Bauer Thoma „lässt die Sau raus“

Projekt: Ökolandbau mit allen Sinnen entdecken - Bewusstseinsbildung

Ein Besucher nimmt Kontakt mit den neugierigen Jungschweinen auf.
© Rebecca Schweiß

Von wegen enge Stallhaltung oder Kastenstand für die Muttersauen: bei Landwirt Andreas Thoma geht’s den Schweinen „saugut“. Er lud gemeinsam mit Rebecca Schweiß, Projektmanagerin bei der Ökomodellregion Günztal, zum Besuch der Weiden für die Freilandschweine in Tafertshofen. Thomas Freilandschweine leben dort sehr entspannt auf einem großen Areal und sind mit dem Bio-Label von Bioland zertifiziert.

Gut vierzig Interessierte folgten der Einladung und erfuhren viel Neues über die Bio-Aufzucht von Schweinen. Andreas Thoma, Bio-Landwirt aus Ritzisried, führte die Gäste mitten durch die Weide in der sich die jüngeren Schweine frei um die Besuchergruppe bewegen. Sehr emsig bearbeiten die Jungschweine die Weide; gefressen wird, was dort wächst: Gras und Kräuter. Nach wenigen Monaten sieht das abgetrennte Weidestück auf dem riesigen über zwei Hektar großen Areal wie ein frisch gepflügter Acker aus. Dort ist dann nichts mehr zu sehen, was da noch wächst. Bauer Thoma trennt dann ein neues Stück Weide für die Schweine ab, damit sie dort weiter fressen können und auf dem abgeernteten Teil wieder Gras und anderes wachsen kann. Neben dem, was vor Ort wächst, bekommen die Öko-Schweine vor allem Gerstenschrot als Futter. „Dass es den Schweinen gut geht, schmeckt man später auch beim Fleisch“, so Thoma.

Völlig entspannt liegen auch die Muttersauen in großen Koben im Stall und ruhen sich von der hungrigen Ferkelmeute aus. Der Stall ist offen, so dass die kleinen Ferkel jederzeit nach draußen können. Und davon machen sie rege Gebrauch, wuseln umeinander und „bilden Banden mit den Ferkeln aus einem anderen Wurf“, so Andreas Thoma. Man spürt, er mag seine insgesamt siebzig Schweine, ist stolz darauf, dass bis heute noch nie eines von ihnen krank wurde: „Die wachsen zu einhundert Prozent ohne Medikamente auf“. Hier wird kein Schweinefleisch „produziert“, hier wachsen Schweine in ihrer natürlichen Umgebung auf, stellt der Bio-Landwirt klar. Geschlachtet werden sie nach etwa gut einem Jahr bei einem Metzger ganz in der Nähe, keine langen Wege zu einem anonymen Schlachthof.

Das Schweinefleisch bietet er nur auf seinem Hof in Ritzisried zum Verkauf an. Weder in einer Metzgerei noch auf einem Wochenmarkt ist es erhältlich. Dafür hat sich Thoma einen Kundenstamm aufgebaut, den er per E-Mail davon benachrichtigt, wenn wieder geschlachtet wird. Wer dann etwas kaufen will muss sich zeitig melden. Interessierte können sich auf seiner Internetseite www.freilandschweine-thoma.de zum Newsletter anmelden. Diese Form der Direktvermarktung unterstützt auch Rebecca Schweiß von der Ökomodellregion Günztal. Sie unterstützt Landwirte beim regionalen Bio-Anbau und der Vermarktung von Bio-Lebensmitteln.

Unterstützung erfährt Bio-Bauer Thoma auch von Dr. Markus Koneberg, dem Bürgermeister der Naturgemeinde Kettershausen. Er freut sich, dass auf dem Gemeindegebiet nun auch Bio-Freilandschweine gehalten werden und so das Motto der Naturgemeinde „Die Zukunft im Blick“ mit Leben gefüllt wird.

Bericht von Tom OTTO

24.09.2020

Region: Günztal