Ackerwildkrautschutz – integrierbare Ansätze auf landwirtschaftlichen Betrieben

25.06.2019

Projekt:

Die Ackerwildkrautarten in Bayern, Deutschland und der Welt gehen zurück. In Bayern stehen fast ein Drittel der 323 in Deutschland vorkommenden Arten auf der Roten Liste.
Ackerwildkräuter sind auf die Bodenbearbeitung im Ackerbau angewiesen. Mehrjährige Stilllegungsbrachen oder neu angelegte Blühflächen dienen gerade den seltenen Arten wegen dem starken Konkurrenzdruck nicht. Ackerwildkräuter sind unter anderem als Nektar-, Pollen- und Samenlieferanten für Insekten und Feldvögel und prägen das Ökosystem Acker.

Was kann jeder einzelne Landwirt tun, um Ackerwildkräuter auf seinem eigenen Betrieb zu fördern? Welche in den Betriebsablauf gut integrierbare Ansätze gibt es?
Nachfolgend eine Zusammenfassung erster Informationen und ein Rückblick der Infoveranstaltung rund um Ackerwildkrautschutz im Mai 2019.

Informationsmaterialien:

 

Bericht: 28.05.2019
Streifenweise Ackerwildkrautschutz
Nur 8 % aller Ackerwildkrautarten sind Konkurrenten
Obbach, In Bayern stehen fast ein Drittel der 323 in Deutschland vorkommenden Arten auf der Roten Liste. Rund 30 Interessierte kamen am 28. Mai auf Schloss Gut Obbach, in Euerbach zusammen und ließen sich von den Referentinnen Marion Lang, Bayerische KulturLandStiftung und Technische Universität München sowie Anna Bühler, Biobauern Naturschutz GmbH an Weizenfeldern in die Welt der Ackerwildkräuter führen.
Ackerwildkräuter sind auf die Bodenbearbeitung im Ackerbau angewiesen. Mehrjährige Stilllegungsbrachen oder neu angelegte Blühflächen dienen ihnen wegen dem starken Konkurrenzdruck nicht. Bevorzugt kommen die seltenen Vertreter unter ihnen auf trockenen, kalkhaltigen aber auch auf sandigen und wechselfeuchten Böden in winterkulturbetonten Fruchtfolgen, z. B. in Roggen und Dinkel vor.

Fünf Ackerwildkräuter der Roten Liste gefunden
Bevor die Teilnehmer Ackerwildkräuter zur Bestimmung vom Feld sammeln durften, beschrieben die beiden Referentinnen, die fünf dort vorkommenden Roten Listen Arten, Sommeradonisröschen, Acker-Hahnenfuß, Acker-Steinsamen, Acker-Rittersporn und Blasser Erdrauch „Fumaria vaillantii“, die besser nicht gepflückt werden sollen. Insgesamt konnten auf den beiden Weizenfeldern 33 Ackerwildkrautarten entdeckt werden.

Nur 8 % der Ackerwildkrautarten bringen Ertragseinbußen
Bekannt sind unter Landwirten meist Ackerwildkrautarten, die mit der Hauptkultur konkurrieren, wie Acker-Fuchsschwanz oder Acker-Kratzdistel. „Nur 25 von den 323 vorkommenden Arten verursachen Ertragseinbußen“, so Marion Lang. Die restlichen Arten können also ruhigen Gewissens als Beikräuter in den Beständen gesehen werden. Anna Bühler betont dabei deren Nutzen als wichtige Nahrungsquellen. Insekten brauchen Nektar und Pollen vieler Ackerwildkräuter. Überlebenswichtig für den Kleinen Perlmuttfalter ist zum Beispiel das Vorkommen des Ackerstiefmütterchens, da sich seine Larven ausschließlich von dieser Art ernähren. Das Vorkommen verschiedener Ackerwildkrautarten dient allerdings nicht nur Faltern sondern auch Feldvögeln, wie den Feldlerchen. Diese fressen auf den Äckern im Sommer vor allem Insekten und deren Larven, im Winter dann Samenstände.

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Im Ackerbau steht die Hauptkultur im Vordergrund. Trotzdem bieten sich für konventionell und ökologisch wirtschaftende Betriebe einige Möglichkeiten an, wie sie ihre Ackerwildkräuter schützen und fördern können. Zum Beispiel an für die Bewirtschaftung unattraktiven Ecken oder entlang von öffentlichkeitswirksamen Rad- und Wanderwegen. Ein Randstreifen nach der Bodenbearbeitung, lückig gesät, nicht gedüngt, auf Pflanzenschutzmittel bzw. mechanischer Beikrautregulierung verzichtet oder ein verspäteter Stoppelumbruch für spät absamende Ackerwildkräuter sind effektive freiwillige Maßnahmen. Wer einen Gebäudebau plant und dafür Ausgleichsflächen anlegen muss kann bei den Planern anregen den Ausgleich über Produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen im Bereich Ackerwildkrautschutz vorzunehmen, rät Marion Lang. Das Vertragsnaturschutzprogramm honoriert Ackerwildkrautschutz ebenfalls.

Nach dem Praxisteil am Feld gaben die Referentinnen im Pfarrgemeindehaus in Obbach den Zuhörern einen Einblick in ihre Projekte „Ackerwildkräuter für Bayerns Kulturlandschaft“ gefördert durch den Bayerischen Naturschutzfonds und die Landwirtschaftliche Rentenback, sowie „Ackerwildkräuter erhalten und fördern mit Biobetrieben in Bayern“, ebenfalls gefördert vom Bayerischen Naturschutzfonds.
Die unterfränkischen Öko-Modellregionen bieten in Zusammenarbeit mit dem Fachzentrum Ökolandbau im Jahr der Biodiversität Informationsveranstaltungen als Anregungen für Betriebe an. Nach den Veranstaltungen zu alten Kultursorten, der Anlage von Blühflächen und der Ergänzung der Fruchtfolge durch insektenfreundlichen Kulturen wurde nun das Thema Ackerwildkrautschutz behandelt.

 

Ankündigung: Infoveranstaltung rund um Ackerwildkrautschutz
Schloss Gut Obbach, Dr.-Georg-Schäfer-Straße 5, 97502 Euerbach-Obbach – 28.05.2019 – 18:30 Uhr Anmeldeschluss 24.05.2019

Integrierbare Ansätze auf landwirtschaftlichen Betrieben
Wie steht es um die heimischen Ackerwildkräuter? Wie unterscheidet man zwischen konkurrierenden Unkräutern und ergänzenden Beikräutern? Welche Maßnahmen zum Ackerwildkrautschutz sind gut in den konventionellen oder ökologischen Betriebsablauf integrierbar, welche werden gar gefördert?
Dazu findet eine Informationsveranstaltung für BetriebsleiterInnen und Interessierte der Region statt.

Marion Lang von der Bayerischen Kulturlandstiftung und Anna Bühler von der Biobauern Naturschutz GmbH informieren, wie der Ackerwildkrautschutz in der landwirtschaftlichen Produktion optimiert werden kann. Dazu werden Felder auf Schloss Gut Obbach, Mitgliedsbetrieb im BioRegio-Netzwerk Bayern, besichtigt.

Im Nachgang werden die Angebote der Projekte „Ackerwildkräuter für Bayerns Kulturlandschaft“ der Bayerischen Kulturlandstiftung und der TU München, gefördert durch den Bayerischen Naturschutzfonds und die Landwirtschaftliche Rentenbank, sowie das Projekt „Ackerwildkräuter erhalten und fördern mit Biobetrieben in Bayern“ der Biobauern Naturschutz Gesellschaft vorgestellt, welches ebenfalls durch den Bayerischen Naturschutzfonds gefördert wird. Auch wird über Fördermöglichkeiten im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogrammes informiert.

Die Veranstaltung ist kostenlos. Zur besseren Planung wird um Anmeldung über die Öko-Modellregion Oberes Werntal (oekomodellregion@wasserlosen.de) bis 24.05.2019 gebeten.
Gemeinsame Veranstaltung der unterfränkischen Öko-Modellregionen (Oberes Werntal, Rhön-Grabfeld, Waldsassengau) und dem Fachzentrum Ökolandbau, AELF Bamberg.