die geballte Kompetenz im Bereich Umstellung auf Ökolandbau zu hören kamen Betriebsleiter aus der Umgebung in Theilheim zusammen. An einem Nachmittag erhielten sie einen Überblick über Anbau, Absatz und die verschiedenen Institutionen im Ökolandbau. Zunächst stellten die Fachberater Manfred Weller (Bioland), Udo Rumpel (Naturland) und Christian Schmitz (Biokreis) jeweils ihre Anbauverbände vor.

Ökolandbau jahrzehntelang praktiziert – Erfolgsgeschichten
Manfred Weller und Udo Rumpel berichteten über ihre Erfahrungen aus 38 bzw. 30 Jahren praktizierenden Ökolandbau in Mittelfranken bzw. Unterfranken. Manfred Weller legt heute beispielsweise einen größeren Wert auf dichte Bestände, als früher. Beikräuter werden so am Absamen gehindert, die darauffolgende Kultur profitiert. Gute Ergebnisse erzielt er insbesondere dann, wenn er bei den Fruchtfolgen die Wurzelausscheidungen verschiedener Kulturen berücksichtigt: Die Ausscheidungen von Sojapflanzen begünstigen den Mais, Ackerbohnen vertragen die Maisausscheidungen dagegen nicht so gut.
Wenn sich Udo Rumpel früher wunderte, warum auf seinen neu umgestellten Flächen plötzlich so viele Disteln aufkamen, weiß er heute, dass sie sich von einem Stickstoffpool in 30 bis 90 cm Tiefe ernähren und er diesen zunächst mit zehrenden Kulturen leeren muss. Er rät Betriebsleitern generell Äcker von Anfang an „sauber“ zu halten – es lohnt sich einzelne Ampferpflanzen vor dem Aussamen auszustechen und vom Feld zu nehmen. Grundsätzlich geht es im Ökolandbau darum zu schauen „Wie macht´s die Natur?“. Diese Gesetzmäßigkeiten gilt es dann bestmöglich auf den Anbau zu übertragen, so die beiden Praktiker.
Die Entwicklung seines elterlichen Betriebs von einer Neben- zur Vollerwerbslandwirtschaft beschrieb Armin Hettrich von Hettrich`s Biohäusle in Schwebenried. Als neuer, seit 2015 umgestellter Ökolandwirt, gab er umstellungsinteressierten Betriebsleitern als Tipp mit auf den Weg „Gespräche, Gespräche, Gespräche“ zu führen. Sich bereits von Anfang an mit praktizierenden Biolandwirten auszutauschen und die Angebote gemeinsamer Öko-Feldbegehungen zu nutzen. Er rät auch dazu frühzeitig die Vermarktungswege von Umstellungswaren abzuklären. Generell profitieren Landwirte auch von einer Mitgliedschaft in einem Öko-Anbauverband und den Beratungsmöglichkeiten in diesem Netzwerk, so Hettrich.
Welche Organe es im Ökolandbau neben den Anbauverbänden noch gibt benannte Bernhard Schwab vom Fachzentrum für Ökolandbau am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Bamberg. Er stellte die Angebote der unabhängigen staatlichen Beratung sowie die Öko-Kontrollstellen vor. Weiter gab er einen Überblick über die verschiedenen Förderungen und skizzierte den Ablauf bzw. die Voraussetzungen für eine Betriebsumstellung auf ökologische Bewirtschaftung.

Und wie sieht es mit der Vermarktung aus?
Wie sich die Ökobranche und Preise in den nächsten Jahren entwickeln, lässt sich nicht eindeutig sagen. „Auch für Umstellungswaren werden aktuell noch Verträge geschlossen, auch wenn die Preise aufgrund vieler Umsteller etwas zurückgegangen sind“, meinte Liane Regner von der Marktgesellschaft der Naturlandbauern in Hofheim. „Anerkannte Öko-Ware, nach der Umstellungszeit, fließt jedoch zu attraktiven Preisen in viele schöne Produkte“, so Liane Regner. Nichtsdestotrotz steht und fällt die Entwicklung der Ökobranche mit der Nachfrage, konkret bedeutet das, dass Endverbraucher und Großabnehmer z. B. in der Gemeinschaftsverpflegung beherzt bei heimischer Bio-Ware zugreifen. Durch Vernetzung wird daran unter anderem in den nun 27 Öko-Modellregionen in Bayern, sowie in den Öko-Regionen in Baden Württemberg und Hessen sowie in Deutschlands Bio-Städten gearbeitet, ergänzt Anna-Katharina Paar, Projektmanagerin der Öko-Modellregion Oberes Werntal.

Aktuell hohe Nachfrage nach Bio-Zuckerrüben
Bio-Zuckerrüben-Bauern sind gesucht. Aufgrund eigener Nachhaltigkeitsstandards verzichten Lebensmitteleinzelhandelsketten bei den Bio-Eigenmarken zunehmend auf Übersee-Zucker. „Es gibt eine höhere Nachfrage als wir bedienen können“, so Ernst Merz von der Abteilung Rohstoff Franken der Südzucker AG. Er skizzierte in seinem Vortrag den Zuckermarkt, die Leistungen der Südzucker AG sowie die aktuellen Konditionen. Zukünftig werden Bio-Zuckerrüben im Werk in Rain (Landkreis Donau-Ries) anstatt wie bisher im Werk Warburg verarbeitet. Aufgrund geforderter Standards wird dabei auf Verbandsware gesetzt.
Von seinen Erfahrungen beim Öko-Zuckerrübenanbau in der Praxis berichtete Hilmar Cäsar, Betriebsleiter von Biohof Cäsar, bei der anschließenden Öko-Feldbegehung. Er führte die Teilnehmer auf die Äcker und zeigte vor Ort seinen Zuckerrüben-, Erbsen-, Sojabohnen-, Winterweizen- und Gerstenbestand. Die Praktiker nutzen die Gelegenheit und tauschten sich über Fruchtfolgen, Sorteneigenschaften von Kulturen sowie über Ursachen von Pflanzenkrankheiten und im Ökolandbau erlaubten Lösungsansätze für gesunde Bestände aus.

Die Region „schmecken“
Vor dem Aufbruch stärkten sich die Teilnehmer mit einem Bio-Imbiss, geliefert von der Bäckerei Wolz in Greßthal aus Produkten von Wertschöpfungsketten im Oberen Werntal. Anna-Katharina Paar benannte dabei die Öko-Landwirte und –Verarbeiter:
Die Bio-Brote aus Getreide des Biohofs Münch in Greßthal und Schloss Gut Obbachs, gebacken von der Bäckerei Wolz in Greßthal, waren belegt mit Bio-Ziegen- und -Kuchmichkäse aus Milch des Biohofs Bock aus Eltingshausen, hergestellt von der Hofkäserei des Bioziegenhofs Kuhn in Oerlenbach und bestrichen mit Tomatenaufstrich der Firma „Zwergenwiese“ bestehend aus Öko-Schälsonnenblumen verschiedener Öko-Landwirten der Region und Bio-Eiern des Biohofs Cäsar.

Im Rahmen des Projekts bio-offensive der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) und des Verbands der Landwirtschaftskammern (VLK) unterstützt aus Fördermitteln der Landwirtschaftlichen Rentenbank wurde 2019 erstmals ein Umstellertag über die Öko-Modellregion Oberes Werntal durchgeführt.