Obstanger neu bepflanzt

Gemeinschaftsaktion in Otting trägt Früchte – Zehn junge Bäume am Wiesenhang eingesetzt

Projekt: Öffentlichkeitsarbeit , Streuobst und Artenschutz

Alle Hände voll zu tun haben (von links): Bernhard Sailer, Uli Jauernig, Hans Seehuber und seine Gattin Edeltraud Seehuber sowie Helmut Schmid.

Alle Hände voll zu tun haben (von links): Bernhard Sailer, Uli Jauernig, Hans Seehuber und seine Gattin Edeltraud Seehuber sowie Helmut Schmid.
© Anneliese Caruso

Otting. Blühende Obstbäume und Streuobstwiesen sind Brennpunkte der Biodiversität in der Kulturlandschaft, da sie zumeist nur ohne Einsatz von Pestiziden und Mineraldüngern bewirtschaftet werden und für Tiere und Pflanzen einen hohen Strukturreichtum bieten. Der Erhalt, der noch vorhandenen, und die Entwicklung neuer Bestände ist ein wichtiges Anliegen, das der Landschaftspflegeverband Traunstein (LPV), die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel oder etwa die Katholische Kirche seit vielen Jahren unterstützen. In einer Zeit, in der naturbelassene Lebensmittel für eine gesunde Ernährung immer wichtiger werden, verstärkt sich die Bedeutung des Streuobstanbaus. Daher wurde nun wieder eine gemeinschaftliche Baumpflanzaktion in Otting vorgenommen.

Am Wiesenhang westlich des Pfarrstadels haben der LPV, vertreten durch Jürgen Sandner, der Obst- und Gartenbauverein Otting mit Baumwart Hans Seehuber und seiner Frau Edeltraud sowie mit Bernhard Sailer und dessen Sohn Kilian gemeinsam mit dem Kirchenpfleger Heinrich Thaler und dem Pastoralreferenten Uli Jauernig von der Kirchengemeinde Otting zehn junge Obstbäume gepflanzt. Darunter sind vier Apfel- und drei Birnbäume sowie drei Walnussbäume. Bei den Äpfeln handelt es sich zum Beispiel um die Sorten „Graue Herbstrenette“ oder „Geflammter Kardinal“ und bei den Birnen um die „Palmischbirne“ und die Sorte „Großer Katzenkopf“.

Am Wiesenhang befand sich bis in die 1970er Jahre ein großer Obstanger, dessen Bäume, bis auf ein paar Exemplare, in den letzten 30 Jahren nach und nach abgestorben sind. Mit der Pflanzung der jungen hochstämmigen Bäume wurde der Obstanger nun wieder belebt. Bereits im Frühjahr 2015 hatte Kirchenpfleger Heinrich Thaler einige Obstbäume auf die Wiese zwischen Backofen und Pfarrstadel gesetzt, die gut gedeihen. Eigentümerin des Angers ist die katholische Kirchenstiftung Otting, die ihn an Landwirt Helmut Schmid aus Miesenböck verpachtet hat. Schmid lässt den Hang, der für eine Mahd zu steil ist, von seinen Jungrindern abweiden.

Um die zehn neuen Bäume vor den grasenden Rindern zu schützen, umfasste man jeden mit einem Holzgestell, das jeweils aus vier massiven, lange haltbaren Eichenpfählen besteht. Eine ebenfalls angebrachte Holzmanschette soll die Bäume zusätzlich vor dem Verbiss durch Hasen oder Rehe schützen.

Bäume stellt LPV kostenlos zur Verfügung

Die Bäume für diese Pflanzung und das Material stellte der LPV kostenlos zur Verfügung. Die Kosten für die Bäume und das weitere Material werden über die Landschaftspflegerichtlinie des Bayerischen Umweltministeriums im Rahmen des Streuobstpaktes mit 90 Prozent gefördert. Der LPV übernimmt den Eigenanteil von zehn Prozent. Zudem organisierte der Verband die Baumbestellung und fädelte die Pflanzung mit den Beteiligten ein.

Die Erzdiözese München-Freising trägt die Auslagen für den Bagger, der für das Ausheben der Pflanzlöcher und das Eindrücken der Eichenpfähle anrollen musste, im Rahmen ihres Projektes „Landschaftspflege auf Kirchengrund“. (Landschaftspflege auf Kirchengrund, erzbistum-muenchen.de) .

Die „Wilden Blumen“, die Buben und Mädchen der Kindergruppe im Obst- und Gartenbauverein Otting unter der Leitung von Doreen Maierhofer, schauten den Erwachsenen während des Pflanzens über die Schultern. Nebenbei brachte man den Kindern auch den unschätzbaren Stellenwert von Streuobstwiesen näher. Da gerade diese Bäume das Biotop Streuobstwiese so einzigartig machen, indem sie vielen Tierarten, wie etwa Fledermäusen, Spechten, und Baumhöhlenbewohnern wie dem Gartenrotschwanz oder Hornissen einen Lebensraum bieten, ist das Nachpflanzen von jungen Bäumen wichtig, damit es noch in 30 bis 40 Jahren alte, knorzige Bäume gibt, die solchen Tieren Lebensraum bieten. „Landschaftspflege macht man immer für Mensch und Natur“, hieß es. „Für die Pflanzung der Obstbäume ist der Herbst am günstigsten, allerdings darf der Boden noch nicht gefroren sein. In dieser Zeit haben die Bäume das Laub bereits abgeworfen und es regnet meist genug, sodass die Setzlinge nicht zusätzlich gegossen werden müssen und während der Wintermonate bereits feine Wurzeln bilden können, damit sie im kommenden Frühjahr kräftig austreiben.“

Die Obstbäume werden künftig von Ottinger Gartenfreunden betreut und auch beerntet. Hans Seehuber und Kilian Sailer kümmern sich um den Schnitt. Der regelmäßige jährliche Schnitt in den ersten zehn bis zwölf Jahren ist notwendig, damit sich eine stabile Baumkrone entwickelt und der Baum alt werden kann.

Interessenten, die eine Obstwiese anlegen oder durch Nachpflanzungen ergänzen möchten, können sich in der Geschäftsstelle des LPV Traunstein bei Carsten Voigt unter Telefon 0861/583 93 melden, oder bei der Ökomodellregion unter 08681/ 4005- 37. Als zuständige Fachstelle wickelt der LPV alle Förderanträge ab. Denn sowohl die Bäume (mindestens acht) als auch das notwendige Zubehör werden vom Freistaat und vom LPV gefördert. Der Verband lichtet auf Wunsch auch alte Baumbestände aus.


Im Übrigen übernimmt der Landschaftspflegeverband unter der Federführung von Jürgen Sandner seit ein paar Jahren auch die Bio-Sammelzertifizierung von Streuobst. Dadurch kann das Bio-Obst zu einem deutlich höheren Preis an regionale Keltereien verkauft und somit die Wertschöpfung erhöht werden. Man kümmert sich um alle notwendigen Formalitäten mit der Bio-Kontrollstelle. So muss sich nicht mehr jeder einzelne Obstgartenbesitzer damit auseinandersetzen. Auch hier arbeiten LPV und Ökomodellregion Hand in Hand. Mitmachen können Landwirte, die für ihren Betrieb kein Bio-Zertifikat haben, private Eigentümer von Streuobstwiesen, Kirchenstiftungen oder auch Kommunen. Wichtige Kriterien: Die Bäume dürfen in den vergangenen Jahren weder mit Spritzmitteln noch mit leicht löslichem Mineraldünger behandelt worden sein. Für die Streuobstwiesenbesitzer ist die Aktion kostenfrei.

Artikel von Anneliese Caruso, Südostbayerische Rundschau vom 09.11.2022

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09.11.2022

Region: Waginger See - Rupertiwinkel