Veranstaltungsrückblick: Gemeinsam neue Wege in der Direktvermarktung gehen

15.03.2019

Projekt:

(RH: Roth) „Kollektive Direktvermarktung“ war der Titel der Abendveranstaltung, zu der die Öko-Modellregion und das Landratsamt Roth am Donnerstag, den 14.03. eingeladen hatte, bei der es um die Vorstellung neuer Wege für die Bio-Direktvermarkter im Landkreis Roth gehen sollte.

Den Anfang machte Hannah Schröder von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die während ihres Studienpraktikums in Frankreich mit einem französischen Direktvermarktungsmodell, den „Boutiques Paysannes“ (dt. „Ländliche Läden“) in Kontakt kam. Für ihre Bachelorarbeit fragte sie sich schließlich, ob dieses Modell der von Bauern selbständig geführten und organisierten Läden auch auf deutsche Verhältnisse zu übertragen sei. Hierzu beschrieb sie für Ihre Abschlussarbeit diese Form von Läden, in denen nur eigene Produkte der beteiligten Bauern verkauft werden und verglich die politischen Rahmenbedingungen für Direktvermarktungsansätze in Frankreich und Deutschland. Zudem befragte sie vier Bio-Direktvermarktungsbetriebe im Landkreis Roth hinsichtlich Ihres Interesses, ein solches oder ähnliches gemeinschaftlich organisiertes Vermarktungsmodell zu entwickeln.

„Produkte unserer Höfe und Werkstätten, verkauft durch uns selbst“, so lautet das Motto der Boutiques Paysannes, dem größten Direktvermarktungs-Netzwerk für landwirtschaftliche Produkte in Frankreich. Dort gibt es schon seit einiger Zeit den Trend zu den „magasins de producteurs“ (dt. „Produzentenläden“), sodass die französische Regierung das Phänomen sogar im Rahmen einer Studie („MAGPRO“) erforschen ließ. In Deutschland gibt es diese Form der gemeinschaftlichen Bauernläden hingegen noch nicht. Da jedoch der Direktvermarktung gerade auch in Bayern und im Ökolandbau steigende Bedeutung beigemessen wird und viele andere Formen alternativer Vermarktungsmodelle von Frankreich aus auch im deutschen Ökolandbau Einzug gehalten haben (z.B. Solidarische Landwirtschaft, Food Assemblies/Marktschwärmereien), stellt sich also die Frage, ob man auch hier vom französischen Ansatz lernen könne und solche Zusammenschlüsse für Bio-Landwirtinnen und -Landwirte eine interessante Ergänzung zu bestehenden Vermarktungskonzepten darstellen könne.

Hannah Schröder stellte dar, dass diese Boutiques Paysannes Betriebe in einem Einzugsradius von bis zu 80km zusammenfassen, unterschiedliche Gesellschaftskonstruktionen hätten und tatsächlich unter Mitarbeit aller angeschlossenen Produktionsbetriebe organisiert seien. Hinsichtlich der gesetzlichen Rahmenbedingungen sei Frankreich aber ganz anders aufgestellt als Deutschland, dort gelte auch noch der Wiederkauf aus zweiter Hand als Direktvermarktung, zudem seien Betriebe nicht auf die Ab-Hof-Vermarktung beschränkt. In der Befragung der regionalen Betriebe im Landkreis Roth konnte sie aufzeigen, dass prinzipielles Interesse bei den Erzeugerinnen und Erzeugern bestünde, sich mit arbeitsteiligen Formen der Direktvermarktung zu befassen, aber auch dort einige hemmende Faktoren gesehen werden, z.B. „die mangelnde Bereitschaft der jüngeren, für die Betriebsnachfolge in Frage kommenden Generation, in der Direktvermarktung einen Schwerpunkt zu sehen“.

Dr. Michael Rittershofer, Geschäftsführer des Tagwerk-Vereins und Projektmanager der Öko-Modellregion Isental nördlich von München stellte danach die Arbeit der „Tagwerk eG“ vor. Der regionale Vermarktungszusammenschluss wurde Mitte der 1980er Jahre unter Initiative von vier Bio-Bauern gegründet und vermarktet seitdem unter der Tagwerk-Marke Produkte von mittlerweile ca. 130 regionalen Bio-Betrieben, aber auch überregionale Angebote werden in den inhabergeführten Bioläden angeboten . Zudem stellte er die Kooperation mit dem Bio-Zerealien-Hersteller „Barnhouse“ vor, der mit der Öko-Modellregion eine Linie seines Crunchy Müslis ausschließlich mit regionalem Bio-Hafer entwickelt hat.

Um sich in Sachen gemeinschaftlicher Vermarktungsaktivität auf den Weg zu machen, beschrieb Daniel Mettke schließlich noch das Konzept des Bio-Feierabendmarkts. Die Idee: auf dem Heimweg vom Arbeitsplatz könnten Marktbesucherinnen und -besucher sich bewusst Zeit nehmen, sich mit regionalen Bio-Produkten auseinandersetzen, ohne Stress einzukaufen und Kontakt mit Vermarktern und Erzeugern aufnehmen. Niedrigschwelliges Programm würde auch ein Informationsangebot bieten und Anlass zum Verweilen schaffen. Durch eine Rotation innerhalb der Öko-Modellregion könnten sich Direktvermarktungs-Betriebe auch in anderen Ecken der Region neuen Kunden gegenüber bekannt machen. In der sich darauf direkt anschließenden Diskussion zeigte sich unter den teilnehmenden Betrieben Interesse an einem solchen Ansatz, auch wenn man sich über weitere Fragen wie einem idealen Turnus (Vorschlag: vierteljährlich, evtl. häufiger). Das Projektmanagement der Öko-Modellregion bot daher an, eine Abfrage bei den Bio-Direktvermarktern in der Region zu machen, die als Grundlage für weitere Planungen für eine erstmalige Veranstaltung im Rahmen der Bio-Erlebnistage dienen könne.

Nachdem Herr Pichl sich mit einem „Original Regional“ Geschenketütchen, gefüllt mit regionalen Bio-Spezialitäten aus dem Landkreis Roth bei der Frau Schröder und Herrn Rittershofer bedankt hatte, klang die Veranstaltung bei einem regionalen Buffet und angeregten Unterhaltungen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus.

Unter nachfolgenden Links können die Präsentationen und Zusammenfassungen heruntergeladen werden.

Die komplette Bacholarbeit kann beim Projektbüro der Öko-Modellregion Nürnberg, Nürnberger Land, Roth eingesehen werden.

Ein Veranstaltungsbericht für die Zeitung wurde von Herrn Jürgen Leykamm verfasst, der hier abzurufen ist: „Bio-Markt nach Feierabend: Öko-Modellregion will mit Projekt neue Wege gehen – Direktvermarkter aus dem Landkreis interessiert“.

Herr Leykamm hat auch freundlicherweise das Beitragsbild zur Verfügung gestellt (v.r.n.l: Thomas Pichl, Landratsamt Roth; Dr. Michael Rittershofer, Tagwerk e.V/ÖMR Isental; Hannah Schröder, HNEE; Daniel Mettke, Stadt Nürnberg/ÖMR N NL RH). /dm