Toller Holler

Holunderblüte im Miesbacher Oberland

Projekt: Kräuterregion Leitzachtal

Hollerbuch aus Fischbachau
© Bernlochner

Überall sieht man sie wieder, die herrlich blühenden Holunderstauden im Landkreis. Den Holler (lat. Sambucus nigra) mit seinen handtellergroßen weißen Blütendolden und dem typischen aromatischen Duft. Gerne wächst die heimische Pflanze an Waldrändern und in der Nähe von Häusern. Wertvoll für Mensch und Natur ranken sich viele Geschichten rund um die mystische Pflanze. So heißt es oft: „vorm Holler mußt‘ den Hut ziehen“. Aus den Blüten und Beeren werden viele altbewährte Heilmittel gewonnen. Sogar wissenschaftlich anerkannt ist die Wirksamkeit der Holunderblüten und -beeren zur Behandlung von Erkältungskrankheiten. Auch in der genussreichen Küche wird Holunder gerne eingesetzt. Die Rezepte dazu werden oft von Generation zu Generation überliefert. Vom Hollerblütengelee bis zum Holunderbeerenlikör ist die Bandbreite groß. Aber genauso wertvoll ist die heimische Pflanze auch für die Natur. Besonders Insekten, Bienen und Vögel finden Nahrung und Unterschlupf in der Staude mit der markanten Rinde.

„All diese Gründe sprechen dafür der heimischen Pflanze wieder etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken“ findet auch Stephanie Stiller, Projektmanagerin der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland. „Kräuter sammeln und zum Wohle der Gesundheit von Mensch und Tier einsetzen, das hat im Oberland schon lange Tradition. Besonders die Holunderstaude war schon immer geschätzt und an diese Tradition haben wir schon vor Jahren gemeinsam mit der Gemeinde Fischbachau dem Arbeitskreis Kräuter-Kraft-Natur - Unser Leitzachtal angeknüpft.“

Hollerblütenfest für die Ferien dahoam
Auch Veronika Berlochner, Kräuterpädagogin aus Fischbachau, schätzt die Schutz- und Heilpflanze sehr und gibt immer wieder gerne Auskunft zum Holunder. Ein bisschen traurig ist sie, weil der ursprünglich für den 13. Juni 2020 geplante Leitzachtaler Handwerker- und Bauernmarkt mit Hollerblütenfest in Fischbachau nun aus bekannten Gründen abgesagt ist.
„Schade, denn auch heuer blüht der Holler termingerecht und so üppig wie alle Jahre. Mit vielen frisch ausgebackenen Hollerkiachal hätten wir unsere Gäste verwöhnen können, ganz abgesehen von den unzähligen weiteren Köstlichkeiten, die man auf dem Fest hätte genießen können.“
Aber es muss ja nicht immer ein großes Fest sein mit vielen Leuten, wie wärs denn mit einem kleinen aber feinen Hollerblütenfest im eigenen Garten im Kreise der Familie? Bernlochner hat gleich eine Idee parat „ Einfach den Garten schön dekorieren mit den weißen Blüten vom Holunder. Auf dem Tisch oder auf der Picknickdecke verschiedene Hollerschmankerl servieren und schon wird im Garten gleich die ganz besondere Sommer-Stimmung verbreitet“.

Pünktlich zur Hollerblüte: das Fischbachauer Hollerbuch
Besonderes Glück haben die Bürger und Gäste der Gemeinde Fischbachau: denn sie erhalten druckfrisch das neue „Fischbachauer Hollerbuch“. Rechtzeitig zur Holunderblüte erschien es mit Geschichten, Rezepten und Geheimnissen aus dem Leitzachtal. Auf 160 Seiten sammelte Brigitte Abels-Zell vom Arbeitkreis Kräuter Kraft Natur – Unser Leitzachtal Küchengeheimnisse, Rezepte und Hausmittel der Großmütter und so manche gemachte Erfahrung mit dem Holler. In den Rubriken: Gschichtn, Gschmackigs, Gsunds, Gsangl, Gwerkt, Griabige Platzerl und Gwandert wurde festgehalten, was die Fischbachauer Bürgerinnen und Bürger so alles über den Holler zu sagen haben. Obendrein ist das Hollerbuch ein kleines Kunstwerk geworden, da es der Kunstkreis Fischbachau mit Illustrationen und Bildern verschönert hat.
Auch Fischbachaus neuer Bürgermeister Johannes Lohwasser ist sich sicher, dass in diesem Buch genügend Anregungen für ein kleines, aber feines Hollerblütenfest im eigenen Garten zu finden sind: „Dieses Buch ist eine von LEADER geförderte Maßnahme zur Einführung der Dachmarke Holler- und Kräutertal. Dank der finanziellen Unterstützung kann die Gemeinde Fischbachau dieses Buch an die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, sowie Touristen und Gäste kostenlos abgeben.“

Rezept Holunderblütenbrot (von Vroni Bernlochner) im Anhang

Artikel im Miesbacher Merkur am 19.06.2020 im Anhang